Diesseits und Jenseits
diesseits | dies + seits |‘auf dieser Seite’ (16. Jh.), Gegenwort zu jenseits, mhd. desīt;
Diesnseits | diesseits | Welt; irdisches Leben;
jenseits | jen + seits | ‘auf der anderen Seite’ (16. Jh.), Gegenwort zu diesseits, mhd. jensīt; auch abseits. Ab 16. Jh. wird seits hervorbringend für weiter Wortbildungen als Ableitungssilbe für Umstandswörter, vgl. mütterlicherseits, väterlicherseits (18. Jh.).
Jenseits | jenseits | n. in religiöser Vorstellung ‘außerirdische, nicht sichtbare Welt, Ort der Verstorbenen’ (um 1800); vgl. weder in dieser noch in jener Welt (Luther).
Die vergegenständlichten, verdinglichten Ortsbestimmung „diesseits“ ist wie dessen Gegenwort „jenseits“ in Hauptwortbildungen Diesseits, Jenseits zu einem religiös-philosophischen Begriff geworden: das Diesseits – im Allgemeinen häufig für die Naturwirklichkeit verwandt – und das Jenseits – generell meist für die „andere“ (göttliche) Wirklichkeit verwandt. (21 Jh. ndt).
Die beiden Wörter beziehen im Allgemeinen ein, dass das Gemeinte begrifflich, unanschaulich ist. Sie setzen der eingewöhnten zweiwertigen Denkweise der Gelehrter, Wissenschaftler und infolge deren Gläubige eine Grenzlinie, die das Weltganze in zwei „Bereiche“ teilt, wobei Diesseits der Bereich ist, in dem sich der Sprecher befindet, und Jenseits der andere. Diese Grenze wird gewöhnlich mit der Todeslinie gleichgesetzt. (21 Jh. ndt).
Das Diesseits und Jenseits sind jeweils nachweisbare, vom gegenwärtigen Daseinszustand abhängige Bewußtseinszustände und als eigenes Dasein weder möglich, nochwirklich undoder tatsächlich. (21 Jh. ndt).
Jenseits ist gemäß der Vorstellungen der Gelehrten, Kleriker, Wissenschaftler und deren Gläubige ein etwa seit dem Beginn der Moderne im Deutschen geläufiger Begriff zur Bezeichnung einer „anderen Wirklichkeit“, die sich nach mythischen, religiösen und mancherorts esoterischen Vorstellungen jenseits der Naturwirklichkeit befindet und ausschließlich in nicht von Naturwissenschaften verstandenem Daseinszustand wahrgenommen werden kann. Den Gegensatz dazu bildet das „Diesseits“ als Gesamtheit der Phänomene, die im Daseinszustand der Naturwirklichkeit wahrgenommen werden können und den Gesetzen der Natur gehorchen. Das Jenseits wird auch zum Bereich des „Himmlischen“, mitunter auch des „Übernatürlichen“ gezählt. Damit wird ein Unterschied zwischen Naturwirklichkeit, „Gotteswirklichkeit“ beziehungsweise „übernatürlicher Wirklichkeit“ angenommen, wobei der mehrdeutige Begriff „natürlich“ als Synonym von „diesseitig“ verwendet wird.