WTH/Zur Logik des Diskurses/15
▶Die nächstliegende Antwort ist der Hinweis auf jene schon erwähnte "Angemessenheit" des Sprachsystems an seinen Gegenstandsbereich. C. F. von Weizsäcker hat eine kybernetische Theorie der Wahrheit angedeutet, die "Wahrheit" als dasjenige System-Umwelt-Verhältnis zu fassen versucht, das auf soziokultureller Entwicklungsstufe der Relation der Angepaßtheit von Organismen an ihre Umwelt entspricht. "Ein Tier kann sich richtig oder falsch verhalten … Wir sagen also etwa: ›Richtigkeit ist Angepaßtheit des Verhaltens an die Umstände‹ …. Das Verhalten ist in keiner Weise ein ›Abbild‹ der Umstände. Es paßt zu den Umständen nicht wie die Photographie zum Objekt, sondern wie der Schlüssel zum Schloß."[1] In Anknüpfung an dieses Konzept der "Verhaltenswahrheit" führt 'Weizsäcker einen Wahrheitsbegriff ein, der sich mit dem durch Piaget angeregten der "Angemessenheit" kognitiver Schemata trifft: auch diese "passen" zu einer Wirklichkeit, die sich in Bildungsprozessen als Wirklichkeit für uns konstituiert. Dürften wir Angemessenheit mit Wahrheit identifizieren, ließe sich auf diesem Wege die Korrespondenztheorie der Wahrheit vielleicht doch noch rehabilitieren.
- ↑ 40 C. F. v. Weizsäcker: Die Einheit der Natur. München 1971. S. 338 f.