Zum Inhalt springen

Inbegriff

aus AufEinWort, der freien Forschung

in-Begriff

Inbegriff, m.[1]
  • das was innerhalb seiner etwas anderes begriffen, umschlossen hält, summa, complexio, comprehensio;
  • die umschlossene sache steht im genitiv oder mit der praep. von vermittelt.
  • das wort wird zuerst von Steinbach verzeichnet (seine hauptquelle Hederich hat es nicht):
    • inn begrieff, compendium,
    • ein inn begrieff aller tugent, conspectus omnium virtutum. 1, 641;
  • dann von Frisch 1, 373ᵃ mit wesentlich weiterer bedeutung:
    • inbegriff, area ambitu adstricta, locus in finibus suis contentus; item, quae in libro aliquo continentur;
  • in letzterer beziehung braucht Kant der inbegriff eines buches.
    • 8, 17, der sonst das wort im heute gewöhnlichen sinne öfters anwendet: der weite inbegriff einer vorzüglichen erkenntnis.
    • 8, 10; die sphäre der ausgebildeten natur ist nur ein kleiner theil desjenigen inbegriffs, der den samen zukünftiger welten in sich hat. 324; die dauerhaftigkeit, die bei den anstalten der schöpfung an den groszen gliedern ihres inbegriffs angetroffen wird.
    • 9, 3; bei andern: mit dem geliebten heimgehen ist der inbegriff aller seligkeit. Bettine briefe 2, 107;

ja selbst von einem grün- und bunten garten ..

scheint er (der schweif des pfauen) der inbegriff und auszug recht zu sein.

Brockes 4, 165;

als glied des deutschen reichs, des inbegriffs von reichen,

das hohe bürger hat.

J. E. Schlegel 4, 12;

drangvoller wünsche holden inbegriff,

erfüllung hoffend, heiter zu gestehn.

Göthe 9, 251;

wenn ich den inbegriff von meinen sorgen

dir auch eröffne.

273;

du (phiole) inbegriff der holden schlummersäfte,

du auszug aller tödtlich feinen kräfte.

12, 42;

musz ich an diesem hingestreckten leibe

den inbegriff von allen himmeln sehn?

124;

von personen: Julius, inbegriff aller vollkommenheiten! Leisewitz Jul. v. Tarent 2, 6; soll ich Mariannen verlieren! die letzte meiner hoffnungen, den inbegriff meiner sorgen? Göthe 7, 139; ihr werdet in ihm den inbegriff aller gaben finden, die ein kavalier nur wünschen kann zu sehn. Shakesp. Haml. 5, 2.
Substantiv, m (Deutsch)
Worttrennung: In·be·griff, Plural: In·be·grif·fe
Aussprache: IPA: [ˈɪnbəˌɡʁɪf]
Singular Plural
Nominativ der Inbegriff die Inbegriffe
Genitiv des Inbegriffs
des Inbegriffes
der Inbegriffe
Dativ dem Inbegriff
dem Inbegriffe
den Inbegriffen
Akkusativ den Inbegriff die Inbegriffe

Bedeutungen:

[1] Assoziation, typischer Vertreter einer Gruppe
[2] Philosophie: Verallgemeinerung, das reinste Wesen von etwas

Herkunft:

Das Wort ist seit dem 18. Jahrhundert belegt.[1] Folgt man dem Grimmschen Wörterbuch, handelt es sich um eine Zusammenrückung von inn begrieff „umschlossene Sache, Kompendium“.[2]

Synonyme:

[1] Ausbund, Inkarnation, Kernpunkt, Verkörperung, Prototyp, Quintessenz

Beispiele:

[1] Die Stadt Bordeaux gilt als ein Inbegriff der französischen Weinkultur.
[1] [Das deutsche Bildungssystem] „ist der Inbegriff organisierter Verantwortungslosigkeit.“[3]
[1] „Der Gedank daran, wie nah er in diesem Augenblick dem Inbegriff aller Machtvollkommenheit war, hatte für Boris etwas Erregendes.“[4]
[1] „In den Augen der Hindus wurde Mahmud zum Inbegriff des muslimischen Eroberers, der im Namen seiner Religion hinduistische Heiligtümer zerstörte und brandschatzend durch die Lande zog.“[5]
[2] Die Materie ist nach Spinoza der Inbegriff der ausgedehnten Dinge.
  1. ↑ Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 10 (1876), Bd. IV,II (1877), Sp. 2103, Z. 79.