WTH/Zur Logik des Diskurses/16
▶Allein, Angemessenheit kognitiver Schemata (und entsprechender Sprachsysteme) an Obiektbereiche (oder konstituierte Wirklichkeitsausschnitte) kann nicht als Wahrheit begriffen werden, wenn nicht "Wahrheit" von dem mit Aussagen verknüpften Geltungsanspruch völlig abgelöst, d. h. durch einen anderen Begriff ersetzt werden soll. Weder kognitive Schemata noch Begriffe oder Prädikate können wahr oder falsch sein. Wahr oder falsch sind allein Aussagen, die wir unter Verwendung solcher Begriffe und Prädikate bilden. "Angemessenheit" ist eine Kategorie, die in den Bereich der Kognition, also der Gewinnung von Informationen über Gegenstände der Erfahrung gehört; in dieser Sphäre der handlungsbezogenen Erfahrung werden, wie gezeigt, Wahrheitsansprüche gar nicht thematisiert. Wo hingegen, wie in Diskursen, Sachverhalte zur Diskussion stehen, geht es um die Geltung von Aussagen und nicht um die Verläßlichkeit von Informationen oder die Tätigkeit kognitiver Akte. Der oben analysierten Verwechslung von Korrelaten der Erfahrung (Gegenständen in der Welt) und Korrelaten der Argumentation (Tatsachen) entspricht hier die von Angemessenheit eines Sprach- und Begriffssystems mit der Wahrheit einzelner Propositionen.