▷ ▷Für den namen
Germani gibt es zwei Erklärungen. Die Nächste ist aus dem lateinischen Wort,
germanus bedeutet
genuinus,
γνήσιος,
merus, und gilt zumal von vollbürtigen leiblichen Geschwistern. Nun können die Römer auf deutsche Stämme, deren gemeinschaftliche Abkunft sie wahrnahmen, den Ausdruck angewandt, oder können ihn auch zuerst für ihr eignes Verhältnis zu ihnen gebraucht haben, Nachbarvölker, mit denen sie friedlich lebten, pflegen sie
fratres,
consanguineos,
amicos, warum nicht in solchem Sinne
germanos? zu heißen. Doch
Tacitus meldet uns eine römische, gallische Überlieferung: der Name sei in Belgien aufgekommen, von vordringenden
Tungerer den Deutschen hinter ihnen, die als ihre Brüder erscheinen sollten, erteilt worden, und dann geblieben. Unleugbar fühlten die Römer diesen Gehalt der Benennung, wenigstens im Wortspiel.
Strabo erkennt in
Γερμανοί deutlich
γνήσιοι, bei
Vellejus dreht sich die Spitze eines Soldatenlieds um die Zweideutigkeit von
Germani und
germani,
Galli und
galli; noch schlagender ist die von Hermann Müller (s. 230 — 233) aufgewiesne stelle
Plutarchs im Marius, welche das lat.
Germani wiedergibt durch
αδελ𝜑οι statt
Γερμανοί. Aus jener Sage festzuhalten ist des Namens Ursprung am Niederrhein, von dort wohnenden Stammen ging er aus und verbreitete sich zu allen übrigen; schon vor Caesars
[1] Zeit war er allgemein geworden, und die Deutschen im Verkehr mit Römern ließen ihn sich gefallen, neben seiner entschiednen Allgemeinheit scheint ihm jedoch lange noch ein Bezug auf einzelne Stamme anzuhängen, in Justinians Titel kommt außer
alamannicus,
gothicus,
francicus auch
germanicus vor
[2],
Prokop hält die
Franken gerade zu für die früheren
Germanen:
ἐς Γερμανούς,
οἳ νῦν Φράγγοι κᾰλοῦνται[3], de b. vand. 1, 3. goth. 1, 12;
οἱ δέ Φράγγοιοὗτοι Γερμανοί μέν τὸ μαλαιὸν ὼνομάζοντο[4] de b. goth. 11; auch dem Ven. Fortunatus sind
germanica regna nichts anders als
fränkisches Reich, die Franken weisen wieder nach dem Niederrhein.
▷ ▷Allein die Römer könnten jener Überlieferung zum trotz dennoch einen echtdeutschen Volksnamen aufgefaßt und ihrer Sprache assimiliert haben, so daß ihnen die Nebenbedeutung erst zufällig begegnet wäre, unfern von
Germanus zu liegen schiene unser altertümliches
Irman,
Erman,
Herman[5] ags.
Eormen,
Geormen das in frühen Sprachdenkmalen noch eine gewisse allgemeine und heilige Bedeutung verrät, und gar nicht mehr für sich, bloß in der Kompositum als Überbleibsel der Vorzeit da steht auffallend gemahnen
irmingot,
irminman, irmindiot,
irminsul, zumal in den eigennamen
lrmanrih,
Irmanperaht u. a. m. an die ähnlichen diotgot,
Diotrih,
Diotperaht; das Präfix
irman- verstärkt wie
diot. Nur muß zugegeben werden, wenn Analogie zwischen
Germanus und
Erman stattfand, daß sie weder die Römerin
Herminones,
Hermunduri,
Arminius irgend bemerkten, noch die Deutschen hernach in
Germanus merkten, in keiner deutschen Sprache, so weit wir sie kennen, zeigt sich
Erman,
Irman je als Stammname; auch die älteste Poesie ist, von jenen Zusammentzungen abgesehn, des Wortes uneingedenk
[6]. die
Herminones, wegen der schwachen Form, dürfen nicht unmittelbar angeschlagen werden, und ihre Lage bleibt unentschieden. Unter das Volk ist die römische Benennung
Germanus nimmer gedrungen.
▷ ▷Welcher von beiden Deutungen man sich hinneige, das ist klar, daß
Germani und
Germania bei den Römern sowohl als nachher einen allgemeinen auf alle deutschen Stämme sich erstreckenden Sinn gewähren. Schon die Römer, denen Zusammenhang der einzelnen Völkerschaften in Sprache und Sitte nicht entgehn konnte, bedurften des umfassenden Ausdrucks, wie ihn
Caesar,
Plinius,
Tacitus und die übrigen Klassiker verwenden, weiß jedermann.
Sueton im
Caligula 47 meldet, dieser Kaiser habe zum Gepränge seiner Triumphe gefangne
Gallier gezwungen, 'non tantum rutilare et submittere comam, sed et sermonem germanicam addiscere, et nomina barbarica ferre'
[7]; dabei dachte man an kein bestimmtes Volk, sondern an das, was allen Deutschen
gemein war. Seit das Christentum Ausbreitung gewann, haftete der Name unter den Schriftstellern des Mittelalters: es wäre überflüssig Zeugnisse dafür zu häufen, daß sie ihn, in der weitesten Bedeutung von allen sprachverwandten Stämmen richtig gebrauchen, 'ferae et ignarae gentes germanicae'
[8]sagt
Bonifatius in einem seiner Briefe (Würdtw. p. 84); 'gens Baicariorum in extrema Germania sita'
[9] heißt es in der Vita Agili (Mabillon ann. ben. 2, 306.)
Paulus Diaconus im Beginn
seines Werks über die
Langobarden: 'unde fit ut tantae populorum multitudines arctoo sub axe oriantur, ut non immerito universa illa regio Tanai tenus usque ad occiduum, licet et propriis loca in ea singula nuncupentur nominibus, generali tamen vocabulo Germania vocitetur … Gothi siquidem, Vandalique, Rugi, Heruli atque Turcilingi, nec non etiam aliae feroces et barbarae nationes e Germania prodierunt.'
[10]Alfred legt seinem Abriß der Erdbeschreibung denselben ausgedehnten Umfang von
Germanien zum Grund. Hin und wieder wird jedoch der Begriff enger gefaßt, und eingeschränkt auf das dem herschenden deutschen Königsgeschlecht unterworfne Reich, das uns freilich eben wieder auf jenen
niederrheinischen Stamm führt, dem schon frühere Nachrichten den Namen beilegten, so heißen im Gegensatz zu Sachsen oder Langobarden die Franken
Germani, so müssen die nach Spanien, nach Britannien gewanderten Goten und Sachsen, die skandischen Nationen von Germanien ausgeschlossen sein;
Rathenus Veronensis unterscheidet: 'equi frenis germanicis, sellis saxonicis falerati.'
[11] (opp. 920.) ein nordischer Schriftsteller, wie
Saxo Grammaticus wird Germania niemals von seinem Vaterlande verwenden, aber ein deutscher
Glossator des 8 Jh. übersetzt Germania ohne weiteres in Franchóno lant (Diut. 2, 370) und
germanicus populus ist dem Fulder Annalisten (Pertz 1, 394) das dem
fränkischen Reich unterworfne Volk.
▷ ▷Längere Untersuchung fordert der name Deutsch, Nachdem das goth.
þiudiskō ἐθνικῶς Gal. 2, 14 aufgefunden ist, darf an der Ableitung von
þiudisks εθνικός aus
þiuda,
ἔθνος nicht gezweifelt werden
[12], folglich stammt auch das abd.
diutisk aus
diot, das ags.
þēodisċ aus
þēod. Der Sinn des Wortes ist
gentilis,
gentilitius,
populans,
vulgaris, was vom gesamten Volk im Gegensatz zu den einzelnen Stämmen gilt,
heimatlich,
eingeboren,
allgemein verständlich, aber auch den Nebensinn von
heidnisch,
barbarisch, den
þiudisk wie
εθνικός, ebenso
þiuda,
vulgus, im Munde der geistlichen Schriftsteller
[13] an sich tragen, darf man nicht abweisen, hierin stimmt es zu
germanicus: beide Ausdrücke auf die Sprache bezogen bezeichnen die
gemeine, rohe
Vulgärsprache gegenüber der gebildeten, verfeinerten der Gelehrten, was wir noch jetzt
Volkssprache nennen
[14].
▷ ▷Ob die Goten ihr
þiudisk bereits von der Sprache, und ihrer eignen Sprache in jener umfassenden Bedeutung gebrauchten, wissen wir nicht; doch steht zu erwarten, wenn sie das gemeinsame zwischen ihrer und z. b. der
fränkischen Zunge hätten ausdrücken wollen, daß ihnen gerecht gewesen wäre zu sagen: wir Goten und die Franken reden '
þiudiskō'. Nannten sie sich selbst doch
gutþiuda. Sonst mangelt bei lateinischen Schriftstellern der Goten, Angelsachsen und Franken im 6. 7 und 8 Jh. ein
thiudisce,
theodisce, wo es hätte stehn können.
