DG1G/Exkurs über Germanisch und Deutsch/16
▷Neben jenem ags. geþeóde (sermo) kenne ich kein geþeódan oder þeódan in dem entwickelten Sinne von diutan. Diese ags. Verba drücken etwas anderes aus: jungere, conjungere, copulare, was man doch wieder auf þeód zurückzuführen bat, weil das Volk in der Vereinigung vieler besteht, ungeþeóde C. 102, 11, wenn es nicht für das Part. zu nehmen ist, gleicht der ahd. Form ungidiuti, meint aber so viel als dispersus, unvereint und steht von den nach dem Turmbau zu Babel sprachverworren in alle Welt zerstreuten Stämmen, vielleicht gebricht dem ags. geþeódan darum der Sinn des ahd. diutan, weil auch das ags. þeódisc unterging? Sollte das meines Wissens in keinem altn. Denkmal aufweisliche isl. þýða (interpretari, significare), aus dem dän. tyde, schwed. tydo, dieses aber von uns hergeholt sein? Denn auch den Nordländern mochte dies Verbum, in seiner Wärme, kaum verbleiben, da sie sich selbst Deutsche nennen nicht können noch wollen, wir dagegen sind ihnen þýðskar, þýzkar oder þýdverskar; schwed. Tyskar, dän. Tydsker. Snorra edda 138 wird Hialprekr[1] (Chilpericus), der sonst in Frakkland herrscht, nach þióði (fem.) gesetzt; wenn das keinen Ort, sondern Frankreich, wie auch Biörn annimmt, bezeichnet, so ließe sich hier nochmals der besondre Bezug von theodiscus auf die Franken spüren, außerdem verbindet das altn. Idiom mit þióðland die Vorstellung eines nur von einem Stamm bewohnten Lands, etwas Ähnliches liegen könnte im þiódland: bei andern Zusammensetzungen pflegt þiód, diot, gleich jenem irman- (s. 11) den Begriff des Wortes, welchem es vortritt, zu erhöhen, auch das zeugt für seinen altertümlichen Gehalt.
- ↑ König Hialprekr Völsungasaga