KÜZKDWH/6
▶Habermas beginnt seinen Aufsatz mit der Vorfrage: ,Wovon dürfen wir sagen, es sei wahr oder falsch, von Sätzen, Äußerungen oder Aussagen?“ (211) Bevor diese Frage entschieden wird, schon durch die begrenzte Auswahl des Alternativenspektrums wird der allgemeine, noch mehrdeutige und unscharfe Ausdruck ,Wahrheit' von vornherein auf eine bestimmte Bedeutung, die Aussagenwahrheit, festgelegt. Dieser jede umständliche Einleitungsbemerkung vermeidende Anfang folgt zwei methodisch sinnvollen hermeneutischen Maximen. Er setzt bei dem geläufigsten Verständnis von Wahrheit, der Aussagenwahrheit (Urteilswahrheit, objektiven Wahrheit), an und stellt mit der Konkurrenzsituation die eigenen Überlegungen in den Zusammenhang einer kritischen Diskussion anderer philosophischer Positionen. Allerdings wird diese Diskussion stark verkürzt; denn ebenso wie in der analytischen Sprachphilosophie, dem logischen Positivismus und der Philosophie der normalen Sprache, steht die Aussage- oder Darstellungsfunktion der Sprache im Mittelpunkt, während ihre Bedeutung für die Existenzerschließung vernachlässigt ist.
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