Jornandes, von den
Gepiden handelnd, sagt cap. 17: 'nam lingua eorum pigra gepanta dicitur'
[15] und 'commanebant in insula Visclae amnis vadis circumacta, quam pro
patrio sermone dicebant Gepidos'
[16][17]. Nicht anders benimmt sich
Paulus Diaconus bei Erläuterungen langobardicher Wörter: '
juxta illorum linguam lang longam, bart barbam significat'
[18] 1, 9; 'de piscina, quae eorum
lingua lama dicitur'
[19] 1, 15; 'in campis patentibus, qui
sermone barbarico feld appellantur'
[20] 1, 20; 'hi omnes adalingi fuerunt, sic enim
apud eos quaedam nobilis prosapia vocabatur'
[21] 1, 21; 'Langobardorum faras, hoc est generationes vel lineas'
[22] 2, 9; 'strator, quem
lingua proprio marpahis appellant'
[23] 2, 9.
Gregor von Tours: 'cultris validis, quos
vulgo scramasaxos vocant'
[24] 4, 51; pateris ligneis, quas
vulgo bacchinon vocant'
[25] 9, 28. Kembles ch. ags. 1, 253: 'fretum quod nominatur
nostra propria lingua marcfleot'
[26] (a. 814); 1,238: 'in loco celeberrimo qui a
vulgo vocatur tomevorðig
[27] (a. 808.) Beda (ed. Stevenson): 'quod ab ipsis condttum Laestingaeu cognominatur'
[28] 4, 19; 'quae nunc a
gente Anglurum Verlamacaestir sive Vaetlingacaestir appellatur'
[29] 22,18; 'quam
gens Anglorum cognominat
Hrofaes caestrae'
[30] 104, 25; 'a loco, qui vocatur Vilfaraesdun id est mons Vilfari'
[31] 188, 9 ; 'in castro quodam quod
lingua Anglorum Cnobheresburg id est urbs Cnobheri vocatur'
[32] 198, 20; 'qui dicitur Rendlaesham id est mansio Rendili'
[33] 210, 22; 'quod nuncupatur Heruteu id est insula cervi'
[34] 216, 1; 'quod dicitur Strenaeshalch, quod interpretatur sinus phari'
[35] 221, 18; 'in loco qui vocatur Hreutford id est vadum arundinis'
[36] 284, 13; 'vocabulo Selaeseu, quod dicitur latine insula vituli marini'
[37] 278, 12; 'ad tuifyrdi quod significat duplex vadum'
[38] 322, 36. man sieht, Beda erklärt nicht, wie Gregor, das lat. Wort durch das vulgäre, sondern das vulgäre durch das lateinische; die alten Volksgesetze tun bald dies, bald jenes, bedienen sich aber, wo sie die Formel
hoc est, id est[39] nicht gebrauchen, gern des bestimmteren: 'quod Alamanni dicunt, quod Bajuvarii dicunt'
[40][41], wie vorhin ein paarmal Beda die
Angeln ausdrücklich nannte. In lat. Urkunden wird man öfter auf Bezeichnungen stoßen, wie z. B. in einer von 793: 'curtelocum id est hovestat. juxta locum, qui illorum civium vel
totius vulgarici sermonis dictu nuncupatur ad Hrachatom'
[42] (Scbannat trad. fuld. n
o 103.) die vita Bonifacii hat cap. II (Pertz 2, 350) 'in conſinibus eorum, qui
rustica dicuntur lingua Ostor et Westeraeche'
[43] und dann: '
patria admonens voce.'
[44]
▷ ▷Fränkische (auch einige alamannische) Quellen des neunten Jh. gewähren aber nicht selten das Wort
theodiscus in Bezug auf die Sprache:
synodus turonens[45]. a. 813 'ut quilibet episcopus homilias aperte transferre studeat in rusticam romanam linguam, aut
thiotiscam, quo tandem cuncti possint intelligere quae dicantur'
[46] (Labbei conc. 7, 1263); capit. wormatiense a. 829 'quod in lingua
thiudisca scaftlegi, id est armorum depositio vocatur'
[47] (Pertz 3, 352, vgl. 4b, 154); conventus silvacensis a. 853 'de collectis quas
theudisca lingua heriszuph appellat*
[48] (Pertz 3, 424); 'adnuntiationes domni
Hludowici regis apud Confluentem lingua theodisca'
[49] a. 860 fPertz 3, 472, vgl. die Schlußformel p. 473); ann. lauriss. ad a. 768
[50] 'regem in exercitu derelinquens, et ibi quod
theodisca lingua harisliz dicitur'
[51] (Pertz 1, 172); Nithardus 3, 5 ad a. 842 von den berühmten Eiden, welche beide Könige
lingua romana und
teudisca schwuren (Pertz 2, 665. 666. 3, 375); vita Adalhardi: 'si barbara, quam
teutiscam dicunt, lingua loqueretur'
[52] (Pertz 2, 532); Smaragdi Donatus (um 816 abgefaßt) 'Francorum patronimica secundum
theodiscam Iinguam'
[53] (MabilIon anal. 2, 422); Bücherkatalog von Sindleogesouwa (Reichenau) im J. 821 aufgestellt, nennt XII
carmina theodiscam linguae[54] … und carmina diversa ad docendam
theodiscam linguam;
Hrabanus Maurus; († 856) de inventione linguarum: 'a quibus (Nordmannis) originem ducunt, qui theodiscam loquuntur linguam'
[55] (opp. ed. Colon. 6, 333);
Walahfrid Strabo († 849) de rebus eccl. cap. 6 : 'quo modo
theotisce domus dei dicatur. dicam tamen etiam secundum nostram barbariem, quae est
theotisca … a Latinis autem Theotisci multa … praecipue a Gothis … cum eo tempore quo (Gothi) ad fidem Christi perducti sunt, in Graecorum provinciis commorantes noslrum, id est
theotiscum sermonem habuerint'
[56] (bibl. patr. ed. lugd. tom. 15. p. 184b); Otfried in der lat. Vorrede seines Gedichts: 'a quibusdam rogatus, parlem evangeliorum eis
theotisce conscriberem'
[57] und nachher wiederum 'lectiones has
theotisce conscriptas semper memoria tangent, hujus enim linguae barbaries…'
[58] u. s. w., zwischen beiden stellen aber auch 'scripsi namque … evangeliorum partem
francisce compositam'
[59], und zu Eingang des ersten Buchs, wo zwar die Rubrik erscheint 'cur scriptor hunc librum
theotisce dictaverit'
[60] wird nur von
Frankon geredet, 'in
frenkisgon', 'in
frenkisga zungûn' gesagt, III. 7, 13 glossiert: 'Galilea theist in
frenkisgon rad', im deutschen text setzt er also niemals
thiutisg (wie er schreiben müste), wohl aber einen andern ganz nahe liegenden Ausdruck, den ich nachher anführen werde. Nicht anders in dem lat. Prolog des von
Ludwig dem Frommen befohlnen, entweder ganz oder größtenteils untergegangnen alts. Gedichts: 'ut cunctus populus suae ditioni subditus,
theutisca loquens lingua, ejusdem divinae lectionis notionem acceperit'
[61]; oder in alts. Glossen: 'Germania: '
thiudisca liudi'
[62] Diut 2, 194; 'unio dicitur
thiutisce perula'
[63] Diut. 2, 190; 'flocci sunt, quos nos in vestimentis
thiudisce wulon (so, oder wullon bessere ich) dicimus'
[64] gl. Jun. 394. Alamannischer Glossen gehören mehrere hierher, z. B. 'larus mêh in diutisco dicitur'
[65] (Gralf 2, 654.)
▷ ▷Wer nun aus diesen Stellen folgern wollte, erst im neunten Jh., seit
Karl der Große die deutschen Stämme stärker vereinte, sei die allgemeine Benennung entsprungen, würde fehlen, das Wort war, wie wir sahen, schon bei den Goten des vierten oder fünften Jh., und gewis auch früher überall vorhanden, warum hatte es nicht für den Begriff gelten sollen, den die Latein Schreibenden durch ein
vulgo,
rustice,
sermone barbaro,
barbarico[66] illius gentis sermone, juxta rusticitatem vornehm bezeichneten? Schwebt doch selbst dem Walafried und Otfried, neben ihrem
theotiscus immer noch das
barbarus und die
barbaries auf der Zunge. Die
barbara carmina[67], die
vulgaria carmina[68], die
carmina gentilia[69] bei Eginhard cap. 29, dem poeta Saxo 1, 168. 5,117. Theganus cap. 19 meinen, ohne daß sie geringeres ausdrücken wollen, gerade was
theotisca besagt hätte; vgl. Carmen barbaricum in der Rubrik des lat. Ratpertliedes. In seinem Texte selbst mußte Otfried
frenkisg dem Laien gefallen, in den lat. Phrasen dem geistlichen Leser das
theotiscus zusagen: jenes klang stolzer, dieses gelehrter, aber
theotiscus galt von dem Goten, Franken, Sachsen und Alamannen; bloß das kann man zugestehn, daß nach dem festeren Abschluß des hauptdeutschen Reichs, des Fränkischen, die außer ihm stehenden Stämme sich des allgemeineren Ausdrucks mehr enthalten haben, eben weil er eine gewisse Einschränkung und Bestimmtheit empfangen mußte, wobei auch der früher obwaltende Bezug auf den Niederrhein vielleicht nachhielt, bei Angelsachsen begegnet weder wenn sie lat. noch wenn sie ags. schreiben ein
theodiscus,
þiudisc in der entwickelten Bedeutung; doch setzt Älfred im Boeth. 43 das subst.
