Vorrede zu der anderen Auflage
Ich habe in diesem Buche die wichtigsten Wahrheiten in einer beständigen Verknüpffung mit einander vorgetragen, und sowohl in der Moral, als Politick überflüssig gewiesen, was dadurch für ein Licht in allen übrigen Disciplinen angezündet worden, und wie endlich die Gewißheit aller Erkäntniß auf diesem Grunde beruhet. Es haben die Welt-Weisen zu allen Zeiten starcken Widerspruch gefunden, wenn sie neue Wahrheiten vorgebracht und von dem gemeinen Vortrage abgegangen, und damit die Widersprecher desto eher bey Unverständigen Beyfall finden möchten, haben sie ihre Lehren für gefährlich ausgegeben und die Alberen überreden wollen, als wenn ein heimliches Gifft darinnen verborgen wäre. Als man zu Athen anfing zu zeigen, daß der Mond von der Sonnen erleuchtet und durch den Schatten der Erde verfinstert würde, ward es für eine der Religionen nachtheilige Lehre ausgegeben. Protagoras ward deswegen aus dem Lande gejaget und Anaxagoras in das Gefängniß geworffen. Ja, es hat auch niemahls an boßhafftigen Leuten gefehlet, welche die Welt-Weisen angegeben. als wenn sie mit einem heimlichen Giffte verderblichen Schaden anrichteten. So klagte vor Zeiten Cleanthes den Aristachum an, als wenn er der Religion zu nahe träte, weil er vorgab, daß sich die Erde innerhalb vier und zwantzig Stunden um ihre Axe, und innerhalb einem Jahr um die Sonne bewege, ob er gleich nicht mit dem allergeringstem Grunde, der sich den Verständigen hätte hören lassen, bescheinigen konte, daß dadurch der Göttin Vestæ in ihrer Ehre zu nahe getreten würde. Es ist nicht nöthig in einer bekanten Sache mehrere Exempel anzuführen. Ich aber habe am allerwenigsten dieses zu thun Ursache, indem dieses mein Buch, wie die übrigen Schriften, welche ich heraus gegeben, das Glück gehabt, daß es durchgehend wohl aufgenommen worden, und bey den Beständigsten unter den Gelehrten Beyfall gefunden. Ja, mir ist nicht unwissend. daß die vornehmsten Gottesgelehrten in allen drey Religionen des heilgen Römischen Reiches erkant, es trage dieses Buch zu gründlicher Erkäntniß der Gottesgelehrtheit nicht wenig bey, und setze einen in den Stand wider alle Einwürffe derer, die sich für andern am Verstande starck zu seyn dücken, zu vertheidigen. Es ist mir auch zur Gnüge kund worden, daß vornehme Gottesgelehrte meine Moral denen Predigern mit Nachdruck recommendiret, und denen, die sie zum Predigt-Amte vorbereitet, Anweisung gegeben, wie sie sich derselben mit Nutzen bedienen können. Gleich wie ich mich aber darüber freue, daß die Wahrheit in die Gemüther der Verständigen so halb eingedrungen und zum gemeinen Nutzen angewendet wird; so wird mir auch dieses zur Aufmunterung dienen in Untersuchung derselben mit unermüdeten Fleisse noch ferner fortzufahren, und denen, welche Wahrheiten gründlich einzusehen Belieben tragen, mit nützlichem Unterrichte an die Hand zu geben. Und eben dies hat mich bewogen zu dieser andern Auflage ohne Verzug zu schreiten, da die erste nicht zureichen wollen, die häuffigen Liebhaber zu vergnügen, damit niemand, der nach einer gründlichen Erkäntniß strebet, in einem so löblichen Vorhaben aufgehalten werde. Es ist wohl an dem, daß ich bey weitem nicht alles, was ich von metaphysischen Wahrheiten erkant und aus denen erkanten noch ferner herausbringen könte, in dieses Buch gebracht, und daher diese andere Auflage gar viel vermehrter herauszugeben mir ein gar leichtes gewesen wäre: allein ich habe verschiedene Ursachen gehabt, welche mich davon abgehalten. Anfangs ist zu wissen, daß ich dieses Buch nebst denen übrigen, wodurch die Welt-Weisheit erläutert wird, hauptsächlich zu dem Ende geschrieben, damit meine Zuhörer von dem vielen Nachschreiben befreyet würden, zumahl da ich gesehen, wie sie öffters meine Meinung in der Eile nicht recht