GDSG/Zeitalter und Sprachen/014
▷Ehmals hat man gestrebt, wie alle alte Geschichte auf die Überlieferungen der heiligen Schrift zu beziehen, so der neueren Sprachen Ursprung in der Hebräischen zu erspüren; seitdem die Kenntnis des Sanskrits geöffnet wurde, ist volle Einsicht aufgegangen, daß zu ihm und dem Zend unsere europäischen Zungen in engem Band stehn, von den Semitischen weiter abliegen. Viel härter hält es Eindrücke zu verwinden, die wir von jugend auf empfangen haben. Es ist wahr, die gesamte europäische Bildung gründet sich, seit dem Christentum, auf die unsterblichen Werke der Griechen und Römer; aber weit über die ihrem Einflusß gebührende Gerechtigkeit hinaus hat man sich allzulange gewöhnt den Masßtab griechischer und lateinischer Sprachen an alle übrigen zu legen, beinahe jede germanische slavische keltische Eigenthümlichkeit zu verkennen und als bloße Trübung jener lauteren Quelle anzusehn. wie wenig, für sich erwogen und den Gehalt ihrer Denkmäler redlichst angeschlagen, unsere Sprachen jene mit vollem recht classisch genannten erreichen; so hat in der Geschichte alles, auch das geringere sein Recht und seinen Reiz, und erst eine ernsthafte Bekanntschaft mit den einheimischen angeblich neueren, an sich aber gleich alten, der lateinischen oder griechischen bloß verschwisterten Sprachen und mit der frischen, unbillig verachteten Roheit ihres Altertums unsern Forschungen, wenn sie von allen seiten her gedeihen sollen, die rechte Freiheit verliehen. da die Sprache mit dem Glauben, dem Recht und der Sitte jedes Volks von Natur eng zusammenhängt, so werden dem, der seinen fleisz diesen zuwendet, über die Sprache selbst unerwartete Aufschlüsse daher entspringen.
◀Ehmals hat man gestrebt, wie alle alte geschichte auf die überlieferungen der heiligen schrift zu beziehen, so der neueren sprachen ursprung in der hebräischen zu erspüren; seitdem die kenntnis des sanskrits geöfnet wurde, ist volle einsicht aufgegangen, dasz zu ihm und dem zend unsere europäischen zungen in engem band stehn, von den semitischen weiter abliegen. Viel härter hält es eindrücke zu verwinden, die wir von jugend auf empfangen haben. es ist wahr, die gesamte europäische bildung gründet sich, seit dem Christenthum, auf die unsterblichen werke der Griechen und Römer; aber weit über die ihrem einflusz gebührende gerechtigkeit hinaus hat man sich allzulange gewöhnt den maszstab griechischer und lateinischer sprachen an alle übrigen zu legen, beinahe jede germanische slavische keltische eigenthümlichkeit zu verkennen und als blosze trübung jener lauteren quelle anzusehn. wie wenig, für sich erwogen und den gehalt ihrer denkmäler redlichst angeschlagen, unsere sprachen jene mit vollem recht classisch genannten erreichen; so hat in der geschichte alles, auch das geringere sein recht und seinen reiz, und erst eine ernsthafte bekanntschaft mit den einheimischen angeblich neueren, an sich aber gleich alten, der lateinischen oder griechischen blosz verschwisterten sprachen und mit der frischen, unbillig verachteten roheit ihres alterthums unsern forschungen, wenn sie von allen seiten her gedeihen sollen, die rechte freiheit verliehen. da die sprache mit dem glauben, dem recht und der sitte jedes volks von natur eng zusammenhängt, so werden dem, der seinen fleisz diesen zuwendet, über die sprache selbst unerwartete aufschlüsse daher entspringen.▷