þeódisc für
þeód, Volk, und metr. 10, 51
on monig þeódisc (in variis gentibus); unter Langobarden finde ich den Mannsnamen Teotisch
[70] (Lupi p. 659 a. 816.) das ahd.
diutiscâ ist gramm. 4, 264. 891 besprochen; bei seinem in
diutiscûn (ps. 80, 3. Arist 40. 63. 141) denkt sich
Notker kein Alamannisch, sondern Allgemeindeutsch, Gemeindeutsch, in solchem Sinn führen es auch andere Urkunden und Denkmäler des 10. 11. Jh. fort: 'usque ad acutum monem, qui
diutisce wassinperch dicitur'
[71] hat dipl. Otto des 2 von 974 (Längs gaue p. 148); 'capsulas apibus ponendi, quod
rustice cidelwida dicitur'
[72] ch. a. 1025 (Längs reg. 4, 732); 'ad arborem, que
vulgariter dicitur melboum'
[73] ch. a. 1036 (Höfers arch. 2, 157.) Durch die Poesie des 12. 13 Jh. wurde aber die Benennung gehoben: *
diutischin (germanice) sprechin' Anno 313; 'in
dutischen' Alex. 16. vom gelouben 2912; 'mit
dûtisker rede 'Mar. 148, 41; 'tiuschen' Parz. 416, 30; in tiusche Greg. 2; 'in
tiuscher zungen' Kl. 2156; 'diu
tiutsche,
tiusche" Wh. 237, 11. welsch, gast 41. Ls. 3, 327. 329 ; und das bäurische war genöthigt von der Sprache ab sich auf den Inhalt zu beziehen: 'von dem die
geburen singent', 'dar de
bur van singhet' (Heldensage s. 281. 286.) Als aber nach der Trennung Frankreichs der Begriff der Deutschheit wieder auf den Kern des inneren Landes wies, mußten die überrheinischen Franken aufhören Deutsche zu heißen, und wie sie sich selbst
Alemans et Tyois [74](Meon 2, 313. 4, 185) gegenüber stellen, wurden sie bei uns erst als Kerlinge, dann als Franzosen unterschieden: Pilat 324 steht
tütisch Volk den Karlingeren entgegen; die Kaiserchronik cod. pal. 361, 2
b schreibt seltsam
totis volc der Phaffe Chuonrat kehrt aus franzischer Zungen in die
tûtiske Rol. 310. Den Niederländern, die sich zum deutschen Reiche rechneten, verblieb der name
dietsc 'in dietsce' (theotisce) Rein. 9; als Reinaert lateinisch zu beichten anhebt, sagt ihm Grimbert: 'walschedi? sprêct in dietsche, dat ict mach verstaen' Rein. 1461; Maerlant im Franciscus: 'om dat ic Vlaminc ben, met goeder herte biddic hen, die dit dietsce sullen lesen?' Hoffm. horae Belg. 1, 14, wo noch andere stellen p. 25. 26. 27. 61
[75]; 'walsch en dietsch' Stoke 2,188. Nnl. duitsch. Wir verbinden heute mit deutsch die Vorstellung der angestammten Sprache in voller Reiheit und Allgemeinheit des Ausdrucks, Die Grammatik hat ihn noch über die Grenzen des Landes, das gegenwärtig Deutsches heißt, auszudehnen, und jenes frühere Verhältnis, wonach
Deutsch minder edel erscheinen konnte als Fränkisch oder Sächsisch, dreht sich um, da uns Deutsch die allgemeine Ausbildung unserer Sprache, die von einzelnen Stämmen hergenommne Benennung nur den fortdauernden örtlichen Zustand bezeichnet.
Die bisher gewonnenen Ergebnisse verdienen aber noch andere Bestätigung und Erweiterung.
▷ ▷Es ist nicht zu übersebn, daß, während lateinische Quellen des neunten Jh.
theodiscus,
theotiscus, die des zehnten und der folgenden Jhh. fast durchgebends dafür
teutonicus, ganz in gleichem Sinne, gebrauchen. Schon der alamannische Mönch, welcher zwischen 884—887 die
gesta Karoli verfaßte, beginnt zu schwanken: '
teutonica sive
theutisca lingua
[76] (Pertz 2, 735 wo: theutonica sive teutisca); der unbekannte vf. der bis 882 reichenden
pars tertia der ann. fuld. gedenkt des im J. 876 zwischen den drei Königssöhnen geleisteten Eides: 'cujus sacramenti textus theutonica lingua conscriptus in nonnullis locis habetur'
[77] (Pertz 1, 391); Flodoardus remens. (um 996) hat 4, 5 'ex libris teutonicis' 4,35 'juxta teutonicam i. theotiscam linguam' ; rhythm. de Olmaro. 'teutonice exponens', dabei auch 'barbaricam scribere, legere'
[78] (Pertz 2, 57. 58); Eckehardi casus: 'teutonice et romanice'
[79] (Pertz 2, 122); N. Cap. 162. Arist. 66
teutonice, neben jenem
in diutiscûn; 'sic in teutonico canitur'
[80] carm. de Katperto (über 2, 4); casus S. Galli: 'ad
teutonicas partes, in
teutonicis partibus' (Pertz 2, 1 156. 157); ecbasis captivi 687: 'spelaeum
teutonice Stensile dictum'; vita Wiboradae: 'Wiborat
teutonica lingua prolatum consilium mulierum sonat' (Mabillon act. bened. sec. 5 p. 44); '
teutonici furoris exuta immanitate' (acta sanetor. roaji vol. 1, 98
b); (mancipiis teutonicis et sclavanicis' (ch. a. 961 Höfers arch. 2, 341); 'teutonica Francia (um 1015. act bened. sec. 6 p. 139); 'Theutonicorum eloquio ulca dicitur' (ch. a. 973 bei Günther 1, 79); 'in confinio regni Francorum et Teutonicorum'
[81] Lamb. schafn. ad a. 1056
[82]; 4 juxta propriam i. e.
teutonicam linguam Sigeb. gembl. ad a. 794; 'teutonice loqui vita Norberti (acta sanet junii tom. 1 p. 828
b); cod. vatic. Christ 557: 'Argentoratum i. e. Stratiburgo, teutonice namque strati argentum, burgo civitatem significat' (Greith spicil. p. 33)
[83]; 'hellinc quem Teutonia quidam scerphum vocant' gl. Jun. 309; viele Belege liefert das Register zu Pertz 4b, 213c. Saxo gramm. schreibt auch lieber
Teutonia als
Germania, obgleich ihm beide dasselbe bedeuten. Bei uns hatte begreiflich, seit dem 16 Jh., wieder
Germania und
germanicus die oberhand.
▷ ▷Aber
teutonicus klang gelehrter als
theodiscus, denn dies war doch aus unsrer Sprache geschöpft, jenes aus der klassiseben, und im Wahn, unser Volksname rühre von den
Teutonen her. Darum auch N. Arist. 63 sagt 'wir Teutones*, und die casus S. Galli bieten dar 'Teutonum lingua' (PerU 2, 122); im sg. wird zwischen
Teuto (2, 118) abgewechselt und
Teutonus (2, 113.) 'barbaries et idiomata ejus Teutonem adhuc affectantem repente latinum fieri non patiuntur'
[84](Pertz 2, 118.)
Teutonicus, substantivisch genommen, ist roher. Zwar das adj. hatten die Römer selbst schon nach den Teutonen, und im frühen Verkehr mit ihnen, gebildet:
teutonico ritu Virg. Aen. 7, 741 ;
teutonicus furor Lucan. 1, 256 (nachgeahmt in dem angeführten Heiligenleben);
teutonicas triumphos Lucan. 2, 69; und das ist uns wichtig, daß, wenn auch Caesar und Tacitus
teutonicus nie in der allgemeinen Bedeutung von
germanicus oder
germanus verwenden, andere es ohne Zweifel tun. Ich will nicht entscheiden über die
teuz touicas opes bei Prop. III. 2, 44; aber
teutonici capilli bei Martial. 14, 26, und zumal späterhin
teutonicus vomer bei Claudian in Eutrop. 1, 406 ;
teutonicum hostem bei Merobandes (ed. Nieb. p. 19) gehn nicht mehr auf die Teutonen, sondern drücken das allgemein Deutsche aus. Entweder war also den Römern bei den Germanen ein
teutiscus (
þiudisks) aufgefallen, das sie mit ihrem
teutonicus mengten, oder es liegt in dem namen Teuto (goth.
þiuda, gen.
þiudins?) innere Berührung mit
þiuda (
gens) und mit dessen Bezügen auf Sprache und Namen des ganzen Volks.
