Fünf-Wortarten-Lehre
Mit der 5-Wortarten-Lehre nach Hans Glinz setzte sich ab den 50er-Jahren eine Einteilung durch, welche explizite (operationalisierbare) und durchgängige Klassifikationskriterien anwendet.
Klassifikationskriterien

Abbildung 3.1: Die 5 Hauptwortarten nach Glinz [STOCKER et al. 2004]
Bei der Fünf-Wortarten-Lehre nach Hans Glinz beruht die Klassifikation auf formalen Kriterien.[1]
Man unterscheidet fünf Haupt-Wortarten nach morphologischen Kriterien:
- unflektierbar → Partikel
- flektierbar
- deklinierbar
- festes Genus → Substantiv (manchmal auch Nomen genannt)
- ohne festes Genus
- konjugierbar → Verb
- deklinierbar
Die Partikeln können nach ihrem syntaktischen Verhalten in vier Untergruppen unterteilt werden:
- Präpositionen bestimmen den Kasus der Wortgruppen, bei denen sie stehen.
- Konjunktionen, die weiter unterschieden werden als: Beiordnende Konjunktionen verbinden gleichwertige Einheiten / Nebenordnende Konjunktionen leiten Nebensätze ein.
- Interjektionen stehen außerhalb des Satzes, haben Töne, ungewöhnliche Lautkombinationen (brr), sind nur sehr begrenzt kombinationsfähig.
- Die Adverbien bilden eine Restgruppe.
Die Adverbien können ihrerseits auch noch weiter unterschieden werden, etwa in Lokaladverb (Wo?), Temporaladverb (Wann?), Modaladverb (Wie?), Kausaladverb (Warum?), Interrogativadverb (Frageadverb) und Präpositionaladverb (Verbindung von da-/wo-/hier- mit Präposition: dabei/wobei/hierbei).
Einige Beispiele:
- Präpositionen: auf, mit, zu, an, bei, durch, …
- beiordnende Konjunktionen (Konjunktoren): und, aber, sondern, denn, nämlich, als, wie …
- unterordnende Konjunktionen (Subjunktoren): als, dass, wenn, weil, obwohl, seit, wie …
- Interjektion: ah, na, hm …
- Adverbien: unten, oft, sehr, wohl, damit, warum, deshalb …
Die Pronomen werden in der Fünf-Wortarten-Lehre in zehn Unterarten eingeteilt, die in der klassischen Wortartenlehre drei anderen Wortarten zugerechnet werden (Artikel, Numerale, Pronomen):
- bestimmter Artikel (der, die, das)
- unbestimmter Artikel (ein, eine)
- bestimmtes Zahlpronomen (ein/eine, zwei, drei, vier: Kardinal-/Grundzahlen)
- Personalpronomen (Fürwort: ich, du, er, sie, es, wir, ihr, sie; mich, dich, ihn, sie, es, uns, euch, sie; mir, dir, ihm, ihr, ihm, uns, euch, ihnen;)
- Reflexivpronomen (rückbezügliches Fürwort)
- Relativpronomen (bezügliches Fürwort)
- Possessivpronomen (besitzanzeigendes Fürwort)
- Demonstrativpronomen (hinweisendes Fürwort)
- Indefinitpronomen (unbestimmtes Fürwort, hierzu gehören auch die unbestimmte Zahlwörter: einige, viele, wenige)
- Interrogativpronomen (fragendes Fürwort)
Bei der Bestimmung der Wortarten bestimmte man Lexeme, und keine Wortformen. Das bedeutet, dass in den Sätzen „er sieht ein schönes Haus“ und „er zeichnet schön“ die beiden unterschiedlichen Wortformen von „schön“ als Adjektive bestimmt werden. Wenn man die unterschiedliche Funktion der Adjektive berücksichtigen will, kann man von attributiven (schönes Haus) und adverbialen (er singt schön) Adjektiven sprechen. Analog dazu spricht man in Sätzen wie „sie ist hübsch“ von prädikativen Adjektiven.
Die Fünf-Wortarten-Lehre fasste in den letzten Jahren in Schweizer Grundschulen Fuß.
In sprachvergleichender Sicht erscheint die Fünf-Wortarten-Lehre als eine (nur) auf die deutsche Sprache angepasste traditionelle Wortartlehre, bei der versucht wird, klarere Einteilungskriterien stringent anzuwenden.
Der generative Ansatz kennt nur vier lexikalische Wortarten: Nomen (N), Verb (V), Adjektiv (A), Präposition (P) und eine Reihe von funktionalen Kategorien.[2]