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WTH/Drei Vorfragen/4

aus AufEinWort, der freien Forschung

▶Die zweite Vorfrage, die ich klären möchte, ist durch die Redundanztheorie der Wahrheit aufgeworfen worden. Wenn es stimmt, daß in allen Sätzen der Form "p ist wahr" der Ausdruck "ist wahr" logisch überflüssig ist, dann bedarf es keiner Wahrheitstheorie. Austin hält mit Recht, wie ich meine, an der Differenz fest, die zwischen der Behauptung einer (wahren) Aussage und der metasprachlichen Feststellung besteht, daß der für diese Aussage behauptete Wahrheitsanspruch zu Recht erhoben wird. Diese zweite Behauptung enthält eine Aussage, die sich nicht auf eine Tatsache, sondern auf eine Aussage über eine Tatsache bezieht. Dennoch kann sich die Redundanztheorie auf eine richtige Beobachtung stützen: "daß ›p‹ wahr ist", fügt der Behauptungr ›p‹, nichts hinzu. Indem ich nämlich ›p‹ behaupte, erhebe ich für ›p‹ einen Wahrheitsanspruch: darin besteht jader pragmatische Sinn von Behauptungen. Der erwähnte und von der Redundanztheorie vernachlässigte Unterschied ergibt sich erst, wenn der naiv erhobene Geltungsanspruch von Behauptungen in Frage gestellt wird. Ein Geltungsansprurch, über dessen Berechtigung kontroverse Behauptungen aufgestellt werden, kann nur in metasprachlichen Feststellungen des Typs "p ist wahr/ist unwahr", thematisiert werden. Der Ausdruck "metasprachliche Feststellung" soll allerdings keine logische Folgebeziehung zwischen Behauptungen nahelegen, die verschiedenen Kommunikationsbereichen angehören. Eine deduktive Beziehung besteht zwischen dem Satz "›Die Behauptung, daß p‹ ist berechtigt" und dem Satz "›p‹ ist wahr". Zwischen Sätzen dieser Ebene und der geradehin gemachten Behauptung ›p‹ besteht hingegen keine deduktive Beziehung, sondern jene reflexive Beziehung, die stafthat, wenn ein Berechtigungsverhältnis explizit bestätigt wird. Der Geltungsanspruch, der in naiv vollzogenen Behauptungen implizit enthalten ist, wird in den metasprachlichen Feststellungen explizit ausgesprochen und entweder bestätigt oder verneint.[1]

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  1. ↑ F. P. Ramsey: Facts and Propositions. In: The Foundations of Mathematics. London u. New York 1951. Auszug abgedruckt in: Pitcher, a. a. O. (s. o. Anm. 4), S. 16 f. Vgl. auch G. Frege: Über Sinn und Bedeutung. In: Kleine Schriften. Göterscheinttingen.