▷ ▷Hier gelangen wir zu der Wahrnehmung, daß
þiuda, unabhängig Ton der Ableitung
-isk auf den Begrif der Sprache leite, am klarsten in dem ags. neutr.
geþeóde, welches geradezu
lingua ausdrückt:
þät geþeóde ne can (linguam non novit)
[85] Boeth. 61;
þâ Finnas and
þâ Beormas spræcon neah an geþeóde (eandem fere linguam loquebantur) Älfr. periplus;
þätis gereht on ûre geþeóde (quod est explicatum in nostra lingua) Matth. 1, 23. O. hat ein stimmendes
githiuti: thag wir engil nennen thaʒ heiʒent boton in githiuti frenkisge' liuti V. 8, 9, er meint: was wir Geistliche Engel nennen, heißt das fränkische Volk Boten. Lat. hätte er sagen können:
quos dicimus angelos, theotisce dicuntur boton. Sein
in githiuti (acc.) ist folglich =
in thiutiscûn. Mhd. aber begegnet das nemliche Wort, nur ohne
ge-, in den adv. 'ze diute, be diute: nu ir daʒ latin habit vernomen, nu verneinet ze diute da bi, wag di selbe rede si' Hartm. vom glouben 64; Joachim 'chiut ze diute praeparatio domini' Mar. 150, 21; Cafarnaum 'chiut ze diute villa speciosa' Mar. 175, 9; 'ich muog eg (das fremde mære) iu ze tiute sagen' Barl. 5, 9; 'schœne buochstaben, die sprâchen sus ze tiute' Troj. 787; discordia ze tiute ein misheilunge ist genant Troj. 1262; 'diu (geschrift) sprach alsus ze tiute' Troj. 1453; 'swaʒ ich von der historie nim, daʒ künd ich hie ze tiute' Troj. 17634.
[86], altfries.
tó thiothe: duas tabulas lapideas, thet sprekth tó thiothe twâ stènene tefla As. 6. Die Form dieser merkwürdigen Ausdrücke anlangend, so halte ich das ahd.
githiuti, mhd.
diute, altfr.
thiote für Neutra, wie das ags. Wort, sie scheinen aber nur in den angeführten Adverbialredensarten übrig, und sonst erloschen, der Vokal in
githiuti und
diute weicht von dem in
thiot und
diet, was ein nachfolgendes -i voraussetzt
[87]; auf gleiche Weise verhielt sich
diutisc zu
diot. auch das altfr.
thiothe (denn so liest die bs. bei Richthofen, nicht
thiote) 'weicht ab von
thiad (gens.) in dem mhd.
tiute für
diute erscheint aber derselbe Fehler, der vorhin bei
tiusch für
diusch eintrat, und jenes wird nur aus diesem begreiflich, da sich niemals (höchstens in nachwirkender notkerischer Weise)
tiet für
diet findet. Zusammenhang zwischen
diet und
diute muß also im 13 Jh. kaum, zwischen
diutsch und
diute (
tiutsch und
tiute) aber völlig gefühlt worden sein. In der Tat läßt jenes ahd. in
gidiuti, jenes mhd.
ze diute sich nicht anders verstehn, als: auf
Deutsch, in unsrer deutschen Sprache, in der gemeinen Sprache. Auch mnl.
riepen in
haren bediede (in ihrer Sprache) Brandaen 1986.
▷ ▷Nun weist uns aber O. noch ein adj. und adv. gleicher Bildung: 'ih ni bin gisentit hera in worolt, nisì, theih giduê
githiuti thie mines fater liuti' III. 20, 24 (in Bezug auf Matth. 15, 24), was zu sagen scheint: ut ad me recipiam, ut mihi domesticos, familiäres reddam
[88], denn eine Glosse Diut. 1, 162 hat
uncadiuti,
ungidiati barbarus. Dem barbar, dem Fremden, der nicht von derselben
diot ist, steht entgegen
gidiuti, ejusdem gentis ac familiae,
[89] so daß der oben entwickelte Begriff umspringt, im römischen und lateinischen Sinn ist
gidiuti, im deutschen
ungidiuti der
barbarus. Im adv. könnte man bloße Ausfülung sehn, wie O. solcher Flickwörter in Menge einschiebt:
weltit er githiuto managero liuto I. 1, 101;
ward githiuto kuning thero liuto I. 3, 20;
guallicbi githiuto therero lantliuto I. 15, 20;
thu bist hiar githiuto meistar therero liuto II. 12, 53;
folgètamo githiuto almenigi thero liuto H. 24, 8;
bist kuning ouh githiuto therero lantliuto IV. 4, 44;
bist kuning githiuto managero liuto IV. 27, 26. doch möchte ich ihm diesmal, so wenig als jenem in
githiuti, einen genaueren, Sinn absprechen: es geht immer auf den König und Meister, der über sein Volk waltet, dem die Menge folgt, der ihr rühm ist. Man dürfte auslegen: im Volk, unter dem Volk, bei uns, unter uns, was an den für in
gidiuti was ein ermittelten Sinn nahe reichte.
▷ ▷Dem otfriedischen
githiuto begegnet ein alts. adv.
githiudo in folgenden drei Stellen Heilands: 'thar ina tbat wif bihéld thiu thiorne
githiudo' 20, 9; 'im bêd
githiudo undar thero thiado' 25, 15; 'he im sô
githiudo bed' 25, 21, und wiederum könnte man damit eine allgemeine Bedeutung verbinden, oder die bestimmtere von
öffentlich, unter dem Volk, mal noch daneben ausgedrückt wird.
▷ ▷Jene mitgeteilten mhd. Adverbia enthielten zwar gewöhnlich den Begriff der einheimischen Sprache, doch nicht notwendig; sie wurden auch angewandt, wenn z. B. ein hebräisches Wort durch ein lateinisches ausgelegt werden sollte. In andern Stellen ist gar nicht einmal sprachliche Auslegung gemeint, sondern Erklärung überhaupt, auf welche Weise sie erfolge, 'er saget sinem liute des engels rede ze
diute' (verständigt, legt sie aus) Mar. 158, 31; 'daz zeiget er wol ze
diute' Mar. 204, 27 ; 'sagen ze
tiute' (auslegen) Barl. 49, 7. 97, 28. 119, 5 und auch hier könnte das adv. oft nur dichterisch eingeschaltet sein, ohne eignen Nachdruck: 'nu sprechent sumlich lûte, du sist Johannes be
dûte' fundgr. 158, 10; 'si sprachen all be
dewt' Ottoc 589b; 'nu sage mir be
diute' Rab. 264; 'ich enkan iu anders niht gesagen hie ze
tiute' Troj. 18267; nim bescheidenliche war, 'waz
disiu wort ze
diute sint' Silv. Diut. 2, 26; wiewohl sich vielleicht übersetzen ließe: klar heraus, offen, re vera. bemerkenswert: 'bieg der vierde Theleus be namen und ze
tiute' Troj. cod. arg. 226d, er hieß so mit seinem Namen und unter den Seinigen?
be namen geht ebenfalls in die Abstraction
re vera über (gramm. 3, 150.)
▷ ▷Aus Allem ergibt sich ferner, wie auch das Verbum
diutan oder
pidiutan ursprünglich mit dem Begriffe
verdeutschen zusammenfalle, es drückt aus: durch Worte verständlich machen, in der Vulgärspräche auslegen, 'linea wirdit kediutit reig unde zila' N. Arist 59; 'wir mugin ouh tiuten'
[90] enuntiatio saga' ebend. 154. das ist völlig eins mit: 'heigit in
gidiuti, in
diutiskûn, heiget ze
diute. Nu beginnet er iu
diuten ein rede die er geschriben van'* a. H. 233, 34; 'media vita in morte sumus, daʒ bediutet sich alsus, daʒ wir in dem tode sweben … u. s. w.' a H. 236, 16. Hernach aber sagt
diutan, mbd.
diuten und wieder
tiuten* mnl.
dieden, nnl.
duiden: erklären allgemein und überhaupt, z. b.
vingerdiuten (digito monstrare) Troj. 22082. das mbd, fem.
tiute (declaratio, significatio) Trist 17025 ist von jenem, 'in ze
tiute' steckenden, neutr.
tiute unterschieden, 'Kunden daʒ
gediute' (die Deutung, Auslegung geben) Hartm. v. gelouben 363. 406; da; 'ist daʒ
gediute' 860. man vergleiche ital.
volgarizzare,
▷ ▷Die deutsche Srache heißt nicht so, weil sie
deutet und
deutlich ist, sondern
deuten und
deutlich ist uns das durch die Sprache, in der Sprache, verständliche, Deutsch reden gebrauchen wir noch heute iür
verständlich,
frei,
unumwundenreden, es liegt wenig ab von dem mhd.
ze diule, be diute sagen, dem mnl.
in dietsce spreken. Das unverständliche ist dem Volk Welsch
[91] oder Latein
[92].
▷ ▷Neben jenem ags.
geþeóde (
sermo) kenne ich kein
geþeódan oder
þeódan in dem entwickelten Sinne von
diutan. Diese ags. Verba drücken etwas anderes aus:
jungere,
conjungere,
copulare, was man doch wieder auf
þeód zurückzuführen bat, weil das Volk in der Vereinigung vieler besteht,
ungeþeóde C. 102, 11, wenn es nicht für das Part. zu nehmen ist, gleicht der ahd. Form
ungidiuti, meint aber so viel als
dispersus,
unvereint und steht von den nach dem
Turmbau zu Babel sprachverworren in alle Welt zerstreuten Stämmen, vielleicht gebricht dem ags.
geþeódan darum der Sinn des ahd.
diutan, weil auch das ags.
þeódisc unterging? Sollte das meines Wissens in keinem altn. Denkmal aufweisliche isl.
