Zum Inhalt springen

GDSG/Einwanderung/17

aus AufEinWort, der freien Forschung

▷Ihren Gesamtnamen der Slaven hatten diese Völker damals so wenig empfangen, als die Germanen den der Deutschen; unsern Vorfahren aber hießen sie Winden, Wenden (ahd. Winidâ, ags. Veonodas) und unter dieser Benennung Veneti wurden sie auch den Römern auf einzelnen Punkten bekannt, gerade wie die Römer die Finnen mit einem unter dem Volk selbst ungewöhnlichen deutschen Namen kennen lernten. Dies alles dargelegt hat Schafarik, der dem namen Winden für sein Volk wohlbefugt einen andern einheimischen an hohem alter gleich stellt, den schon bei Plinius 6, 7 unter den maeotischen Völkern erwähnten namen Serbi, bei Ptolemaeus Sirbi, wie er noch heute für zwei entlegne slavische Stämme, Sorben und Serben, fortbesteht[1]. nur darin scheint mir der gründliche Forscher fehl zu treten, daß er jetzt die früher von ihm selbst erkannte Identität der Serben und Sarmaten leugnet und für den Ausdruck Srb die vage wurzel su (generare) aus dem Sanskrit herholt, welche Mutter eines jeden mit diesen Buchstaben anlautenden Worts werden könnte. Nichts aber ist natürlicher, als daß unmittelbar im Rücken der Germanen hausende Sarmaten, bei Älfred Sermende[2], den Griechen Sauromaten genannt, die Grundlage des slavischen Volks bilden; durch ihre Wegnahme würde den Slaven ein Anhalt in der älteren Geschichte entzogen, wie man ihn den Deutschen durch das Verkennen ihrer Verwandtschaft mit den Geten entrissen hat und das plötzliche verschwinden beider, der Sarmaten wie der Geten, bliebe gleich unerklärlich. Den Übergang der Buchstaben -srb- in srm- rechtfertigen eine Menge ähnlicher[3], und das heutige Sirmien (Srijem, Srem) in Serbien, lat. Sirmium zeugt dafür†[4]; Diodors Meldung vom Auszug der Sauromaten aus Medien über den Tanais um 633-605 vor Chr. (2, 43) behält ihren vollen Wert, ohne daß vonnöten wäre weder alle Sarmaten daher zu leiten, noch der slavischen Sprache einen näheren Bezug auf Medische zu geben, als er schon aus der Urverwandtschaft mit medischen und persischen Völkern folgt. Die frühe Rührigkeit der Slaven bewährt hier Diodor so willkommen, als die der Deutschen Herodots Nachricht von den Geten. Sarmatische Wildheit angeblicher Sittigung und milde der Slaven entgegenzusetzen scheint mir unratsam, da noch die jüngeren Slaven an kriegerischem, rohem Sinn den Germanen nirgend nachstehn.[5] ógot, nach Procop 173 de bell. goth. 3, 14 alter Gesamtname aller Slaven, und von ihm σποράδην διεσκηνημένοι ausgelegt, soll versetztes Serpi Srbi sein; wer das zend. -sp- für -sv- erwägt (apsa f. skr. ašva, spenta f. sl. svent), könnte andere Deutungen vorschlagen.

