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DG1G/Exkurs über Germanisch und Deutsch/24

aus AufEinWort, der freien Forschung

▷So war es unserm Volke beschieden. Man würde diesen Versuch, in allgemeinen Grundzügen beiden Gegensätzen und ihrer Versöhnung gebührendes Recht angedeihen zu lassen, misdeuten, wenn daraus gefolgert werden sollte, unserm Altertum fehle das geistige, oder der Gegenwart das sinnliche Element ganz. Beide berühren sich von Anfang an, wie sie sich immer berühren und gegenseitig stützen werden; bloß das Vorhersehen des einen und des andern hat damit bezeichnet sein sollen. Noch weniger folgt daß andern Sprachen ein gleicher Gang geboten gewesen sei: die Lateinische, vorzüglich aber die Griechische tun dar, wie selbst ein Gipfel ihrer Verfeinerung erstiegen werden konnte, ohne, daß die Vollkommenheiten der alten Form unterzugehn brauchten. Daß einer frühen Durchdringung beider Elemente schon vor fünfzehnhundert Jahren unsere Sprache an sich kein bedeutendes Hindernis in den Weg legte, zeigt die Prosa des Ulfilas. Es scheint nur, daß die Völker der neueren Zeit, nicht allein das Deutsche sondern auch die Romanischen, obgleich fast jedes in eigenthümlicher Weise, eine Verwilderung und Unterbrechung ihrer Bildung zu bestehn hatten, aus welchen sie nicht, ohne die sinnlichen Vorzüge ihrer Sprachen großenteils daran zu geben, hervorgingen. Welche endlichen Gewinne ihnen eben daher noch erwachsen können, läßt sich erst in zukünftigen Jahrhunderten ganz überschauen. Gleich den neueren Völkern haben auch die neueren Sprachen ihre eigne Aufgabe zu lösen, die von den Standpunkten des Altertums fern liegt, und über deren letztem Erfolg dunkel schwebt.


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