þýða (interpretari, significare), aus dem dän.
tyde, schwed.
tydo, dieses aber von uns hergeholt sein? Denn auch den Nordländern mochte dies Verbum, in seiner Wärme, kaum verbleiben, da sie sich selbst Deutsche nennen nicht können noch wollen, wir dagegen sind ihnen
þýðskar,
þýzkar oder
þýdverskar; schwed.
Tyskar, dän.
Tydsker. Snorra edda 138 wird Hialprekr
[93] (Chilpericus), der sonst in Frakkland herrscht, nach
þióði (fem.) gesetzt; wenn das keinen Ort, sondern Frankreich, wie auch Biörn annimmt, bezeichnet, so ließe sich hier nochmals der besondre Bezug von
theodiscus auf die Franken spüren, außerdem verbindet das altn. Idiom mit
þióðland die Vorstellung eines nur von einem Stamm bewohnten Lands, etwas Ähnliches liegen könnte im
þiódland: bei andern Zusammensetzungen pflegt
þiód,
diot, gleich jenem
irman- (s. 11) den Begriff des Wortes, welchem es vortritt, zu erhöhen, auch das zeugt für seinen altertümlichen Gehalt.
▷ ▷Wir haben erkannt, wie der Begriff
þiuda,
diot an den der einheimischen Sprache vielseitig rühre, vollends seine Beschaffenheit zu erschließen vermöchte uns nur die verdunkelte Wurzel selbst; das Wort steht mit fruchtbaren Ableitungen in unsrer Sprache, aber einsam ohne Ablaute, eine Formel
þiuda þáuþ (wie
biuda,
báuþ);
liuda,
láuþ) zu mutmaßen wäre gestattet, für sie schon das lilth.
Tauta (Deutschland). lett.
tauta (
gens,
natio zumal
extranea)
tautisks (extraneus) in Anspruch zu nehmen, gewagt.
[94] Auch gebietet vorsicht, jetzt noch das got. subst
þiuþ (bonum) gen.
þiuþis, pl.
þiuþa aus allem Spiel zu lassen, kein adj.
þiuþs gibt: es (gramm. 3, 602);
þiuþjan (
benedicere) weicht in Form wie Bedeulung ab von dem ahd.
diutan. Bevor das Verhältnis zwischen
þiuda und
þiuþ erforscht ist, scheint es schwierig über
Teuto abzuurteilen.
▷ ▷Unter den Völkern romanischer Zunge gibt der Italiener dem Deutschen seinen rechten namen
Tedesco; gewiß von früh an, und wäre hier wieder ein Gegensatz zwischen
Langobarden und
Franken waltend? Der
Franke in
Gallien, als er selbst sein
Theodisc verscherzt hatte, unterschied Anfangs zwischen
Aleman und
Tyois, dem ober und niederrheinischen Nachbar, ließ aber zuletzt
Allemand die oberhand gewinnen, französischen Brauch befolgte der
Spanier. Wie im alten Byzanz Franke an den Platz von
Germane getreten war (s. 10), behauptete es späterhin in jener Gegend und zum Teil im Orient noch größere Ausdehnung. Altn. Quellen haben aber oft
Saxland in der Bedeutung von
Germania oder
Deutschland[95], dort war der
Sachse, wie in
Gallien der
Alamann nächster Nachbar; daher erklärt sich das finnische
Saxa,
Saxaläinen für
Germanus, selbst dem Zigeuner heißt der Deutsche
Sasso,
Schasso. Dem Litthauer
Wůkietis, dem Letten
Wahzis,
Wahzeets; für Deutschland gilt litth.
Wůkie,
Wokie außer jenem
Tauta, lett.
Wahzsemme. Der Slave nennt den Deutschen
Njemetz (serb.
Nijematz,
Nematz, poln.
Niemiec, sloven.
Nemiz, böhm.
Nëmec) was sich aus
njemoi, poln.
niemy, böhm.
nëmy d. i.
mutus,
elinguis, der nicht mitredet, erklären läßt, und in das unger.
Nemett walach.
Némtz eingegangen ist. Also hätten die Slaven unsre Benennung in ihrer eignen Sprache geschöpft, wie die Römer
Germanus, falls es
germanus war. Die Neugriechen haben
Γερμανός behauptet oder hergestellt, die Engländer ein gelehrtes
German wieder eingeführt, während ihnen
Dutch bloß den Niederländer bezeichnet. Geben die Spanier der Zigeunersprache den namen
Germania, germanesco in dem Sinn unseres Rotwelsch? Beides will nur den Begriff des völlig fremden und unverständlichen ausdrücken
[96]. Und nennt der Unger den ihm fremden Slaven
Tot wieder mit unserm namen? sind nicht auch
Hnnne und
Avar verkehrt, mit den Begriffen von Riese und
obor gemischt worden?
Die Geschickte macht uns mit den Eigentümliclikeiten der alten wie der neuen Sprache bekannt.
Je weiter wir zurückgehn desto größer ist noch ihre sinnliche Gewalt. Die alte Sprache ist rein, voll und woltönend in ihren Lauten, ohne das Rauhe und Harte irgend zu scheuen, hat sie Milde und Weichheit; ihre Biegungen und Gelenke sind manigfalt, frisch und schwungkräftig; in der Syntax zeigt sie freie, leichte Bewegungen, deren Anmut und kKihnheit überraschen; ein außerordentlicher Wortvorrat bietet unabgenutzte Wurzeln dar in fast vollständiger Entfaltung. Man kann diese innere, leibliche Stärke der alten Sprache vergleichen dem scharfen Gesicht, Gehör, Geruch der Wilden, die einfach in der Natur leben und sich gesunder, behender Gliedmaßen erfreuen. Es waltet überhaupt mehr unbewuste Kraft als verbraucht wird, und manches Geheimnis, nach dem niemand fragt; zwischen den Gesetzen der Laute und Flexionen besteht noch ein wunderbarer Zusammenhang, den bloß der unempfundne Gebrauch erhält.
▷ ▷Die Geschickte macht uns mit den Eigentümlichkeiten der alten wie der neuen Sprache bekannt.
Je weiter wir zurückgehn desto größer ist noch ihre sinnliche Gewalt. Die alte Sprache ist rein, voll und woltönend in ihren Lauten, ohne das Rauhe und Harte irgend zu scheuen, hat sie Milde und Weichheit; ihre Biegungen und Gelenke sind manigfalt, frisch und schwungkräftig; in der Syntax zeigt sie freie, leichte Bewegungen, deren Anmut und Kühnheit überraschen; ein außerordentlicher Wortvorrat bietet unabgenutzte Wurzeln dar in fast vollständiger Entfaltung. Man kann diese innere, leibliche Stärke der alten Sprache vergleichen dem scharfen Gesicht, Gehör, Geruch der Wilden, die einfach in der Natur leben und sich gesunder, behender Gliedmaßen erfreuen. Es waltet überhaupt mehr unbewuste Kraft als verbraucht wird, und manches Geheimnis, nach dem niemand fragt; zwischen den Gesetzen der Laute und Flexionen besteht noch ein wunderbarer Zusammenhang, den bloß der unempfundne Gebrauch erhält.
▷ ▷In der neuen Sprache rinnt das Blut schon schwerer; der Wohllaut ist nicht mehr so ungesucht da, sondern wird durch sorgsame Vermeidung der Härten gewahrt, er ist negativ geworden, während der alte positiv war; die Flexionen erscheinen abgeschliffen und müssen durch allerhand Künste ersetzt werden; die Bewegung erfolgt steifer und genau gemessen; beträchtlich hat sich die Zahl der Wurzeln gemindert, weshalb häufigere Umgestaltungen und Zusammensetzungen unvermeidlich werden, von dem zauberhaften Widerschein der Formen ist weniges übrig, sie sehen eintönig, trüb und verworren aus.
▷ ▷Allein jene Vorzüge wie diese Mängel sind auch von eignen Nachteilen und Vorteilen begleitet: der geistige Fortschritt der Sprache scheint Abnahme ihres sinnlichen Elements nach sich gezogen, wo nicht gefordert zu haben.
▷ ▷Mitten in aller Formenfülle des Altertums herrscht oft Unbeholfenheit oder Verschwendung, sparsames Haushalten mit geringeren aber desto gewisseren Mitteln gab auf die Länge größere Befriedigung. Dort gebricht es dem Anmutigen nicht selten an Würde, dem Kühnen an Geschick, zumal dem Ganzen an Einstimmung, so daß oft die rechte Wirkung wo sie nahe zu erreichen war dennoch ausbleibt, weil sich Licht und Schatten gegenseitig nicht ermäßigen, spielen lebhafte Farben allzu grell nebeneinander; Wort- und Satzverhältnisse sind noch ohne Perspektive und kein Hintergrund wird geöffnet. Die neue Sprache versteht es gelinder aufzutragen, Eindrücke zu berechnen und von dem zufälligen das notwendige zu scheiden. Des schwebenden Flugs verlustig, ihre Schritte nicht selten zu doppeln und zu kreuzen gezwungen behält sie das vorgesteckte Ziel fester im Auge. Allenthalben bleiben ihr Ausgleichungen und kleine Nachhülfen zur Hand: denn selbst in grammatischen
Auxiliarverbindungen, so lästig sie schleppen können, beruhen zugleich günstige Feinheiten und leise Wendungen des Ausdrucks, von denen die Sprache vorher keine Ahnung hatte. Sie ist jetzt in ihr männliches alter eingerückt, welches weiß was es will und vermag.
