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GULR/Einleitung/4

aus AufEinWort, der freien Forschung
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▷Auch wusste man, dass die griechischen Colonisten schon Einwohner, die viele Städte bewohnten, gefunden hatten. Man nannte sie Aborigines oder Aberrigines. Die Griechen übersetzten dies nach ihrer Ansicht durch Autochthones 'Landesgeborne' welcher Ansicht man heut, wo Alles gräcisirt wird, folgt. Andere jedoch auf andere Weise, Dionys. X, 5 durch γενάρχαι, 'Stammäter'; Festus sagt "Aborigines dictī sunt, quod errantes convenerint in agrum, qui nune est populi Romani, fuit enim gens antiquissima Italide."[1] Man sieht also, dass schon die Alten sie als solche betrachteten, welche vom Hauptstamme abgeirrt wären. Auch wusste man damals und giebt jetzt es zu, dass keltische und iberische Stämme früh Theile Italiens bevölkert haben, schliesst aber die Germanen aus, deren Name in dieser Hinsicht nicht erwähnt wird.

Allein man vergisst, sowohl dass der Name Kelten bei den Römern ein so allgemeiner war, wie bei den Griechen Scythen, und eigentlich 'Waldbewohner' bedeutet, von coille, Wald[2], daher auch den Germanen beigelegt werden konnte, als auch, dass dieser Stamm selbst ein wiewohl früher getrennter Theil des germanischen zu sein scheint, wohin nicht nur eine grosse Auzahl gleich lautender Wörter ähnlicher Bedeutung in beiden Sprachen, sondern auch die von den Römern bemerkte Ähnlichkeit weiset, daher man auch wach Strabo das Wort Germani – zwar unrichtig – durch Verwandte und Brüder der Kelten erklärte. Auch haben mehrere Gelehrte, wie Scrickkius Cluverus, die Stammeinheit beider Völker nachzuweisen versucht. Pelloutier macht die Germanen zu Kelten; insofern mit Unrecht, als der germanische Stamm der grössere, seine Sprache die reinste, unvermischteste und Grundsprache der meisten europäischen Völker geworden ist.

Endlich ist zu erwägen, dass der Name Germani nach Tacitus ein recens additum war, der 'Wehr-Kriegsmannen' bedeutet, und den sich die nach Gallien vorgedrungenen deutschen Heere zuerst gaben. Dass Kelten und Germanen in den frühesten Zeiten zusammenfallen, sieht man auch bei Arrian. exp. Aler. 1, 3 etc., der erzählt, Alexander sei an dem Ister auf Kelten gestossen, dieser Fluss entspringe bei den Kelten, und Quaden und Markomannen seien die äussersten Kelten, dass aber Quaden und Markomannen Germanen sind, ist wohl eben so gewiss, als die Donau in Deutschland entspringt. Gothen wohnten auch Jahrhunderte lang an der Donau; wie aber wären zu Alexanders Zeit Gallier dahin gekommen?

Die Wörter, welche die Römer keltische nennen, sind meist ächt germanisch; so nannten die Römer folgende Wörter gallisch: Festus, sparum den 'Speer'; Gellius, lancea die 'Lanze'; Varro bei Gellius XV, 30. petōritum, ein vierrädriges Fahrwerk, und doch ist es zusammengesetzt aus dem teutonischen fedwōr oder sächsischen feothor, vier – und rid – das Rad; rheda soll nach Quinct. I, 5. 57. 69. gallisch sein, und doch heisst im Altdeutschen raida der Wagen, ebenfalls von Rad. Plin. h. n. XVIII, 18. sagt, dass die Gallier dem Plluge 2 Räder hinzufügten und ihn plānarātum nannten; man sieht, es ist unser Pflugrad; Plin. h. m. IUI, 17. heisst es, die Gallier heissen Pferdebändiger, Eporedicas. Hoppe heisst aber schwedisch, Happel und Hampel schlesisch das Pferd, reda – rida – ist reiten; es heisst also Pferdereiten. Auch balga, Balg (Fell) und merga, Mergel, werden gallisch genannt, und sind doch deutsch. Berg-amo sollen nach Plin. h. n. III, 17. Gallier gegründet haben, und doch deutet der Name Amberg oder Bergheim, so wie der von Arminium auf deutschen Ursprung.

  1. ↑ "Aborigines appellati sunt, quod errantes convenerint in agrum, qui nunc est populi Romani; fuit enim gens antiqussima Italiae."Sie wurden Ureinwohner genannt, weil sie umhergewandert waren und sich in dem Gebiet versammelt hatten, das heute das römische Volk ist; denn es war die älteste Nation Italiens.
  2. ↑ *) Thiercy histoire des Gaulois.