Essentia (Scholastik)
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In der sich auf Aristoteles berufenden scholastischen und in die Neuzeit sich auswirkenden Tradition gewinnt die begriffliche Komponente des Wesens-Begriffs die Vorherrschaft. Da nur über das allgemeine Wesen Wissenschaft möglich ist, wird das Individuelle und Einzigartige dem Allgemeinen untergeordnet. Typisch für diese Denkweise ist die scholastische Frage nach dem „Individuationsprinzip“, also die Frage, wie sich aus dem Allgemeinen das Individuelle ergeben kann. Die Vorherrschaft des vom konkret Wirklichen abgelösten Allgemeinen führt zu der Vorstellung, dass es Sinn habe, von einem „Wesen an sich“, vom Wesen als reine Möglichkeit zu sprechen, also von einem Sosein ohne Dasein (esse ohne existentia). In dieser Sicht einer Wesens-Metaphysik (Essentialismus) wird eine so genannte „Realdistinktion“ zwischen Sein und Wesen vorgenommen. Das Wesen erscheint als das einen bestimmten Seinsgehalt ermöglichende Prinzip, das durch das Sein verwirklicht, „aktuiert“ wird.
Die scholastische Wesens-Metaphysik – klassisch vertreten durch den frühen Thomas von Aquin – nimmt von ihrem Ausgangspunkt zunächst eine antiplatonische Haltung ein. Sie geht im Anschluss an Aristoteles davon aus, dass das im primären Sinn Wirkliche das Individuelle, die Einzel-Substanz ist. Diese Einzel-Substanzen lassen sich gemäß dieser Vorstellung in Gruppen einteilen. Eine wichtige Rolle spielt dabei die Art (species) als die Gruppe jener Seienden, die mit derselben Definition bezeichnet werden können. Die Einheit der Art wird dabei nicht nur als eine Leistung des Denkens, sondern als etwas in gewisser Weise Reales betrachtet. Es ist das bestimmende Prinzip, die „Form“ des Seienden, durch die dieses das ist, was es ist. Von diesem Ansatz her wird die Wesensform so sehr eine Realität, dass die Individualität einer eigenen Erklärung bedarf. Daraus entspringt die Frage nach dem Individuationsprinzip, das in der materia quantitate signata (bezeichnete Materie) angegeben wird. Diese „vereinzelt“ die Form, d. h., sie individualisiert und begrenzt sie auf das Einzelne.
Im Verständnis der Wesens-Metaphysik steht dabei das Wesen im Gegensatz zum Sein. Es wird als eine begrenzte Möglichkeit zu sein betrachtet (potentia), die erst durch das Sein in die Wirklichkeit überführt wird. Das Sein wird dabei als bloßes Existenz-Prinzip und als selbst vollkommen inhaltsleer aufgefasst.