▷ ▷Die Vollkommenheiten des ehmaligen Zustandes sind beneidenswert aber unwiederbringlich; den Gewinn den die heutige Sprache, indem sie jenen allmälich entsagte, errungen hat, dürfen wir nicht für zu teuer gekauft halten. Damals war weder Armut noch Roheit, aber nun gelten andrer Reichtum und andre Bildung. Ein Hauptvorteil, die durch Niederschlagung der Dialekte gegründete Herrschaft größerer vaterländischer Spracheinheit konnte eben nur in der Dämpfung sinnlicher Bestandteile errungen werden.
▷ ▷So war es unserm Volke beschieden. Man würde diesen Versuch, in allgemeinen Grundzügen beiden Gegensätzen und ihrer Versöhnung gebührendes Recht angedeihen zu lassen, misdeuten, wenn daraus gefolgert werden sollte, unserm Altertum fehle das geistige, oder der Gegenwart das sinnliche Element ganz. Beide berühren sich von Anfang an, wie sie sich immer berühren und gegenseitig stützen werden; bloß das Vorhersehen des einen und des andern hat damit bezeichnet sein sollen. Noch weniger folgt daß andern Sprachen ein gleicher Gang geboten gewesen sei: die Lateinische, vorzüglich aber die Griechische tun dar, wie selbst ein Gipfel ihrer Verfeinerung erstiegen werden konnte, ohne, daß die Vollkommenheiten der alten Form unterzugehn brauchten. Daß einer frühen Durchdringung beider Elemente schon vor fünfzehnhundert Jahren unsere Sprache an sich kein bedeutendes Hindernis in den Weg legte, zeigt die
Prosa des
Ulfilas. Es scheint nur, daß die Völker der neueren Zeit, nicht allein das Deutsche sondern auch die Romanischen, obgleich fast jedes in eigenthümlicher Weise, eine Verwilderung und Unterbrechung ihrer Bildung zu bestehn hatten, aus welchen sie nicht, ohne die sinnlichen Vorzüge ihrer Sprachen großenteils daran zu geben, hervorgingen. Welche endlichen Gewinne ihnen eben daher noch erwachsen können, läßt sich erst in zukünftigen Jahrhunderten ganz überschauen. Gleich den neueren Völkern haben auch die neueren Sprachen ihre eigne Aufgabe zu lösen, die von den Standpunkten des Altertums fern liegt, und über deren letztem Erfolg dunkel schwebt.
▷ ▷Geringere Schwierigkeit hat es das Verhältnis zwischen unsrer Schriftsprache und den unter dem Volke lebendigen gemeinen Mundarten
[97] anzugeben. Diese enthalten das vielgestaltige Material der entweder nie zur höheren Ausbildung gelangten oder wiederum versunkenen besonderen Dialekte einzelner deutscher Stämme: es wird oft gar nicht zu ermitteln stehn, welche beider Ursachen über das Schicksal der Mundart entschieden habe, in der Regel ist es die Macht der
Poesie, durch welche unter begünstigenden äußeren Bedingungen die Herrschaft einer Sprache vor der andern bestimmt wird, der zurückbleibende Dialekt fristet auf kargem Boden und ungepflegt, in immer enger werdende Grenzen abgeschlossen sein kümmerliches Dasein, kann aber durch die treue Anhänglichkeit des Volks sehr lange zeit aufrecht erhalten werden. So ist z. b. der hessische, der türingische Dialekt niemals der Schrift und Dichtkunst teilhaftig, der friesische oder sächsische seiner Bildung nachher verlustig geworden: jene beiden hat früher, diese erst später die Gewalt der hochdeutschen Zunge niedergedrückt, doch muß gegenüber dem friesischen auch das niederländische und dänische in Betracht kommen, so schmal und langgestreckt war die Mundart. Wer nun heute die friesische oder sächsische Sprache schriftlich zu fassen unternimmt, befindet sich in gleicher Lage mit dem, der schwäbisch, scltweizerisch oder bairisch schreibt und dichtet: ihnen allen entgeht der Hauptvorteil gehobener, gereinigter Mitteilung, allein sie vermögen kleine Vorlage immer noch zu behaupten.
▷ ▷Dazu kommt, daß bei der großen Menge deutscher Volksstämme unseres Altertums, die sich in der Folge verschmolzen und verminderten, Mischungen und Zusammenflüsse einzelner Dialekte, oft gedrängt und dicht neben einander, eintreten musten, die, neben der Verwahrlosung, welcher sie im Ganzen ausgesetzt waren, ihre Eigentümlichkeit störten und verwirrten, dadurch gerieten sie in neuen Nachteil gegen die sich freier und einfacher bewegende Schriftsprache. Wie bedeutend ab weicht jetzt die Mundart des nordfriesischen oder westfriesischen Volks untereinander und von der, in welcher die
Rechtsbücher aufgezeichnet wurden? Wer es sich unterfangen wollte, unterscheidende Merkmale selbst derjenigen Völker, die Sitz und Grenze am wenigsten änderten, in ihrer heutigen Sprache aufzufassen, würde im allgemeinen scheitern, obwol sich einzelne Spuren ohne Zweifel immer noch entdecken lassen und solche Forschungen mit allen hier einschlägigen Mitteln sorgsam getrieben werden sollten.
▷ ▷Dem Volksdialekt ist einiges eigen was unserer Schriftsprache abgeht, traulich und wanglos schmiegt er sich mit voller Sicherheit an die Vorstellungen, welche er auszudrücken hat; nicht selten stehn ihm auch gefällige Formen neben rauhen und derben zu Gebot, er hat einzelne, der höheren Sprache längst aufgegebne tilgenden des Altertums bewahrt, dafür aber im großen, wie jene, niemals gewonnen, es gebricht ihm an Adel, würde und regelnder Einstimmung; da wo der Gedanke die Sprache bald fesseln, bald lösen, aber mit sich fortführen soll, wird die
Vulgärsprache ohnmächtig. Sie hält nach dem was vorhin über den Gegensatz alter und neuer Sprache gesagt wurde, eine Art Mitte zwischen beiden, von dem Wohllaut der alten Formen besitzt sie, wie zufällig, kleine Teile, hat aber den Keim zur Veredlung eingebüßt, der in den Dialekten des Altertums gelegen war; es ist einiges von der größeren Gewandtheit des neuen Ausdrucks zu ihr eingedrungen, nur daß sie deren nicht vollkommen mächtig noch recht deutlich sich bewußt wird, sie steht also gegen die Eigentümlichkeit beider Erscheinungen zurück, und ist immer im verlieren begriffen.
▷ ▷Für das Studium der Sitte, des Glaubens und zugleich der Sprache unsrer Vorzeit behauptet die genaue Kenntnis der Mundarten keinen geringem Reiz, als auch die der Volkslieder, des Aberglaubens und aller gemeinen Überlieferungen hat. Im angelegentlichen Gebrauch dieser Quellen bin ich es gewahr geworden, welche Schätze daraus zu heben, welche Ergänzungen der Schriftlichen Denkmäler darin versteckt sind; zur unmittelbaren Auferbauung unserer Poesie und Sprache können sie nicht gereichen. Wie mich dünkt, darf die historische Grammatik weniger den bunten Wirrwarr der mundartlichen Lautverhaltnisse, als Bruchstücke einzelner Flexionen, Wortbildungen und selbst Strukturen berücksichtigen, die sich allerwärts unter dem Volk erhaltenhaben. Schindlers Wörterbuch zeigt, wie gründlich und gelehrt die deutschen Dialekte behandelt werden müssen; zunächst an seinen Reichtum reicht die Bearbeitung der Schweizersprache; für Tirol, Östreich und Schwaben wird noch fleißig zu sammeln sein; großer ist die Vernachlässigung der mittleren Dialekte in der Wetterau, Hessen und Thüringen, am größten und empfindlichsten die der gehaltigen westfälischen Mundart; Niedersachsen scheint schon sorgfältiger bedacht. Auch in Belgien, wenn es sich selbst nicht wieder zur Schriftsprache emporzuheben vermag, würde genaue Verzeichnung seiner, mundartischen Eigenheiten höchst wünschenswert sein, da sich daraus die Bewandtnis des altfränkischen Idioms hin und wieder aufklären könnte. Fruchtbarer noch an Ergebnissen fiir die deutsche Grammatik müste ein seit Ihre nicht recht wieder aufgenommnes schwedisches Dialektlexikon ausfallen.
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- ↑ 1) Der ihn sogar auf belgische oder iberische Stämme erstreckt, die mit den wahren Germanen in enge Berührung kamen. Paemani erinnert an Germani.
- ↑ 2) Er hatte weder Alamannen noch Franken besiegt, und die fränkischen Könige verübelten ihm, nach Agathias, seine Anmaßung.
- ↑ "Germanen, die jetzt Franken gerufen werden"
- ↑ "die Franken, diese Germanen werden Malaien genannt"
- ↑ 1) Nur kein zusammengesetztes Her-man, Ari-man darf man sich einbilden.
- ↑ 2) Wer getraute sich es nachzucken zu fühlen in den Sagen des Mittelalters von Abkunft der Baiern aus Armenien, verglichen mit dem Ormanie, Ermonie andrer unsrer Überlieferungen?
