Zum Inhalt springen

DG1G/Exkurs über Germanisch und Deutsch/09

aus AufEinWort, der freien Forschung

▷Aber teutonicus klang gelehrter als theodiscus, denn dies war doch aus unsrer Sprache geschöpft, jenes aus der klassiseben, und im Wahn, unser Volksname rühre von den Teutonen her. Darum auch N. Arist. 63 sagt 'wir Teutones*, und die casus S. Galli bieten dar 'Teutonum lingua' (PerU 2, 122); im sg. wird zwischen Teuto (2, 118) abgewechselt und Teutonus (2, 113.) 'barbaries et idiomata ejus Teutonem adhuc affectantem repente latinum fieri non patiuntur'[1](Pertz 2, 118.) Teutonicus, substantivisch genommen, ist roher. Zwar das adj. hatten die Römer selbst schon nach den Teutonen, und im frühen Verkehr mit ihnen, gebildet: teutonico ritu Virg. Aen. 7, 741 ; teutonicus furor Lucan. 1, 256 (nachgeahmt in dem angeführten Heiligenleben); teutonicas triumphos Lucan. 2, 69; und das ist uns wichtig, daß, wenn auch Caesar und Tacitus teutonicus nie in der allgemeinen Bedeutung von germanicus oder germanus verwenden, andere es ohne Zweifel tun. Ich will nicht entscheiden über die teuz touicas opes bei Prop. III. 2, 44; aber teutonici capilli bei Martial. 14, 26, und zumal späterhin teutonicus vomer bei Claudian in Eutrop. 1, 406 ; teutonicum hostem bei Merobandes (ed. Nieb. p. 19) gehn nicht mehr auf die Teutonen, sondern drücken das allgemein Deutsche aus. Entweder war also den Römern bei den Germanen ein teutiscus (þiudisks) aufgefallen, das sie mit ihrem teutonicus mengten, oder es liegt in dem namen Teuto (goth. þiuda, gen. þiudins?) innere Berührung mit þiuda (gens) und mit dessen Bezügen auf Sprache und Namen des ganzen Volks.


◀▷

  1. ↑ Seine Barbarei und Redewendungen, die noch immer die Teutonen beeinflussen, dürfen nicht plötzlich lateinisch werden