◀Ihren gesamtnamen der Slaven hatten diese völker damals so wenig empfangen, als die Germanen den der Deutschen; unsern vorfahren aber hieszen sie Winden, Wenden (ahd. Winidâ, ags. Veonodas) und unter dieser benennung Veneti wurden sie auch den Römern auf einzelnen puncten bekannt, gerade wie die Römer die Finnen mit einem unter dem volk selbst ungewöhnlichen deutschen namen kennen lernten. Dies alles dargelegt hat Schafarik, der dem namen Winden für sein volk wolbefugt einen andern einheimischen an hohem alter gleich stellt, den schon bei Plinius 6, 7 unter den maeotischen völkern erwähnten namen Serbi, bei Ptolemaeus Sirbi, wie er noch heute für zwei entlegne slavische stämme, Sorben und Serben, fortbesteht*. nur darin scheint mir der gründliche Forscher fehl zu treten, dasz er jetzt die früher von ihm selbst erkannte identität der Serben und Sarmaten leugnet und für den ausdruck Srb die vage wurzel su (generare) aus 172 dem sanskrit herholt, welche mutter eines jeden mit diesen buchstaben anlautenden worts werden könnte. nichts aber ist natürlicher, als dasz unmittelbar im rücken der Germanen hausende Sarmaten, bei Älfred Sermende**, den Griechen Sauromaten genannt, die grundlage des slavischen volks bilden; durch ihre wegnahme würde den Slaven ein anhalt in der älteren geschichte entzogen, wie man ihn den Deutschen durch das verkennen ihrer verwandtschaft mit den Geten entrissen hat und das plötzliche verschwinden beider, der Sarmaten wie der Geten, bliebe gleich unerklärlich. den übergang der buchstaben SRB in SRM rechtfertigen eine menge ähnlicher***, und das heutige Sirmien (Srijem, Srem) in Serbien, lat. Sirmium zeugt dafür†; Diodors meldung vom auszug der Sauromaten aus Medien über den Tanais um 633-605 vor Chr. (2, 43) behält ihren vollen werth, ohne dasz vonnöthen wäre weder alle Sarmaten daher zu leiten, noch der slavischen sprache einen näheren bezug auf medische zu geben, als er schon aus der urverwandtschaft mit medischen und persischen völkern folgt. die frühe rührigkeit der Slaven bewährt hier Diodor so willkommen, als die der Deutschen Herodots nachricht von den Geten. sarmatische wildheit angeblicher sittigung und milde der Slaven entgegenzusetzen scheint mir unrathsam, da noch die jüngeren Slaven an kriegerischem, rohem sinn den Germanen nirgend nachstehn.* ógot, nach Procop 173 de bell. goth. 3, 14 alter gesamtname aller Slaven, und von ihm σποράδην διεσκηνημένοι ausgelegt, soll versetztes Serpi Srbi sein; wer das zend. SP für SV erwägt (apsa f. skr. ašva, spenta f. sl. svent), könnte andere deutungen vorschlagen.▷

  1. ↑ Darf man statt der bei Strabo 290 neben Butonen und Mugilonen genannten Σιβινοι mutmaßen Σιρβινοι? Deuten sich Mugilonen aus sl. mogila, Hügel?
  2. ↑ Wie Dalemense, Daleminzi Dalmatae.
  3. ↑ bair. alm für alb; lapp. zhialbme, tjalmi oculus, finn. silmä. wahrscheinlich skr. sarpa, sl. tscherv, lat. serpens mit vermis für cvermis, goth. vaurms f. hvaurms, skr. krimi verwandt.
  4. ↑ noch die altböhm. mater verborum übersetzt Sarmatae durch zirbi (= sirbi.) Sträubt man sich aber wider die Gleichstellung von Serben und Sarmaten, so wird eine andere nahliegende Deutung des letzten Namens noch weniger gefallen. Den Litthauern ist sarmata dedecus, was dem böhm. sramota, poln. sromata genau entspricht, altsl. ist sramiti έντρrέπɛιν pudore afficere, und mit sram hängt unser ahd. harm, ags. hearm genau zusammen. Die litthauischen Nachbarn könnten nun in sehr früher Zeit den Slaven diesen Namen aufgehängt haben.
  5. ↑ Man würde die Slavizität der Sarmaten auch wider Willen nachgeben müssen, wenn sich ein in Lucians Toxaris 40 bewahrtes sarmatisches Wort als slavisch rechtfertigen ließe. Nehmlich ein Skythe, der den Sauromaten in die Hände fällt, ruft alsbald zirin aus (έβόα τὸν ζίριν), welches etwa unserm Gnade oder Schonung (pardon) entsprechen mag; auf solchen Ruf töten die Sauromaten den wehrlosen Feind nicht, sondern gestatten Auslösung: diese nannte Man (μετὰ) ζίριν ἢκειν, mit dem Gnaderuf gekommen sein. könnte Sigis zu zrjeti, böhm. zřjti und zjrati gehören, was videre bedeutet, aber gleich unserm schauen und warten in cavere und tueri übergeht? ziris wäre Schutz, Gnade, wie die Böhmen sagen: oči w chudeho zřie, oculi in pauperem respiciunt, ps. 10, 4, d. h. mitleidig, erbarmend.