ADHM/AdH/Kat. 001
▶Man tut gut daran, bei »homonym« und „synonym« die Bedeutung der Terme, die man als heutiger Leser im Kopf hat, beiseite zu lassen (»paronym« hat vernünftiger Weise gar keine äquivoke Entsprechung gefunden). Der Horizont, in dem Aristoteles die Begriffe definiert, ist ein radikal anderer, als die auf Semantik bezogenen Termini der grammatischen Metasprache nahelegen. Subjekt der Aussage, das, wovon die Rede ist – bei Aristoteles allerdings als syntaktische Nullstelle auftauchend –, sind Gegenstände, nicht Worte. Diese Gegenstände sind aber nicht beliebige, sondern von besonderer Art und Struktur: Als Klasse sind es überwiegend Allgemeinbegriffe, der Schritt herunter zur Konkretion kann aber jederzeit erfolgen, wenn dies zur Klärung der Verhältnisse notwendig sein sollte. Die Struktur der Verhältnisse bildet den Subsumptionszusammenhang und die Differenzen dieser vom Konkreten ins immer Allgemeinere aufsteigenden Begriffspyramiden ab.
Für X, Y gibt er an dieser Stelle keine Namen, man könnte nach Vorbildern anderswo einsetzen: X = Malerei, Y = Kunstwerk. Das zu klärende Problem ist, daß die Sprachbezeichnung (der »Name«) für L (Gattung zu In) und B1 (Individuum zur Gattung Y; man kann es auch auf der Ebene X1 … ansetzen, den Arten zu Y, – das Problem bleibt) die gleiche ist: ζῷον steht im Griechischen sowohl für die Gattung »Lebewesen« wie auch für nachgebildetes Lebewesen, also Bildwerk jeder Art, das im nächsten Entfernungsschritt auch Lebloses zeigen mag: NL = NB1. Die Lösung ist eine Klärung der Stellen: Die im logos zurückverfolgbaren Seinsherkünfte von I1 über A1 nach L und von B1 über X1 nach Y führen auseinander; es besteht nicht nur beliebige Differenz, sondern solche zwischen Seinsklassen, wie der »logos des Wesens« eben zeigt.
Entprechend synonym:
Während der homonyme Fall eine wahre und eine falsche Aussage liefert: L → aI (w) und L → aB (f), so erhält man bei Synonymie zwei wahre: L - aA1 und L → aA2 (w), dann auch von deren jeweiligen Individuen.
Paronym bedenkt den anderen Fall, daß eine Bestimmung, um ins Prädikat eines Satzes kommen zu können, sich verändern können muß: Aus der Gattungsbezeichnung »Gerechtigkeit« oder »Frömmigkeit« muß bei der Charakterisierung eines einzelnen Menschen oder einer einzelnen Handlung werden: »gerecht«, »fromm« usw. Nicht alle Substantive treten ohne weiteres auf die Prädikatsseite, d. h., die Gattungs- und Artbezeichnungen müssen, um in Aussagen verwendbar zu werden, sich – z. B. zu Adjektiven – umformen lassen.