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KÜZKDWH/38

aus AufEinWort, der freien Forschung

▶Die zur Korrespondenz mit der Realität tendierende Sprachkritik vollzieht sich nach Habermas in einer schrittweisen Selbstreflexion des erkennenden bzw. handelnden Subjektes. Auf (a) den Eintritt in Diskurse durch ein Problematisieren von Behauptungen oder Geboten/Verboten folgt (b) eine theoretische Erklärung (theoretischer Diskurs) bzw. theoretische Rechtfertiigung (praktischer Diskurs) des Problematisierten, (c) ein Abwägen der Angemessenheit alternativer Sprachsysteme (metatheoretischer bzw. metaethischer Diskurs) sowie (d) eine Erkenntniskritik bzw. erkenntnispolitische Willenssbildung (252-254). Diese vier Stufen des theoretischen/praktischen Diskurses sollen durch eine Kommunikationsform möglich werden, die sowohl von äußeeren kontingenten Einwirkungen als auch von systematischen Verzerrungen frei ist. Der Diskurs, so das dritte Grundelement, mit dem sich Habermas von Peirce sowie von Kamlah und Lorenzen absetzt[1], ist an eine herrschaftsfreie, die sogenannte ideale Sprechsituation gebunden. Durch vier Momente einer symmetrischen Verteilung der Chancen, Sprechakte zu wählen und auszufühhren, durch Chancensymmetrie in Bezug auf die Verwendung kommunikativer, konstativer, repräsentativer und regulativer Sprechakte (255 f.), soll die zur Sprachkritik und Selbstreflexion erforderliche Freizügigkeit zwischen den Disskursebenen gewährleistet werden. Zugleich gilt die ideale Sprechsituation als zureichendes Kriterium der Unterscheidung eines wahren Konsenses von einem falschen Konsens.

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Einzelnachweise

  1. ↑ Dort, wo Peirce von der potentiellen Zustimmung einer unbegrenzten Forsdiergemeinschaft, dem konditionalen Idealismus spricht (vgl. Schriften, a. a. O. 1220, 349, 362 ff., II 492) und Kamlah und Lorenzen eine kritische Nachprüfung durch kompetente Beurteiler fordern (Logische Propädeutik, a. a. O. 117 ff.), führt Habermas den Begriff der idealen Sprechsituation ein. – Peirces Position enthält allerdings eine Zweideutigkeit. Das, was in die Zeit schematisiert erscheint („in the long run“), die Überprüfung von 'Wahrheitsansprüchen, erhält durch die Qualifikationen „potentielle Zustimmung“ und „unbegrenzt“ den methodischen Status eines Totalitätsbegriff; es wird also zum einen Ziel, das empirisch grundsätzlich nicht voll realisierbar ist. Dann aber wird die Wahrheit bei ihm, recht verstanden, zu einer im Sinne Kants regulativen Idee.