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GULR/Einleitung/9

aus AufEinWort, der freien Forschung

▷Allein nicht erst seit Pytheas, dem Seefahrer von Massilia, welcher ( Plin. hist. nat. 37, 2 ) etwa 320 vor Christo an der Ostsee Guttonen und Teutonen findet, wohnen germamische Stämme in Deutschland, sondern lange Jahrhunderte vorher, wie auch Ottfried Müller in seinem geistreichen und gelehrten Werke über die Etrusker zeigt, dass schon zu Homers Zeiten der Bernsteinhandel nicht zu Schiffe, sondern zu Lande durch germanische Stämme geführt worden sei. Da indess die Deutschen die Schreibekunst nicht kannten, so ist ihre frühere Geschichte verloren, wie die aller Völker, welche sie entbehren. Völker aber, deren Geschichte man nicht kennt, denkt man sich gar nicht da, und so konnte man es auch nicht für möglich halten, dass schon in einer so sehr frühen Zeit Germanen nach Europa gekommen sein sollten. Gewiss aber befanden die Germanen sich schon lange in Europa und Deutschland, und nicht ohne mancherlei Gewerbe, Künste und Einrichtungen, welche auch ohne Schreibekunst bestehen können, wie die älteste Geschichte der orientalischen Reiche, Ägyptens, Peru's und Mexico's zeiget. Kobe Horden ohne Zucht und Ordnung hätten die krieggeübten an allen Orten siegreichen römischen Legionen nicht vernichten können. Die Kymbern – (Kämpfer, ein deutsches Kriegsheer – Plutarch wusste, dass das Wort eine Bedeutung habe, er sagt, es heisse λῃσταί Räuber. Marius XI.) hatten fliegende Haarbüsche, eiserne Helme, weisse Schilde, jeder Reiter doppelte Wurfspiesse und ein schweres grosses Schwerdt, die Weiber schwarze Mäntel. Alles dies setzt mancherlei Gewerbe, Bergbau, Bearbeitung der Metalle, Webereien und Färbereien voraus. Wie lange mussten nicht die Deutschen in Norden, wo der Mensch sich langsamer entwickelt, getrennt von den Mittheilungen der in südlichen Ländern gemachten Erfindungen, wohnen, um dergleichen Einrichtungen machen zu können, und wie unrecht verfährt man, wenn man den einseitigen Nachrichten der Römer glaubt, welche, um ihre Niederlagen zu beschönigen, das Land, das sie nicht behaupten, als rauh und unbebauet, das Volk, das sie nicht unterjochen können, als wild und ungezügelt darstellen, wie der Fuchs die zu hoch hängenden Trauben sauer nennt, Durch solche einseitige Berichte verleitet, wagte man daher nicht, an ein sehr hohes Alter der Germanen zu denken. Allein dass der Norden mehrere Jahrhunderte vor unserer Zeitrechnung nicht so rauh und unbebaut war, und die Deutschen nicht ein blosses Jäger- oder Nomadenvolk gewesen sein können, ist aus mehrern Erscheinungen klar. Ohne Ackerbau, der wieder mehrere Gewerbe voraussetzt, hätten zahlreiche Völker, deren Dasein ihr zum Theil siegreicher Einbruch in Gallien und Italien bekundet, unter einem nördlichen Himmel sich nicht nähren, und in strengen Wintern nicht sich und ihr Vieh erhalten können. Der um die deutsche Sprache hoch verdiente Adelungirrt daher gewiss sehr, wenn er meint, die Deutsehen hätten nur von der Jagd gelebt. Selbst Cäsar lässt die Sueven, die er sonst so roh schildert, Ackerbau treiben, von Milch und Käse, also von Viehzucht, sich ernähren und giebt ihnen hundert Gaue, deren jeder tausend Krieger stelle. Gewiss hatte daher auch Deutschland mehr Einwohner, als Adelung meint, der nur 1 Million ihm giebt, weil ein Jägervolk viel Boden zur Nahrung brauche. Allein auch nach Tacitus sind die Deutschen kein Jägervolk, wenn sie auch die Jagd lieben, sondern bauen Acker, und verfertigen aus Gerste und Getreide ein weinähnliches Getränk, unser Bier, was auch wieder manche Künste und eigene Erfindungsgabe voraussetzt, da sie das Brauen von den weintrinkenden Römern gewiss nicht gelernt haben[1]. Auch haben, sle Landobst agrestia pōma – and kaufen Wein. Aber wofür? und kennen Spiele. – Dass Ptolemaeus wenig Städte in Deutschland anführt, kann die schwache Bevölkerung nicht beweisen, da die Alten, wie heut die Norweger, mehr in einzelnen Weilern wolnten.

  1. ↑ * ) So sagt auch Leibnitz in s. Celticis. Cwrw. Cwrwf cerevisia, quibusdam apud Plinium Ceria. "Cercrisiam a vi Cereris derivare hominum est mescientium, Latina plurima a Celtico esse petenda, et maxime in rebus, quae erant apud Celtas. Putanus non inepte Ceriam derivat a gären seu a fermentando."Cercrisia aus der Macht von Ceres abzuleiten, ist eine Frage der Menschen, denn das meiste Latein ist auf die Kelten zurückzuführen, und zwar besonders in Angelegenheiten, die bei den Kelten lagen. Putanus gewinnt Ceria nicht unklugerweise aus gären oder fermentando.