gefasset, indem sie auf den Vortrag und das Schreiben zugleich acht haben und solchergestalt ihre Aufmercksamkeit zertheilen sollen, die doch bey dem Vortrage gantz allein verbleiben muß, woferne man mit Nutzen zuhören will. Ich habe abder schon in die erste Auflage fast mehr hineingebracht, als in der zu dieser Arbeit bestimmten Zeit ich füglich erklären und zu besseren Verstande erläutern lässet. Wolte ich nun noch mehrere Wahrheiten in diese neue Auflage hinein gesetzet haben; so wäre das Buch dazu unbrauchbar worden, wozu ich es geschrieben. Es ist aber um desto weniger nöthig, daß dasselbe erweitert wird, weil ich fest entschlossen bin alle Theile der Welt-Weisheit in lateinischer Sprache viel ausführlicher herauszugeben, insonderheit da ich in diesem Vorhaben noch immer täglich gestärcket werde, weil Ausländer, welche der deutschen Sprache nicht kündig sind, und an meinen Lehren und deren Vortrage Gerfallen haben, mich vergleichen zu thun ermanen, auch, wie bald solches geschehen möchte, zu wissen begehren. Am allermeisten aber lässet sich deswegen nichts mehreres hinzu setzen, weil alle übrigen Theile der Welt-Weisheit in den Lehren dieses Buchs gegründet sind. Man sehe die Moral, man sehe die Politick, ja, man sehe selbst diejenigen Versuche an, wodurch ich zu genauer Erkäntniß der Natur und Kunst den Weg bähne; so wird man finden, daß ich mich überall auf die Metaphysick beruffe, und diejenigen §§. anführe, worinnen die Gründe dessen, was erwiesen wird, zu finden. In der Metaphysikck selbst werden jederzeit die Gründe des Beweises im folgenden aus dem vorhergehenden angenommen. Wenn ich nun nur einen einigen §. eingeschoben hätte; so wäre dadurch die Ordnung aller übrigen geändert worden, und hätte man diese neue Auflage nicht bey den übrigen Theilen der Welt-Weisheit gebrauchen können, wo die §§. nach der ersten Auflage citiret worden. Ja, da noch nicht alle Theile heraus sind, hätte ich in denen, die noch kommen sollen, weder die erste noch die andere Auflage anführen können. Denn entweder diejenigen, welche die erste besitzen, hätten sich nicht in die Citationes finden können, oder die anderen, welche sich mit der neuen versehen, wären damit nicht auskommen. Ich habe demnach keinen Articul im gantzen Buche geändert, sondern einen jeden gelassen, wie er vorhin gewesen. Nur habe ich hin un wieder eines und das andere hinzugesetzet, welches zu mehrerer Erläuterung dienen kan, damit diejenigen, die für sich diese Lehren einzusehen ihnen angelegen seyn lassen, sich desto besser zurechte finden. Absonderlich aber, da aus Nachläßigkeit des Buchdruckers in der ersten Auflage ein nicht geringer Theil der §§. gantz unrichtig angeführet, auch die Zahlen im Register öffters falsch gesetzet worden: hingegen in vergleichen Schrifften, da das folgende aus dem vorhergehenden hergeleitet wird, es nicht ein geringes Versehen ist, wenn das vorhergende unrichtig angeführet wird; so habe ich in dieser andern (und auch nun in der dritten) Auflage alle §§. die in folgenden citiret worden, mit Fleiß nachgeschlagen, und, wo ich die Zahlen falsch gefunden, dieselben verbessert. Ich zwiffele nicht, es werde dieses zu nicht geringer Erleichterung denenjenigen dienen, welche für sich dieses Buch mit Überlegung durchgehen werden. Nachdem ich es herausgegeben, hat man die vorherbestimmte Harmonie, wodurch der Herr von Leibnitz die Gemeinschafft zwischen Seele und Leib auf eine verständliche Art zu erklären vermeinet, besser als aus demjenigen einsehen lernen, was er selbst hiervon bey seinem Leben in den Druck gegeben. Man bildet sich aber ein, als wenn alles, was in dem fünfften Kapitel von den Eigenschafften und Würckungen der Seele aus ihrer Natur und ihrem Wesen hergeleitet wird, nichts anders als eine Erklärung der vorherbestimmeten