GDSG/Zeitalter und Sprachen/16
▷Hiernach kann nun alle Gemeinschaft zwischen Sprachen teils auf jenem zufälligen äußeren Anstoß beruhen, der hier und dort einzelnes aus der Fremde borgen ließ, theils auf einer langsam fortwirkenden wesentlichen Urverwandtschaft, die vorhanden gewesen sein muß, als die Sprachen von einander sich abtrennend jede ihren eigentümlichen Weg einschlugen, auf dem sie sich mehr oder minder entfremdeten. Als deutlichstes Zeichen solcher Urgemeinschaft werden einstimmige persönliche Pronomina, Zahlwörter und das Substantiv anerkannt; sie wird zumal in jenen lebendigen Wurzeln, von welchen das innere Gewebe der Sprache abhängt, vorbrechen, aber auch in einer großen Zahl von abgestorbnen aufzusuchen sein, deren wahrer Keim gerade in der andern Sprache haften kann. Bei Sprachvergleichungen überhaupt glaube ich den Grundsatz aufstellen zu dürfen, daß zwischen den Wörtern verschiedner Völker zwar Gleichheit der Buchstaben wie der Begriffe obwalten, dennoch für jedes Volk eigenthümliche Beziehung auf ihm vertraute Wurzeln, Formen und Vorstellungen eintreten könne. Notwendigkeit und Freiheit sind auch in den Sprachen ewiges Gesetz.
◀Hiernach kann nun alle gemeinschaft zwischen sprachen theils auf jenem zufälligen äuszeren anstosz beruhen, der hier und dort einzelnes aus der fremde borgen liesz, theils auf einer langsam fortwirkenden wesentlichen urverwandtschaft, die vorhanden gewesen sein musz, als die sprachen von einander sich abtrennend jede ihren eigenthümlichen weg einschlugen, auf dem sie sich mehr oder minder entfremdeten. als deutlichstes zeichen solcher urgemeinschaft werden einstimmige persönliche pronomina, zahlwörter und das verbum substantivum anerkannt; sie wird zumal in jenen lebendigen wurzeln, von welchen das innere gewebe der sprache abhängt, vorbrechen, aber auch in einer groszen zahl von abgestorbnen aufzusuchen sein, deren wahrer keim gerade in der andern sprache haften kann. Bei sprachvergleichungen überhaupt glaube ich den grundsatz aufstellen zu dürfen, dasz zwischen den wörtern verschiedner völker zwar gleichheit der buchstaben wie der begriffe obwalten, dennoch für jedes volk eigenthümliche beziehung auf ihm vertraute wurzeln, formen und vorstellungen eintreten könne. nothwendigkeit und freiheit sind auch in den sprachen ewiges gesetz.▷