Synonymik
Synonymik Vorlage:agrie.-dt.
- ‘einem anderen ganz oder teilweise in Bedeutung und Gebrauch entsprechendes Wort’,
- Entlehnung (Ende 15. Jh., bis ins 18. Jh. in griech.-lat. Flexion)
Synonym
Synonyme oder Synonyma (von altgriechisch συνώνυμος synṓnymos ‚von gleichem Namen‘[1] zu σύν sýn ‚gemeinsam‘ und ὄνομα ónoma ‚Name, Begriff‘) sind sprachliche Ausdrücke oder Zeichen, die zueinander in der Beziehung der Synonymie stehen – einer der grundlegenden Typen von Bedeutungsbeziehungen bzw. Sinnrelationen.
Synonymie im strengen Sinn ist eine Bedeutungsgleichheit zwischen Zeichen, also nicht nur gleicher Bezug in einem bestimmten Kontext, sondern systematische Deckungsgleichheit hinsichtlich der Bedeutung. Eine derart perfekte Synonymie ist selten im Wortschatz einer natürlichen Sprache (Sprache, die sich natürlich entwickelt hat, von Menschen gesprochen wird und nicht konstruiert ist). Beispiele für Synonyme unterscheiden sich daher oft in untergeordneten Aspekten der Bedeutung wie etwa damit transportierten Bewertungen und der Zuordnung zu regional verschiedenem Sprachgebrauch etc.[2]
In einem weiten Sinn werden auch sinnverwandte Wörter als Synonyme bezeichnet, auch wenn sie lediglich ähnliche oder verwandte Bedeutungen haben, so z. B. in Synonymwörterbüchern.[3]
Zwei Wörter sind zueinander immer wechselseitig synonym, jedoch besteht diese Beziehung eigentlich genaugenommen zwischen zwei bestimmten Lesarten dieser Wörter, denn jedes für sich ist oft mehrdeutig.[4]
Wörter mit gegensätzlicher Bedeutung sind Antonyme.
Begriff der Synonymie
Strikte und partielle Synonymie
Erscheinungsformen der Synonyme
Synonyme Wörter, Syntagmen und Sätze
Das Verhältnis der Bedeutungsidentität oder Bedeutungsähnlichkeit stellt sich nicht nur bei Wörtern, sondern auch – und „viel häufiger“[10] bei Wortgruppen (Syntagmen) und bei ganzen Sätzen ein.
- Beispiel:
- „Der Rasen muss geschnitten werden.“ – „Der Rasen ist zu schneiden.“
(Synonym zu „müssen“ ist allerdings nur eine Lesart der „ist-zu“-Konstruktion, denn sie kann auch die Interpretation haben, dass man es machen kann.)
Synonyme sprachliche Zeichen verschiedenen Typs
Synonymie besteht nicht nur zwischen lexikalischen Zeichen des gleichen Typs:
- Ein einwortiges lexikalisches Zeichen kann mit einem mehrwortigen lexikalischen Zeichen synonym sein (stören – dazwischenfunken – in die Quere kommen)
- Ein Wortbildungsmittel kann mit einem einwortigen oder mehrwortigen lexikalischen Zeichen synonym sein (Online- – im Netz)
- Eigennamen, vor allem Produktnamen, können sich zu generischen Termen und damit zu Synonymen für die Produktbezeichnung entwickeln, zum Beispiel Tempo für Papiertaschentuch.
