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WTH/Zur Logik des Diskurses/20

aus AufEinWort, der freien Forschung

▶Wiederum lassen sich die Grundbegriffe einer ethischen Sprache als kognitive Schemata auffassen, die sich gattungsgeschichtlich mit der Evolution der Weltbilder und der Moralsysteme und auf der Ebene der Ontogenese mit der Entwicklung des moralischen Bwußtseins herausbilden. Angemessen nennen wir die moralische Sprache, die bestimmten Personen und Gruppen unter gegebenen Umständen eine wahrhaftige Interpretation ihrer eigenen partikularen wie auch vor allem der gemeinsamen und konsensfähigen Bedürfnisse erlaubt. Das gewählte Sprachsystem muß die und genau die Interpretationen von Bedürfnissen zulassen, in denen die Diskursteilnehmer sich ihre innere Natur transparent machen und erkennen können, was sie wirklich wollen. Freilich kann die Richtigkeit von Geboten sowenig wie die Wahrheit von Aussagen auf die Angemessenheit von Begriffen zurückgeführt werden. Die Argumentation kann deshalb konsenserzielende Kraft qua Argumentation auch hier nur beanspruchen, wenn sichergestellt ist, daß die Beteiligten die Begründungssprache, in der sie ihre Bedürfnisse interpretieren, hinterfragen und revidieren können. Der praktische Diskurs muß schon aufgrund seiner formalen Eigenschaften die Garantie geben, daß die Teilnehmer jederzeit die Diskursebene wechseln und sich der Unangemessenheit tradierrer Bedürfnisinterpretationen innewerden können. Sie müssen dasjenige Sprachsystem entwickeln können, das ihnen zu sagen erlaubt, was sie unter gegebenen und im Hinblick auf machbare Umstände wollen können.