- ↑ 'nicht nur erröten und die Haare bändigen, sondern auch die germanische Sprache lernen und barbarische Namen tragen'
- ↑ 'wilde und unwissende germanische Völker'
- ↑ 'ein Volk der Bajuwaren, gelegen am äußersten Ende Germaniens'
- ↑ "Daher kommt es, dass unter der schmalen Achse so viele Volksmassen entstehen, dass nicht zu Unrecht die gesamte Region des Tanais bis zum Westen gehalten wird, obwohl jeder Ort darin mit seinem eigenen Namen genannt wird, wird er dennoch mit diesem Namen bezeichnet der allgemeine Begriff Germanien ... noch sind aus Germanen andere wilde und barbarische Nationen hervorgegangen."
Quelle: "De Germania, quod plures nutriat populos, ideoque ex ea multae gentes egrediantur. (0433A) Septentrionalis plaga, quanto magis ab aestu solis remota est, et nivali frigore gelida, tanto salubrior corporibus hominum, et propagandis est gentibus magis coaptata: sicut e contra omnis meridiana (0434A)regio, quo solis est fervori vicinior, eo semper morbis abundat, et educandis minus est apta mortalibus. Unde fit ut tantae populorum multitudines, Arctoo sub axe oriantur: ut non immerito universa illa regio Tanai tenus, usque ad occiduum, licet et propriis loca in ea singula nuncupentur nominibus, generali tamen vocabulo Germania vocitetur; quamvis et duas ultra Rhenum provincias Romani, (0435A)cum ea loca occupassent, superiorem, inferioremque Germaniam dixerint. Ab hac ergo populosa Germania, saepe innumerabiles captivorum turmae abductae meridianis populis pretio distrahuntur; multae quoque ex ea, pro eo quod tantos mortalium germinat, quantos alere vix sufficit, saepe gentes egressae sunt, quae nihilominus, et partes Asiae, sed (0436A)maxime sibi contiguam Europam, affixerunt. Testantur hoc ubique urbes erutae, per totam Illyricum, Galliamque: sed maxime miserae Italiae, quae pene omnium illarum est gentium experta saevitiam Gothi siquidem, Wandalique, Rugi, Heruli, atque Turcilingi, nec non etiam aliae feroces, et barbarae nationes e Germania prodierunt."
Übersetzung: Über Germanien, weil es viele Völker hervorbringt und deshalb viele Völker daraus hervorgehen. (0433A)
Je mehr die nördliche Region von der Hitze der Sonne entfernt und durch die Kälte des Schnees gefroren ist, desto gesünder für die Körper der Menschen und für die Nationen durch Fortpflanzung zugänglicher: genauso Im Gegenteil, jede südliche (0434A) Region, die näher an der Hitze der Sonne liegt, ist immer anfällig für Krankheiten und eignet sich weniger für die Ausbildung von Sterblichen. Daher kam es, dass unter der Achse
des Árctos so viele Scharen von Völkern entstanden, so dass nicht unverdienterweise die gesamte Region Tanais bis zum Westen, obwohl jeder Ort darin seinen eigenen Namen trägt, dennoch den Namen trägt allgemeiner Begriff Germania; Obwohl die Römer auch die beiden Provinzen jenseits des Rheins besetzten (0435 n. Chr.), nannten sie bei der Besetzung dieser Orte Ober- und Untergermanien. Aus diesem bevölkerungsreichen Gemanien werden daher oft unzählige Scharen von Gefangenen von den Völkern des Südens um einen Preis fortgeführt; Auch viele Nationen sind oft ausgezogen, weil es so viele Sterbliche hervorbringt, dass es kaum ausreicht, sie zu ernähren, was jedoch Teile Asiens, vor allem aber (0436A) Europa, das an sie grenzt, betroffen hat. Dies wird überall durch die geplünderten Städte in ganz Illyrien und Gallien bezeugt; am elendsten aber ist Italien, das fast alle diese Nationen darstellt und die Grausamkeiten der Goten, der Vandalen, der Rugier, der Heruler und der Turkilinger erlebt hat, und nicht aus Germanien kamen nur andere wilde und barbarische Nationen.
- ↑ "Deutsche Pferdezäume, sächsische Sättel geschmiedet."
- ↑ 1) unter den visigothischen Königen folgt auf Theudis ein Theudisclus (Isidori chron. goth. aera 569. 580.) oder ist dieser name entstellt aus Theudegisclus? (Prokop de b. goth. 1, 11.) Anm. KF: Teudegisclo (lateinisch: Theudegisclus; griechisch: Θευδέγισκλος, Theudégisclos), Tiudigisclo (lateinisch: *Thiudigisclus) oder Tiudisclo (lateinisch: Thiudisclus)[1] war ein ostgotischer Adliger des 6. Jahrhunderts. Er war der Sohn von König Theodatus (reg. 534–536) und seiner Frau Gudeliva sowie der Bruder von Theodenanda. Laut Procopius wurde er nach der Ermordung seines Vaters Ende 536 von Vitige (reg. 536–540) unter Bewachung gestellt, möglicherweise in Rom.[2] Der Grund für seine Verhaftung könnte neben persönlichen Wünschen und Ansprüchen auf den Thron auch seine wahrscheinliche Neigung zu einem Abkommen mit dem Byzantinischen Reich gewesen sein, wie auch andere Verwandte von ihm (Theodatus, Ebremundo, Amalasunta und Matasunta).[3] Er gehörte der Amalos-Dynastie an.[4] Garcia Moreno schlug vor, er sei der Vater von Gosuinda, dessen Name möglicherweise von Gudelivas Namen inspiriert war.[5]
- ↑ 2) Sozomenus braucht von den gothischen Barbaren ὲλληνῐκῶς = εθνικός (deutsche mythol. p. 73) vgl. ὲλληνῐς = gentilis Marc. 7, 26. goth. haiþnō. Venantius Fortunatus versteht unter barbara femina eine germanica. barbara femina = Babarenfrau "nicht zu vergleichen mit dem Schrei einer Barbarenfrau und all dem Kummer der Tropfen, die im See schwimmen. Jeder hatte seine eigenen Tränen, ich allein, aber alle: dieser öffentliche Kummer ist für mich privat," Quelle germanica = Germanin
- ↑ 3) Aus gleichem Grund war den romanischen Völkern lingua romana die Vulgärsprache, lingua rustica, entgegengesetzt der lateinischen Kirchensprache; roman, romanze ein in der Vulgärsprache verfaßtes Gedicht oder Lied.
- ↑ "denn ihre Zunge soll faul und labernd sein"
- ↑ 'Sie lebten auf der Insel Visclae, umgeben von einem flachen Bach, den sie als ihr Heimatland Gepiden nannten'
Sie lebten auf der Insel Visclae, umgeben von flachen Bächen, die sie als ihre Muttersprache Gepiden nannten
- ↑ 4) ôs, ostium fluminis, wie altn., und lat. ōs, ōris; ob nicht in gêpid etwas Ähnliches liegt? vgl. altn. gap (hiatus, ōs, vorago.)
- ↑ "bei ihrer Sprache lang- bedeutet lang, bard- bedeutet Bart" (Langbärte)
- ↑ des Teiches, die in ihrer Sprache "lama" (lang. 'Lache (Teich)' genannt wird.
- ↑ auf den offenen Weiten, die in der barbarischen Sprache Feld genannt werden
- ↑ "Alle diese waren Adlige, denn so wurde unter ihnen eine bestimmte Adelslinie genannt."
- ↑ "Die Sippen der Langobarden, also Generationen oder Linien"
- ↑ "ein strātor, den sie in ihrer eigenen Sprache marpahis nennen"
- ↑ mit starken Messern, die allgemein Scramasaxes genannt werden
- ↑ Holzschalen, die allgemein bakkhinon (gall. "Schalen") genannt werden
- ↑ "„die Meerenge, die in unserer eigenen Sprache Marcfleot genannt wird.“"
- ↑ "an einem sehr berühmten Ort, der allgemein Tomevorðig genannt wird"
- ↑ das von ihnen als Laestingaeus bekannt ist und von ihnen gegründet wurde
- ↑ das heute von den Engländern Verlamacaestir oder Vaetlingacaestir genannt wird
- ↑ was die Rasse der Engländer Hrofaes caestrae nennt
- ↑ von einem Ort namens Vilfaraesdun, das heißt dem Berg Vilfari
- ↑ in einer bestimmten Burg, die in der englischen Sprache Cnobheresburg heißt, das heißt die Stadt Cnobhere
- ↑ "welches Rendlaesham genannt wird, das heißt das Herrenhaus von Rendil"
- ↑ die Heruteu heißt, das heißt die Insel der Hirsche
- ↑ die Strenaeshalch genannt wird, was als Bucht des Leuchtturms interpretiert wird
- ↑ an einem Ort namens Hreutford, das heißt einer Furt aus Schilf
- ↑ "mit dem Begriff Selaeseu, der auf Lateinisch die Insel des Meereskalbs genannt wird"
- ↑ "zu tuifyrdi, was eine doppelte Furt bedeutet"
- ↑ dies ist, das ist
- ↑ was die Alamannen sagen, was die Bajuvaris sagen
- ↑ 1) Belege gesammelt RA. 2. 3.
