KÜZKDWH/40
▶Auf der einen Seite fehlt eine Legitimation der Bedingungen der idealen Sprechsituation. Durch die Annahme einer idealen Sprechsituation werden Fundamentalnormen als selbstverständlich angesetzt, obwohl der Diskurs doch jene Instanz sein soll, durch die die Normen allererst zu rechtfertigen sind. Die impliziten Verpflichtungen, das Leben der Diskursteilnehmer zu schützen, sie nicht bewußt zu täuschen, vielmehr wahrhaftig zu sein, sowie die weiter gehenden Verpflichtungen, die im Begriff der idealen Sprechsituation eo ipso mitgesetzt sind, bilden in dem Sinn keinen möglichen Gegenstand des Disskurses, daß sie immer schon dessen Voraussetzung sind. Es ist die Aporie jedes nicht-reflexiven Begründungsversuches, daß in die Methode der Legitiimation normative Voraussetzungen eingehen, die doch erst ausgewiesen werrden sollen. Um einen Diskurs über den Diskurs und damit einen infinitiven Regreß zu vermeiden, müßte man auf transzendental-reflexive Methoden zurückgreifen und etwa in einer transzendentalen Hermeneutik die Fundamentalnormen legitimieren, indem man sie reflexiv als das expliziert, was wir in Kommunikations- und Interaktionsprozessen immer schon voraussetzen bzw. tun. Habermas indessen scheint weder den Regreß noch die methodische Auffhebung des Regresses, die transzendentale Argumentation, zu wollen[1].
Einzelnachweise
- ↑ Habermas legt eine Scheu gegenüber der transzendentalen Methode zu Tage, obwohl er ihr an anderer Stelle de facto nahekommt: Legitimationsprobleme, a. a. O. 151 f. und Anm. 160.