Unter diesem Gesichtspunkt erscheint dann die Angabe eines Synonyms als Form der Definition und hat Verwandtschaft mit der Paraphrase, da es in beiden Fällen um die „relation of sameness of meaning“ geht.[11]
Es gibt synonymische und nichtsynonymische Kontexte. In synonymischen Kontexten können Wörter einer Synonymgruppe trotz inhaltlicher und stilistischer Nuancen gegeneinander ausgetauscht werden, zum Beispiel „lachen“ gegen „wiehern“ oder „fotografieren“ gegen „aufnehmen/knipsen“. In synonymischen Kontexten werden die inhaltlichen Unterschiede nicht aktualisiert, sodass die Grundlage für eine Austauschbarkeit gegeben ist. Nur die Gemeinsamkeiten des Inhalts werden angesprochen. Aus den Spezialsemen (Sem = Bedeutungsmerkmal) ergibt sich eine Ähnlichkeit, die sowohl Gleichheit wie Unterschiedlichkeit einschließt. Zu bemerken ist, dass die konnotative (= die Nebenbedeutung, Begleitbedeutung betreffende) Differenz die Synonymitätsstiftung nicht beeinflussen kann, sofern sie die denotative Ähnlichkeit nicht überdeckt. In nichtsynonymischen Kontexten sind die gleichen Wörter jedoch nicht austauschbar, weil ihre speziellen Inhalte aktualisiert, hervorgehoben werden. Man könnte sogar von „Augenblicksantonymen“ sprechen, weil in diesem Kontext die unterscheidenden Merkmale Dominanzseme werden, sodass die eigentlichen Synonyme nicht austauschbar sind, sondern in Opposition stehen, zum Beispiel: Dann knipse ich mal. Sonst fotografiere ich ja/Das ist kein Kamm, das ist eine rostige Läuseharke/Ich habe keinen Laden, ich habe einen Salon.
Innersprachliche (intralinguale) – zwischensprachliche (interlinguale) Synonyme
Die Bedeutungsgleichheit (Bedeutungsähnlichkeit) von Wörtern (sprachlicher Zeichen) kann innersprachlich, aber auch zwischen verschiedenen Sprachen betrachtet werden.[12]
Territoriale Dubletten
Als Sonderfall der Synonymie werden auch territoriale Dubletten angeführt. Darunter versteht man „regionale Varianten“[10] eines Ausdrucks, die in größeren Gebieten als die der Mundarten auftreten.
- Beispiel: Sonnabend/Samstag
Plesionymie (Fast-Synonymie) (?)
Teilweise wird von einer „Plesionymie“ (Fast-Synonymie) gesprochen, bei denen zwar keine Referenzidentität vorliegt, aber das Austauschen nur zu einer minimalen Referenzänderung führt.
- Beispiel: laufen – rennen
Daran wird kritisiert, dass es sich (fast immer) um „stärkere oder schwächere Ausprägungen eines Eigenschaftskonzeptes“ handelt, so dass man diese Fälle schlicht der „skalaren Relation“ zuschlagen kann und sollte.[13]
Pseudonyme
Pseudonyme als Deck-, Tarn- oder Künstlernamen können als synonyme Eigennamen aufgefasst werden.
Symbole
Abkürzende Symbole, wie im obigen Zahlbeispiel die Ziffer „1“, können als Synonyme betrachtet werden.
Synonymie in der Sprachwissenschaft
Im ausgehenden 17. und im 18. Jahrhundert wurde insbesondere in der französischen Sprachwissenschaft und -philosophie über den Begriff und über die Auswirkungen der Synonymie gearbeitet.[14]
In der generativ-transformationellen Grammatik ist der Begriff der Synonymie zentral.[14]
Mit dem Synonymiebegriff ist es möglich, Paraphrasenklassen zu kennzeichnen.[14]
Die Synonymierelation ist in der Lexikologie beziehungsweise Lexikografie wichtig. Klassisch in der Lehre vom Wortfeld, lexikologisch nunmehr auch unter der Bezeichnung Synset (siehe unter Wortfeld) dargestellt.