- ↑ "das heißt, streicheln. in der Nähe des Ortes, der nach der Rede dieser Bürger oder der gesamten Volkssprache Hrachatom genannt wird"
- ↑ "im Land derer, die in der ländlichen Sprache von Ostor Westeraeche genannt werden"
- ↑ "Land erinnernde Stimme"
- ↑ "donnernde Synode" oder Zusammentreffen der Touronen
- ↑ "dass sich jeder Bischof offen bemühen sollte, die Predigten in die ländliche römische Sprache oder die theotische Sprache zu übersetzen, damit die Gemeindemitglieder endlich verstehen können, was gesagt wird"
- ↑ was ich in der Sprache der Thiudiscans gelesen habe, das heißt, es wird Waffenniederlegung genannt
- ↑ der Sammlungen, die die theudiskischen Sprache heriszuph nennt
- ↑ "die Ankündigungen von König Hludovicus in Confluente in der Sprache der theodischen"
- ↑ 2) wurde die Stelle schon in diesem Jahr niedergeschrieben, so liefert sie das älteste Zeugnis; die Redaktion scheint aber erst später vollführt.
- ↑ Den König in der Armee zurücklassen und dort das, was in der theodischen Sprache harisliz genannt wird
- ↑ "wenn man die Sprache der Barbaren spricht, die sie Deutsche nennen"
- ↑ Das Patronym der Franken gemäß der theodiszischen Sprache
- ↑ Gedichte der theodiskischen Sprache
- ↑ von wem (den Nordmannen) sie stammen, die die theodizische Sprache sprechen
- ↑ "Auf welche Weise wird das Haus Gottes das Theotische genannt? Ich sage es aber auch gemäß unserer Barbarei, die theotisch ist ... und es gibt viele Theotisten von den Lateinern ... insbesondere von den Goten ... zu der Zeit, als sie (die Goten) zum Glauben an Christus geführt wurden und unter uns in den Provinzen der Griechen lebten, führten sie einen Diskurs theotisch"
- ↑ 'Auf Wunsch einiger schrieb ich ihnen die Evangelien auf theotisch'
- ↑ Die von den Theotischen verfassten Lehren werden uns wegen der Barbarei dieser Sprache immer in Erinnerung bleiben
- ↑ denn ich habe ... einen Teil der Evangelien geschrieben, der auf Französisch verfasst war
- ↑ "warum der Autor dieses Buch theotisch diktiert hat"
- ↑ "so dass das ganze Volk, das seiner Herrschaft unterworfen war und die teutische Sprache sprach, die gleiche Vorstellung von der göttlichen Lektion erhielt"
- ↑ 'deutsche Leute'
- ↑ 'Die Vereinigung wird oft deutsch Perula genannt'
- ↑ "es sind Büschel, die wir in thiudisce "Wollen" nennen"
- ↑ larus heißt auf Deutsch mêh
- ↑ 1) 'barbarice clamans au wê mir wê! casus S. Galli (Pertz 2, 98.)
- ↑ "barbarische Lieder"
- ↑ "Volkslieder"
- ↑ "Nichtjüdische Lieder"
- ↑ Anm. KF: "Sowohl Vorbemerkung wie Regest erkennen richtig den Zusammenhang zwischen Teutisci und Bayern, mögen auch die Terminologie wie die Ausschließlichkeit der Aussage anachronistisch und übertrieben sein. Auf einen älteren italischen Beleg für Teotisch(i) (816 VII 19) macht Jarnut, Bergamo 19 mit Anm. 42 und 141 mit Anm. 92, nach Codex diplomaticus Langobardiae n. 92; col. 173, aufmerksam; siehe demnächst in den MIOG. 312 Brühl (wie Anm. 311), dessen Überlegungen zu den „Anfängen der deutschen Geschichte" schon vor mehr als zwei Jahrzehnten lebhaft begrüßt wurden (siehe M I O G 82, 1974, 509 f.), fällt hier der üblichen frankozentrischen Betrachtungsweise zum Opfer, so daß er die bayerische Zwischenstufe der von ihm schon seinerzeit zurecht als langwierigen Prozeß beschriebenen deutschen Nationswerdung übersehen muß. (Quelle)
- ↑ sogar bis zur scharfen Spitze, die schließlich deutsch „Wassinbarsch“ genannt wird
- ↑ Kisten zum Platzieren von Bienen, die im Land Cidelwida genannt werden
- ↑ zu einem Baum, der allgemein Melboom genannt wird
- ↑ 1) Aus dem T dieses romanischen tyois, tiesc haben die mhd. Dichter des 13 Jh. ihr unorganisches tiutsch für diutscb, das gleichwohl immer noch daneben durchbricht.
- ↑ 2) wenn p. 14 dûtsc und dietsc seltsam nebeneinander stehn, scheint mit jenem Hochdeutsch gemeint? doch p. 26 in dûtscer tale und p. 90 dûtscen für niederdeutsch.
- ↑ "die teotonische oder deutsche Sprache"
- ↑ "Der Text des Sakramentes ist an manchen Stellen in teutonischer Sprache verfasst"
- ↑ "barbarisch zu schreiben und zu lesen"
- ↑ "teutonisch und romanisch"
- ↑ "daher wird es in teutonischer Sprache gesungen"
- ↑ "an der Grenze des Königreichs der Franken und der Teutonen"
- ↑ 1) in Donnizos Mathildis (h. Leibn. 1, 659): haec apices dictat, scit theutonicam bene linguam, haec loquitur laetam quin francigenamque loquelam.
- ↑ 2) Rudolf von Ems in seiner Weltchronik (Diut. 1, 64): 'Strāgburc in lingua latina heiʒet Argentina, in tiuschi ein silberstat genant.
- ↑ Seine Barbarei und Redewendungen, die noch immer die Teutonen beeinflussen, dürfen nicht plötzlich lateinisch werden
- ↑ "die Sprache nicht kann"
- ↑ 1) andere Stellen sammelt Leyser im Glossar zu den Predigten p. 141 mit der richtigen Erklärung vulgo, im vulgari lingua.
- ↑ 2) vgl. diop (für) diupic (furtivus); riomo (lorum) riumîn (loreus); liobt (lux) liuhtan d. i. liuhtian (lucere.)
- ↑ "damit ich es mir zurückgebe, damit ich mir meine Familie, meine Verwandten zurückgebe"
- ↑ "derselben Rasse und Familie"
- ↑ 1) hier folgt -t aus der notkerschcn regel; anders als bei dem mhd. tiuten.
- ↑ 1) vor alters auch Gallisch, Keltisch? Waltharius p. 86..
- ↑ 2) gött. anz. 1833, 1590. 1591.
- ↑ König Hialprekr Völsungasaga
- ↑ 3) Man hat auch das armor. tut (gens) cymr. tud (terra) verglichen, alltud (alienigena) ahd. elidiotic. doch das armor. téôd (Zunge) Legonidec 433 scheint gekürzt aus tevod , wie das cymr. tafod lehrt. Bemerkenswert sonst, daß slav. ïazyk (poln. ięzyk, böhm. gazyk) eigentlich Zunge (das Glied), dann Sprache, den Begriff von naród, ἔθνος annimmt, und ïazytscheski ist ethnicus, heidnisch, þiidisk; so wie auch das mhd. sprâche, selbst nhd. sprache, obwol nie die leibliche Zunge bedeutend, für Volk gebraucht werden; lauter Bestätigungen des Übergangs von þiuda in Sprache.
- ↑ 1) fornmannasögur XII, 345. auch in den friesischen Quellen Saxa für Deutscher gesetzt (Richthofen 149. 150.) Da nun im Norden der Deutsche nicht selten von seiner Lage bloß der Südliche (Sûðrœnn, Sunnmaðr genannt wird, so ist bemerkenswert daß in einem Eddalied ein Anführer oder Priester der Deutschen (Sunnmanna gramr) den eigennamen Saxi führt (Sacm. 237. 238.)
- ↑ 2) vgl. vorhin s. 19, und die franz. Benennung jargon, ital. gerigonza.
- ↑ * ) So muß man sich, unverächtlich, ausdrücken, gemein im Sinne von vulgaris verstanden, ein Begriff der, wie gezeigt worden ist, anfangs selbst der nunmehr gehobnen Benennung Deutsch anhaftete, in Mundart allein liegt bloß διάλεκτος ἰδιωτισμός was von jeder Eigenheit ebenwohl der Schriftsprache gilt; gleich unbestimmt scheint Volkssprache, das zwar die Sprache des gemeinen Manns, aber auch des Volks überhaupt bezeichnet, verletzender sind die Ausdrücke grobe, rohe , niedrige, platte Mundart, span. language tosco franz. langage grossier, bas langage, patois ital. dialetto piatto, triviale; platt reden ist gemein, grob und bäurisch reden, was ebensowohl jeden andern als den sächsischen Vulgärdialekt bezeichnet, da aber die sächsische Mundart der hochdeutschen Schriftsprache überhaupt entgegen trat, haben Plattdeutsch und Niederdeutsch notwendig den Begrif der vernachlässigten und zurückweichenden sächsischen Vulgärsprache erhalten müssen und der Name Hochdeutsch für die veredelte Schriftsprache steht umso mehr gerechtfertigt. Ten Kate nennt sein feines Niederdeutsch verheven, und wir stellen den höheren Stil, die erhabene Schreibart als die feierliche Sprache der vertraulichen des gewöhnlichen Lebens gegenüber.