Zum Inhalt springen

Werk:Apologia doctae ignorantiae/18

aus AufEinWort, der freien Forschung

▷Quomodo autem in nobis sit docta ignorantia, Aurelius Augustinus super octavo capitulo ad Romanos, exponens verbum Pauli “nescimus, quid oremus”, ait post alia: “Esse quidem, quod quaerimus, scimus; sed quale sit, non novimus. Quae, ut ita dicatur, docta ignorantia per spiritum, qui adiuvat infirmitatem nostram, in nobis est.” Et post pauca: “Et cum Paulus dicat, quomodo spiritus postulat gemitibus inenarrabilibus, designat rem, quae ignoratur, et ignorari et non omnino ignorari; cum gemitu enim non quaereretur, si omnino ignoraretur.” Haec ille. In nobis igitur est docta ignorantia, sine qua non quaereretur | Deus.[1] Scripsi alias libellum De quaerendo Deum; quem lege. Reperies enim ibi, quod, licet ubique sit et non absit a nobis – ut ait Paulus Atheniensibus, quando Dionysium convertit –, tamen tunc propius ad ipsum acceditur, quando plus fugisse reperitur; quanto enim ipsius inaccessibilis maior elongatio melius capitur, tanto propinquius inaccessibilitas attingitur.»

Daß nun die wissende Unwissenheit in uns ist, sagt Aurelius Augustinus im Kommentar zum achten Kapitel des Römerbriefes, wo er das Wort des heiligen Paulus «wir wissen nicht, um was wir beten» erklärt. Er schreibt unter anderem: «Wir wissen zwar, daß wir etwas suchen, aber was es ist, wissen wir nicht. Dieses wissende Nichtwissen – wenn es erlaubt ist, dies so zu nennen – ist in uns durch den Geist, welcher unserer Schwachheit hilft.» Und ein wenig später: «Wenn Paulus sagt, daß der Geist mit unzähligen Seufzern sucht, zeigt er damit, daß diese unbekannte Sache sowohl unbekannt als auch nicht ganz unbekannt ist. Denn sie würde nicht mit Seufzern gesucht, wenn sie gänzlich unbekannt wäre.» Soweit Augustinus. In uns also ist die wissende Unwissenheit ohne die Gott nicht gesucht werden kann. Andernorts habe ich ein Büchlein De quarendo Deum geschrieben. Wenn du dort nachliest, wirst du finden, daß, «wenn er auch überall ist und uns nicht fern» – wie Paulus den Athenern sagte, als er Dionysius bekehrte – man ihm um so näher kommt, je weiter er sich entfernt zu haben scheint. Denn je besser man eine unerreichbare Entfernung erkennt, um so näher kommt man zur Unzugänglichkeit.» ◀▷

  1. ↑ fol.37r