In der Wortbildungslehre geht man von einem Synonymieverbot[15] aus: „Nach den Wortbildungsregeln werden mögliche Wörter in der Regel blockiert, wenn ein bedeutungsgleiches Wort bereits existiert.“[15]
Synonymie und Abstraktion
Von einem wohl nicht-realistischen, empiristischen Standpunkt aus wird die Abstraktion über den Synonymie-Begriff konstruiert. „Bedeutungen“ sind dann „Abstrakta von Ausdrücken unter Synonymie“.[12] Wer über den Begriff von einem Prädikator spreche, handele von dem Prädikator „unter der Rücksicht des Synonymie“.[12] Im Gefolge von P. Lorenzen wird angenommen, dass Aussagen über Begriffe „nichts anderes mehr als invariante Aussagen über Prädikate (sind). Ein Begriff /P/ wird immer durch ein Prädikat P dargestellt, er geht durch die beschriebene Operation der Abstraktion aus diesem Prädikat hervor, und zwar durchaus im klassischen Sinne als dessen Intension oder intensionale Bedeutung“.[16]
Synonymwörterbücher
Synonymwörterbücher gehören zu den Wörterbüchern mit eingeschränktem Informationsprogramm. Zum jeweiligen Stichwort werden die sinn- und sachverwandten Wörter angegeben. Da absolute Synonymie selten ist, geben die meisten Wörterbücher dieses Typs eher bedeutungsähnliche Wörter an. Benutzer dieser Wörterbücher müssen deshalb über einen hohen Grad von Sprachkompetenz verfügen, um für einen bestimmten Kontext das passende Synonym auswählen zu können.
Man unterscheidet zwei Arten von Synonymwörterbüchern:
- distinktive Synonymiken spezifizieren die Lesarten von polysemen Lexemen und ordnen die bedeutungsähnlichen Wörter der jeweiligen Lesart zu (Beispiel: durcheinander (Person) – verwirrt; durcheinander (Sachen) – chaotisch, vermischt, wie Kraut und Rüben); eine distinktive Synonymik des Deutschen ist Schülerduden. Die richtige Wortwahl.
- kumulative Synonymiken ordnen die einem Lexem ähnlichen lexikalischen Zeichen ohne Unterscheidung der Lesarten diesem Lexem zu; eine kumulative Synonymik ist Duden Band 8. Die sinn- und sachverwandten Wörter.
Synonymenwörterbücher werden häufig verwendet, um in einem Text zu häufige Wiederholungen eines Wortes zu vermeiden. Sie können auch für die systematische Wortschatzarbeit im Zweitsprachunterricht herangezogen werden.
Siehe auch
Literatur
Synonymie allgemein
- M. Lynne Murphy: Semantic Relations and the Lexicon. Cambridge University Press, Cambridge 2003, ISBN 0-521-78067-5.
- D. Alan Cruse: Lexical Semantics. Cambridge University Press, Cambridge 1987, ISBN 0-521-25678-X.
- Hadumod Bußmann (Hrsg.): Lexikon der Sprachwissenschaft. 3. aktualisierte und erweiterte Auflage. Kröner, Stuttgart 2002, ISBN 3-520-45203-0.
- John Lyons: Linguistic Semantics. An Introduction. Cambridge University Press, Cambridge 1995, ISBN 0-521-43877-2.
- Věra Kloudová: Synonymie und Antonymie. Universitätsverlag Winter, Heidelberg 2016, ISBN 978-3-8253-7534-8.
Synonymwörterbücher
- Erich Bulitta, Hildegard Bulitta: Das große Lexikon der Synonyme. Fischer, Frankfurt am Main 2005, ISBN 3-596-16692-6.
- Erich Bulitta, Hildegard Bulitta: Wörterbuch der Synonyme und Antonyme. Fischer, Frankfurt am Main 2003, ISBN 3-596-15155-4.
- Michael Kurz: Das neue Wörterbuch der Synonyme. 4. Auflage. Econ, München 2001, ISBN 3-548-75091-5.
- Annemarie Weber, Renate Morell: Sag es treffender. 43. Auflage. Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 2002, ISBN 3-499-61388-3 (Erstausgabe: Stuttgart 1955).
- Paul Grebe, Wolfgang Müller; Dudenredaktion (Hrsg.): Vergleichendes Synonymwörterbuch. Sinnverwandte Wörter und Wendungen. Mannheim 1964 (= Der große Duden in 10 Bänden. Band 8), spätere Auflagen als: Die sinn- und sachverwandten Wörter.
- Wolfgang Müller (Hrsg.): Schülerduden „Die richtige Wortwahl“. Dudenverlag, Mannheim 1977, ISBN 3-411-01370-2 (Erstausgabe).
