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WTH/Zur Logik des Diskurses/14

aus AufEinWort, der freien Forschung

▶Wenn nun die Grundprädikate der Begründungssprachen solche im erläuterten Sinne kognitiven Schemata ausdrücken, bedeutet Induktion etwas ziemlich Triviales: nämlich die exemplarische Wiederholung genau des Typt von Erfahrung, an dem die in die Grundprädikate der Begründungssprache jeweils eingegangenen kognitiven Schemata zuvor ausgebildet worden sind. Wir dürfen uns durch kasuistische Evidenz der Wahrheit einer universellen Aussage induktiv dann und nur dann vergewissern, wenn das gewählte Sprach- und Begriffssystem Ergebnisse kognitiver Entwicklung aufnimmt; diese verbürgt nämlich das, was wir die "Angemessenheit" einer Begründungssprache an einen bestimmten, und in bestimmter Weise relevant gewordenen Gegenstandsbereich nennen wollen. Insofern übernimmt die kognitive Entwicklung indirekt auch eine Bürgschaft für die Geltung von Aussagen, die in den von ihr abhängigen Beschreibungssystemen möglich sind. Induktion verliert, wenn man sie so betrachtet, ihren geheimnisvollen Charakter; freilich werden dann auch die Grenzen der Leistungsfähigkeit des induktiven Verfahrens sichtbar. Die induktiv zur Bestätigung oder Widerlegung zugelassenen Daten sind durch das gewählte Sprachsystem unvermeidlicherweise so weit selegiert, daß "Erfahrung" keine schlechthin unabhängige Instanz der Überprüfung darstellen kann. Induktion verbürgt Kohärenz der in einem Argument jeweils auftretenden universellen Aussagen mit anderen universellen Aussagen, die innerhalb desselben Sprachsystems gemacht werden können; dieses Verfahren konfrontiert nicht einzelne Sätze, sondern ein Sprachsystem insgesamt mit der Realität. Das Verhältnis der Begründungssprache zur Realität ist durch einen vorgängigen Lern- und Entwicklungsprozeß schon einreguliert, d. h. durch eine kognitive Entwicklung, die, da sie die Grundprädikate des gewählten Sprachsystems bestimmt, jeder einzelnen in dieser Sprache möglichen Argumentation vorausliegt. Worauf, wenn nicht auf der Konfrontation einzelner Sätze mit interpretierten Erfahrungen, beruht dann aber die konsens-erzielende Kraft des Arguments?