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GDSG/Einwanderung/08

aus AufEinWort, der freien Forschung

▷Unbedenklich das dritte Volk europäischer Geschichte sind die Kelten. Griechische nachrichten begreifen Gallier und Teile der Germanen unter dem gemeinschaftlichen namen Kelten oder Galater und erst die Römer lernten allmälich Gallier von Germanen scheiden. Dem Herodot wohnen die Kelten ἔσχατοι πρὸς ἡλίου δυσμέων (2, 33. 4, 49.)[1] Livius will, daß Bituriger schon unter Tarquinius Priscus etwa 600 jahr vor Chr. über die Alpen nach Italien und dem herkynischen Wald gedrungen seien. Historisch ist, daß bald zweihundert Jahre später, 388 vor Chr., Gallier Rom eroberten[2] und dann ihre Streifzüge wiederholten. Von 336 bis 238 hielt Rom mit ihnen Friede, neuer Krieg entzündete sich von 226 bis 220 und schlug zu der Gallier Nachteil aus: das Blatt hatte sich gewendet und ihrerseits drangen die Römer 223 in Gallien ein, das sie endlich zu Caesars Zeit fast unterjochten. Die Blüte der gallischen Macht wird in das sechste fünfte und vierte Jh. vor Chr. fallen, also dem Gipfel der römischen noch vorausgehn: um diese Zeit hatten die Gallier strecken Germaniens, Oberitaliens, Spaniens in Besitz; die beiden letzten Jhh. vor unsrer Zeitrechnung sehen wir sie geschwächt, auf einer Seite den Römern, auf der andern den Germanen erliegend. Deutsche wie Römer trieb es sich nach Westen und Nordwesten auszudehnen; was übrig blieb von Galliern konnte, gleichsam ins Meer gedrängt, nur an der äuszersten Küste, auf der britannischen und hibernischen Insel geborgen werden. Hier dauern, für die Sprachforschung günstig, zwei Verwandte, bedeutend abweichende Dialekte fort, der Welsche und Irische, die von früh auf geschieden gewesen sein müssen. Ob der an armorischer Küste in Bretagne ansässige rest der Gallier, dessen Mundart jener Welschen nahe steht, immer auf festem Lande gehaftet habe oder dorthin von der Insel wieder eingezogen sei? kann ungewis scheinen; da alle Völkerbewegung vorwärts, nicht zurück schreitet, trete ich lieber der ersten Ansicht bei.

◀Unbedenklich das dritte volk europäischer geschichte sind die Kelten. griechische nachrichten begreifen Gallier und theile der Germanen unter dem gemeinschaftlichen namen Kelten oder Galater und erst die Römer lernten allmälich Gallier von Germanen scheiden. dem Herodot wohnen die Kelten ἔσχατοι πρὸς ἡλίου δυσμέων (2, 33. 4, 49.)* Livius will, dasz Bituriger schon unter Tarquinius Priscus etwa 600 jahr vor Chr. über die alpen nach Italien und dem hercynischen wald gedrungen seien. historisch ist, dasz bald zweihundert jahre später, 388 vor Chr., Gallier Rom eroberten** und dann ihre streifzüge wiederholten. von 336 bis 238 hielt Rom mit ihnen friede, neuer krieg entzündete sich von 226 bis 220 und schlug zu der Gallier nachtheil aus: das blatt hatte sich gewendet und ihrerseits drangen die Römer 223 in Gallien ein, das sie endlich zu Caesars zeit fast unterjochten. Die blüte der gallischen macht wird in das sechste fünfte und vierte jh. vor Chr. fallen, also dem gipfel der römischen noch vorausgehn: um diese zeit hatten die Gallier strecken Germaniens, Oberitaliens, Spaniens in besitz; die beiden letzten jhh. vor unsrer zeitrechnung sehen wir sie geschwächt, auf einer seite den Römern, auf der andern den Germanen erliegend. Deutsche wie Römer trieb es sich nach westen und nordwesten auszudehnen; was übrig blieb von Galliern konnte, gleichsam ins meer gedrängt, nur an der äuszersten küste, auf der britannischen und hibernischen insel geborgen werden. hier dauern, für die sprachforschung günstig, zwei verwandte, bedeutend abweichende dialecte fort, der welsche und irische, die von früh auf geschieden gewesen sein müssen. Ob der an armorischer küste in Bretagne ansässige rest der Gallier, dessen mundart jener welschen nahe steht, immer auf festem lande gehaftet habe oder dorthin von der insel wieder eingezogen sei? kann ungewis scheinen; da alle völkerbewegung vorwärts, nicht zurück schreitet, trete ich lieber der ersten ansicht bei.▷

  1. ↑ extremi hominum Morini. Virg. Aen. 8, 727; ut Menapios et Morinos et extrema Galliarum quateret. Tac. hist. 4, 28; ultimi gallicarum gentium Morini. P. Mela
  2. ↑ vgl. Plutarchs Camillus 15, 16.