- Wolfgang Müller (Hrsg.): Die sinn- und sachverwandten Wörter. Dudenverlag, Mannheim 1997, ISBN 3-411-20908-9 (Duden. Band 8).
- Pharmaziegeschichtlicher Synonymenschlüssel. In: Jörg Mildenberger: Wörterbuch. W–Z. Königshausen und Neumann, Würzburg 1997, ISBN 3-8260-1398-0, S. 2709–2784 (= Anton Trutmanns „Arzneibuch“. Teil 2, Band 5).
Weblinks
- Synonyme auf OpenThesaurus
- Wortschatz der Uni Leipzig
- Synonymwörterbuch auf Woxikon
- Willard Van Orman Quine: Two Dogmas of Empiricism. 1951
- ↑ So Monika Schwarz, Jeanette Chur: Semantik. 5. Auflage. G. Narr, Tübingen 2007, S. 55.
- ↑ Alan Cruse: Meaning in Language. An Introducation to Semantics and Pragmatics. 2. Auflage. Oxford University Press, Oxford 2004, ISBN 0-19-926306-X, S. 155.
- ↑ Onlineversion: Duden.de/synonyme, Eintrag „Fluss“ etc.
- ↑ Duden.de/synonyme, Eintrag „Fluss“ bzw. „Kanal“
- ↑ Ronnie Cann: Sense Relations. In: Claudia Maienborn, Klaus von Heusinger, Paul Portner (Hrsg.): Semantics: An International Handbook of Natural Language Meaning. (= Handbücher zur Sprach- und Kommunikationswissenschaft, 33). De Gruyter, Berlin 2011, Band 1, Kap. 21, S. 456–479. Siehe S. 461.
- ↑ Winfried Ulrich: Wörterbuch linguistische Grundbegriffe. 5. Auflage. Borntraeger, Berlin 2002, ISBN 3-443-03111-0(Stichwort Hyponymie).
- ↑ Veronika Haderlein: Semantik bei der Arbeit mit zentralen Wortschätzen. In: Stefan Langer, Daniel Schnorbusch (Hrsg.): Semantik. Narr, Tübingen 2005, ISBN 3-8233-6099-X, S. 24.
- ↑ Nicht so in Volker Harm: Einführung in die Lexikologie. WBG, Darmstadt 2015 (Einführung Germanistik), ISBN 978-3-534-26384-4, S. 67.
- ↑ Ingo W. Rath (Hrsg.), Aristoteles: Categoriae/Die Kategorien. Reclam, Stuttgart 1998, ISBN 3-15-009706-1, S. 7.
- ↑ a b Katja Kessel, Sandra Reimann: Basiswissen Deutsche Gegenwartssprache. Fink, Tübingen 2005, ISBN 3-8252-2704-9, S. 168.
- ↑ Jerrold J. Katz: Semantic Theory. Harper & Row, New York 1972, ISBN 0-06-043567-4, S. 4–6. Zitiert in: Dieter Wunderlich: Arbeitsbuch Semantik. 2. Auflage. Hain, Frankfurt am Main 1991, ISBN 3-445-03051-0, S. 153.
- ↑ a b c Geo Siegwart: Begriff. In: Hans Jörg Sandkühler u. a. (Hrsg.): Enzyklopädie Philosophie. Meiner, Hamburg 1999, ISBN 3-7873-1453-9, S. 126–129.
- ↑ So Volker Harm: Einführung in die Lexikologie. WBG, Darmstadt 2015 (Einführung Germanistik), ISBN 978-3-534-26384-4, S. 69 f. m.w.N.
- ↑ a b c Herbert E. Brekle: Semantik. 2. Auflage. Fink, München 1972, ISBN 3-7705-1181-6, S. 88.
- ↑ a b Schwarze/Wunderlich, Einleitung, in: Schwarze/Wunderlich: Handbuch der Lexikologie. 1985, S. 7 (18)
- ↑ Mittelstraß: Begriff und Wort. In: Joachim Ritter, Karlfried Gründer (Hrsg.): A–C. Schwabe, Basel 1971 (Historisches Wörterbuch der Philosophie. Band 1), Spalte 785–786.