Harmonie zwischen Seele und Leib wäre. Nun könte mir zwar gleichviel gelten, wovor es angsehen würde, wenn es weiter nichts zu sagen hätte, als daß man einem andern zueignete, was mir gehöret: allein, da einige die vorherbestimme Harmonie nicht annehmen, weil sie sie nicht verdauen können; so lassen sie zugleich andere Wahrheiten fahren, die sie beybehalten könten, se mögen von der Gemeinschafft des Leibes und der Seele mit einander für eine Meinung annehmen, was sie für eine wollen. Ich finde demnach nöthig von denen in angezogenem Orte abgehandelten Materien eine gründlichere Nachricht zu ertheilen, als die Gedancken derer sind, welche sie nicht genau genung einsehen. Alle diejenigen, die sich um die Erkäntniß der Dinge bemühet und nach der Welt-Weißheit gestrebet, haben entweder sich entschlossen, gar keine Lehren anzunehmen. sondern alles in Zweiffel zu lassen, damit sie nicht aus Übertheilung das falsche für das wahre ergriffen und im Irrthum verfielen, oder sie haben es endlich gewaget und Lehren eingeführet, darnach sie dasjenige, was ihnen im Leben vorkäme, erklären könten. Die ersten hat man Scepticos oder Zweiffeler; die anderen hingegen Dogmaticos oder Lehrreiche genennet. Weil die Zweiffeler nichts gewisses setzen, sondern alles unentschieden lassen; so ist einer so gut als der andere, und unter ihnen kein fernerer Unterscheid zu bestimmen. Hingegen die Lehrreichen theilen sich in verschiedene Secten ein. Denn entweder sie geben nur eine Art der Dinge vor, oder sie nehmen ihrer zweierley Arten an. Die ersten werden Monisten: die andern Dualisten genennet. Die Monisten sind abermahl von zweierley Gattung, entweder Idealisten oder Materialisten. Jene geben blosse Geister oder auch solche Dinge zu, welche nicht as Materie bestehen, und unter diejenigen gehören, die von uns einfache Dinge genennet werden, vergleichen die Leibnitzsche Einheiten sind; halten die Welt und die darinnen befindliche Körper für blosse Einbildungen der einfachen Dinge und sehen sie nicht anders als einen regulierten Traum an. Diese hingegen räumen keinem Dinge in der Welt-Weißheit als dem cörperlichen einen Platz ein und halten die Geister und Seelen bloß für eine cörperliche Krafft, nicht aber für ein besonderes bestehendes Wesen. Die Dualisten halten sowohl die Körper, als Geister für würckliche und von einander unterschiedene Dinge, deren eines ohne das andere seyn kan. Endlich die Idealisten geben entweder mehr als ein Wesen zu, oder halten sich für das einige würckliche Wesen. Jene werden Pluralisten; diese hingegen Egoisten genennet. Man siehet leicht, daß , da die Idealisten den cörperlichen Dingen keinen anderen Platz als in den Gedancken der Seele einräumen, sie derselben eine Krafft zueignen müssen, dadurch sie alle ihre Gedancken und Begierden ohne einigen äusseren Einfluß hervorbringet, und alles sich vorstellet, wie es in der Welt ergehet, ob gleich ihrer Meinung nach keine Welt würklich vorhanden. Man siehet nicht weniger, daß die Materialisten dem Leibe eine Kraft zueignen müssen, wodurch er alle Bewegungen hervorbringet, die man in ihm verspüret, ohne einigen Einfluß der Seele, vergleichen sie nirgends zu sehr erachten. Weil nun die Dualisten sowohl die Körper, als die Seele für würkliche Dinge halten; hingegen nicht erklären können, wie die Gedancken der Seele durch die Würckungen des Leibes, noch die Bewegungen des Leibes durch die Krafft der Seele sich hervorbringen lassen; so hat der Herr von Leibnitz wahrgenommen. es lasse sich die Sache begreiffen, wie Leib und Seele mit einander zusammenstimmen, wenn man beydes zusammen nimmet, was die Idealisten und Materialisten lehren. Gleichwie aber kein Idealist bisher dasjenige durchgegangen, was wir in der Seele antreffen und sich zu zeigen bemühet, wie es durch eine einige