Brüssler Handschriften (Cusanus)
Die „Brüssler handschriftliche Fassung“ bezieht sich auf eine spezifische Abschrift von Nikolaus von Kues’ mathematischer Schrift De mathematicis complementis (Erstlingsfassung im Codex Brux. lat. 11479–84, fol. 59r–78v). Sie ist von großer Bedeutung für die genaue Edition seines Werks, da sie besondere Arbeitsanweisungen des Gelehrten überliefert.
Die Handschrift hat eine spannende Geschichte:
- Herkunft: Der Kodex stammt ursprünglich aus dem Besitz der Abtei Park (Parcum) bei Löwen in Belgien.
- Die Schrift: De mathematicis complementis ist eine seiner mathematisch-geometrischen Abhandlungen, in denen er sich unter anderem mit Proportionen und Kreisberechnungen auseinandersetzte.
- Besonderheit: Die Brüssler Fassung ist für die Forschung deshalb so aufschlussreich, weil sie die Anweisungen des Kusaners (Cusanus) enthält, wie graphische Darstellungen und geometrische Figuren im Text exakt anzuordnen und zu veranschaulichen sind.
Neben dieser mathematischen Schrift existieren in Brüssel (hauptsächlich in der Königlichen Bibliothek Belgiens) noch weitere wertvolle Handschriften, die einst aus dem Nachlass der Bibliothek seines eigenen Stiftes in Bernkastel-Kues stammten und im Laufe der Jahrhunderte dorthin gelangten.
Eine tiefgehende Erschließung der handschriftlichen Überlieferung erfolgt wissenschaftlich durch das Institut für Cusanus-Forschung in Trier, die auch die historisch-kritischen Gesamtausgaben betreuen.
- Emil van de Vyver: Die Brüsseler Handschriften aus dem Besitz des Nikolaus von Kues, in: MFCG 4, Rudolf Haubst (Hg.), Mainz 1964, S. 323–339, hier: S. 325ff. und S. 333 sowie Vansteenberghe: Le cardinal, S. 474.