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Werk:Apologia doctae ignorantiae/4

aus AufEinWort, der freien Forschung

▷Simile quid apud Philonem illum sapientissimum, cui per nonnullos graves viros libri Sapientiae adscribuntur, Super quaestionibus in Genesim quaestione 51. dixit reperiri, ubi loquitur de puteo Isaac sic dicens: «Sicut puteum fodientes aquam requirunt, ita etiam disciplinam sectantes finem explorant, quod est impossibile hominibus revelari. Et quidam superbi mentientes solent affirmare se summos esse musicos, summos grammaticos, transivisse vero et philosophiae grumos et sapientiam totius disciplinae et virtutis metas. Astutus vero et non sui cultor vel sui laudator confitetur ex aperto, quan|tum deest a fine;[1] et iuratus tali foedere conscientiam commendat, quod nihil perfecte homo noscere poterit. Hic aliena loquitur, qui tot capitulis se aestimat tantum scire; finis enim scientiae Deo tantum reconditus est, quem etiam testem anima vocat, quoniam pura conscientia confitetur suam ignorantiam. Sola enim novit anima, quoniam nihil novit firmiter.» Haec ille.

Etwas Ähnliches steht, wie er sagte, bei Philo, jenem Weisen, dem von mehreren bedeutenden Männern die Bücher der Weisheit zugeschrieben werden, in den Untersuchungen zur Genesis in Frage 51, wo vom Brunnen Isaacs die Rede ist. Er fuhr fort: «So wie die, welche einen Brunnen graben, Wasser finden, so entdecken auch jene, welche einer Lehre folgen, ein Ziel, das den Menschen unmöglich enthüllt werden kann.

Manche hochmütige Lügner pflegen zu behaupten, sie seien die besten Musiker und Sprachgelehrten und hätten auch die Gipfel der Philosophie, die Weisheit der gesamten Disziplin und die Zielsäule der Tugend überschritten. Aber ein kluger Mann, der nicht sich selbst verehrt und lobt, wird offen bekennen, wie weit er vom Ziel entfernt ist; mit Eidschwur darauf ist er sich bewußt, daß der Mensch nichts vollkommen wissen kann.

Dieser Mann, der in so vielen Kapiteln so viel zu wissen glaubt, schreibt Unsinn, denn in Gott allein ist das Ziel des Wissens geborgen. Ihn ruft die Seele zum Zeugen an, da sie mit reinem Gewissen und Bewußtsein ihre Unwissenheit bekennt. Die Seele nämlich weiß allein, daß sie nichts mit Bestimmtheit weiß.» Soweit er.◀▷

  1. ↑ fol.35r