Krafft der Seele zum Vorschein kommen könne; wie kein Materialist ausgeführet, auf was für Art und Wise der Leib dergleichen Bewegungen hervorbringen könne, als zu vernünfftigen Reden und zu freyen Handlungen erfordert wird; so hat auch der Herr von Leibnitz dieses nirgends ausgeführet, sondern bloß auf Gründe gedacht, wodurch er zeigen möchte, daß ein Dualiste dasjenige zusammen nehmen müsse, was die Idealisten und Materialisten vermöge des Grundes ihrer Secte vorzugeben genöthiget werden. Weil nun mein Vorhaben ist die Natur der Seele zu untersuchen und auf eine verständliche und begreifliche Art zu erklären, wie ihre Veränderungen erfolgen; so habe ich auch untersuchen müssen, was für Wahrheiten die Idealisten und Materialisten haben, und nachdem ich dieses gefunden; so hat es sich gewiesen. es gehe an, was der Herr von Leibnitz angegeben, daß sich neh,lich die Meinungen der Idealisten und Materialisten von den Dualisten mit einander vereinbahren lassen. Und solchergestalt ist freylich die vorher bestimmte Harmonie des Herrn von Leibnitz in ein grösseres Licht gesetzet und vielen begreiflich geworden, die vorher sich gar keinen Begriff von ihr machen können, nachdem ich sowohl der Idealisten, als Materialisten Meinungen gründlich ausgeführet und deutlich erwiesen, wie viel in ihnen Wahrheit anzutreffen. Nachdem man durch meine Schrifft die vorher bestimmete Harmonie des Herrn Leibnitz besser verstehen lernen; so haben sich auch einige gewaget Einwürffe dagegen zu machen. Weil aber in meinem fünfften Kapitel nicht mein Haupt-Vorsatz ist dieselbe zu bestätigen, sondern ich nur fast unvermuthet darauf kommen bin; so habe mich auch dessen nicht anzunehmen. was man wieder den Herrn von Leibnitz vorbringet. Und wenn wuch jemand sie wider mich vorzubringen gemeinet gewesen, und nur aus besonderen Ursachen meinen Nahmen verschwiegen hätte; so finde ich doch auch in diesem Falle nichts dagegen zu erinnern vonnöthen, indem sie so beschaffen sind, daß sie demjenigen, der meine Lehren einsiehet, nicht einigen Zweiffel machen können. Vielmehr muß ein jeder gleich erkennen, daß alle dieselben Einwürffe nicht statt finden, so bald man recht verstehet, was ich behaupte, und zum Theil Schwierigkeiten sind, welche diejenigen drucken müssen, die sich für den natürlichen Einfluß der Seele in den Leib, und des Leibes in die Seele erklären, da nehmlich die Seele von dem Leibe zu ihren Gedancken determinieret werden muß, folgendes ohne den Leib durch ihr Vermögen nichts bewerckstelligen kan. Gewiß! so gemein als diese Meinung ist, so grossen und gefährlichen Schwierigkeiten ist sie unterworfen. Ich will zum Exempel nur eine anführen, die nicht für geringe zu achten. Es kan mit ihr die Unsterblichkeit der Seele keinesweges bestehen: welches so leichte zu erweisen ist, wenn man an deutliche Erkäntniß gewöhnet, daß ich es für überflüßig erachte einen Beweis hieher zu setzen, den ich auch noch um anderer Ursachen willen zurücke behalte. Eine Meinung, mit der die Unsterblichkeit der Seele nicht bestehen kan, ist allerdings höchst gefährlich, indem mit ihr das meiste von unserer Religion über den Hauffen fället. Es sind mehr vergleichen gemeine Vorurtheile, die man für Exangelia ansiehet, aber der Religion höchst nachtheilig befunden werden, wenn man sie in ihrer Deutlichkeit und Verknüpffung mit anderen Wahrheiten einsehen lernet. Da es aber meine Art nicht ist jemanden seine Meinungen zur Last zu legen; so werde auch damit nicht eher zum Vorschein kommen, als bis es nöthig ist, daß ich die Last von mir auf einen andern weltze. Ich habe schon in einem andern Orte erinnert, daß, unerachtet die metaphysischen Wahrheiten von einer gantz andern Beschaffenheit sind, als die mathematischen, so daß auch blosse Mathematici dazu nicht aufgeleget sind, sondern, wenn sie darüber kommen, gemeiniglich nur leeren Einbildungen nachgehen, man doch durch Exempel aus der Mathematick, sonderlich der Algebra, die metaphysischen begriffe nicht wenig erläutern könne. Unerachtet ich hier nicht wiederholen mag, daß ich schon anderswo gesaget; so finde ich doch nicht undienlich noch ein Exempel zu mehrerer Bestätigung dessen, was ich gesaget, bey zu bringen. Ich habe in diesem Buche gezeiget, daß die Arten der Dinge durch die Ähnlichkeit der einzelen, und die Geschlechter durch die Ähnlichkeit der Arten bestehen; die einzelnen Dinge aber daher entspringen, daß alles in ihnen auf eine gewisse Art determiniret ist. Dieses wird +ber die Massen deutlich durch die Formul von den Polygonal-Zahlen erläutert. Bey einer Polygonal-Zahl sind zwey Dinge, die sich auf verschiedene Art dterminiren lassen nehmölich die Seite und die Zahl der Winckel. Werden beyde von undeterminirter Grösse angenommen; so stellet die Formul dasjenige vor, worinnen alle Arten der Polygonal-Zahlen einander ähnlich sind, und erläutert daher den Begriff des Geschlechtes. Wird die Zahl der Winckel determiniret auf so vielerley Art als möglich ist, hingegen die Seite bleibet undeterminiret; so hat man die Arten der Polygonal-Zahlen. Endlich, wenn auch die Seite determiniret wird; so bleibet nichts mehr übrig, was sich ferner determiniren liesse, und daher bekommet ,am die eintzelnen Polygonal-Zahlen. Andere allgemeine Formeln können zu einem gleichen Muster dienen. Wenn man die verschiedenen Arten der Polygonal-Zahlen unter einander schreibet; so wird sichs zeigen, was für Ordnung unter ihnen ist und wie die Ordnung aus der Ähnlichkeit entspringet. Gleichwie aber die Mathematick zur Erläuterung der metaphysischen Wahrheiten ein vieles beyträget, wie ich künfftig in der lateinischen Auflage meiner Wercke von der Welt-Weisheit weitläuffig ausführen will; so dienet auch hinwiederum die Metaphysick alles dasjenige zu erweisen, was man in der Mathematick annimmet. Wer z. B. aus diesem Buche gelernet, was der Ort ist, der wird daraus erweisen können, warum man den Ort eines Sternes durch seine Länge und Breite in der Astronomie determiniret, oder auch durch die Declination und gerade Ascension. Unterdessen muß mich niemand für so einfälltig ansehen, als wenn ich verlangte, man solle in der Mathematick aus der ;etaphysick demonstriren, was man darinnen, sonderlich in Erklärungen annimmet und inder Metaphysick gegrümndet ist: denn das wäre nichts anders als ohne Roth Weitläuffigkeiten machen, indem dadurch die mathematischen Demonstrationen keine grössere Gewißheit erhalten, und die Mathematick mit der Metaphysick vermenget wird. Man handelte wider diejenigen Regel, welche ich in derm Tractate von den Kräfften des Verstandes von Zergöiederung der Begriffe c.I. §. 18. gegeben. Auch ist wohl zu mercken, daß viele Dinge in der Mathematick, sonderlich der Algebra, nicht unmittelbar auf der Metaphysick, sondern vielmehr auf andern Wissenschaften, die von ihr herkommen, oder noch nicht erfunden sind, beruhen. Dergleichen habe ich in gegenwärtigem Wercke nahmhaft gemacht. nehmlich die Zeichen-Kunst und Verbindungs-Kunst der Zeichen, ingleichen die Kunst die Vollkommenheit zu beurtheilen, und jetzt will ich noch eine hinzusetzen, die Kunst in die Zusammensetzung die größte Vollkommenheit zu bringen, aus deren Gründen man beurtheilen muß, welche Construction in der Geometrie und absonderlich in geometrischen Ausführungen der Gleichungen die beste sey, und wie man nach gewissen Regeln zu den besseren gelanget. Allein, der gegenwärtige Ort leidet es nicht ein mehreres hirvon zu gedencken. Es ist genug, daß ich gezeiget habe, man könne noch viel nützliches erfinden, wenn man seinen metaphysischen Verstand zeigen will. Halle den 24. Dec. 1721.