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Werk:AamW1/KUML/Einleitung

aus AufEinWort, der freien Forschung

—Urvrschrftng

Es ist viel daran gelegen, daß man die mathematische Lehrart wohl verstehe. Denn wenn man weiß, was sie zu sagen hat; giebt man nicht allein auf die Lehren, die vorgetragen werden, genau acht, und erkennet die Ursache ihrer unwidersprechlichen Gewißheit, sondern man lernet auch dieselbe desto hurtiger in andern Wissenschaften anbringen. Dieser nutzen aber ist allein zulänglich, alle und jede, die sich auf das Studiren legen, zu Erlernen der Mathematik zu verbinden. wenn sie gleich sonst ihre Wahrheiten die ganze Zeit ihres Lebens zu nichts brauchen würden. Und aus dieser Absicht pflegen auch alle Verständige mit sondebaren Eifer die Mathematik den Studirenden zu recommendiren. Ich begnüge mich jetzt nur den Locke in seinem Tractate von der Leitung des menschlichen Verstandes p. 30. (welcher nebst einigen seiner anderen Werke nach seinem Tode zu London 1706. herauskommen,) den Malebranche in seinem Werke von der Erfindung der Wahrheit li. 6. c. 4 & 5.) und den Hrn. v. Tschirnhausen in seiner Einleitung zur Matheſi und Phyſica, darinnen er den Nutzen dieser beiden Wissenschaften vorstellet und die Zeit selbige zu studiren beschreibet, anzuführen. Und zwar führe ich diese drei Männer für allen anderen an, weil sie vor die besten Kenner des menschlichen Verstandes gehalten werden. Die mathematische Lehrart habe ich in meinem Buche von den Kräften des menschlichen Verstandes, ausführlich erkläret, und ihren vielfältigen Nutzen gezeiget. Doch weil diese kürzere Nachricht damals in diesen Anfangsgründen der mathematischen WIssenschaften ihren Platz gefunden, ehe jenes heraus kam; so wollen wir sie auch jetzt in dieser wiederholten Auflage nicht daraus vertreiben. Es hat sonst der Hr. v. Tschirnhausen die mathematische Lehrart in vielen Stücken gar geschickt in seiner Medcina mentis erläutert: welches Buch alle mit Bedacht durchlesen sollen, die den Gebrauch der Kräfte ihres Verstandes erlernen wollen. Doch wird in diesem kurzen Berichte der geneigte Leser vielleicht noch eines und das andere finden, welches er auch in dem angeführten vortrefflichen Werke vergebens suchet. Und darf ich ohne Scheu sagen, wer diesen kleinen Unterricht zuvor gelesen, wird des Hrn. v. Tschirnhausens Medicinam mentis viel besser und leichter als sonsten verstehen können: Welches ich einem jeden Liebhaber der Wahrheit von Herzen wünsche.

—Abvrschrftng

Es ist viel daran gelegen, daß man die mathematische Lehrart wohl verstehe.

Denn wenn man weiß, was sie zu sagen hat; gibt man nicht allein auf die Lehren, die vorgetragen werden, genau acht, und erkennt die Ursache ihrer unwidersprechlichen Gewißheit, sondern man lernt auch dieselbe desto hurtiger in andern Wissenschaften anbringen.

Dieser nutzen aber ist allein zulänglich, alle und jede, die sich auf das Studieren legen, zu Erlernen der Mathematik zu verbinden. wenn sie gleich sonst ihre Wahrheiten die ganze Zeit ihres Lebens zu nichts brauchen würden.

Und aus dieser Absicht pflegen auch alle Verständige mit sondebaren Eifer die Mathematik den Studierenden zu rekommendieren.

Ich begnüge mich jetzt nur den Locke in seinem Traktat von der Leitung des menschlichen Verstandes p. 30. (welcher nebst einigen seiner anderen Werke nach seinem Tode zu London 1706. herauskommen,) den Malebranche in seinem Werke von der Erfindung der Wahrheit li. 6. c. 4 & 5.) und den Hrn. v. Tschirnhausen in seiner Einleitung zur Matheſi und Phyſica, darinnen er den Nutzen dieser beiden Wissenschaften vorstellt und die Zeit selbige zu studieren beschreibt, anzuführen.

Und zwar führe ich diese drei Männer für allen anderen an, weil sie vor die besten Kenner des menschlichen Verstandes gehalten werden.

Die mathematische Lehrart habe ich in meinem Buche von den Kräften des menschlichen Verstandes, ausführlich erklärt, und ihren vielfältigen Nutzen gezeigt.

Doch weil diese kürzere Nachricht damals in diesen Anfangsgründen der mathematischen WIssenschaften ihren Platz gefunden, ehe jenes heraus kam; so wollen wir sie auch jetzt in dieser wiederholten Auflage nicht daraus vertreiben.

Es hat sonst der Hr. v. Tschirnhausen die mathematische Lehrart in vielen Stücken gar geschickt in seiner Medcina mentis erläutert: welches Buch alle mit Bedacht durchlesen sollen, die den Gebrauch der Kräfte ihres Verstandes erlernen wollen.

Doch wird in diesem kurzen Berichte der geneigte Leser vielleicht noch eines und das andere finden, welches er auch in dem angeführten vortrefflichen Werke vergebens sucht. Und darf ich ohne Scheu sagen, wer diesen kleinen Unterricht zuvor gelesen, wird des Hrn. v. Tschirnhausens Medicinam mentis viel besser und leichter als sonsten verstehen können: Welches ich einem jeden Liebhaber der Wahrheit von Herzen wünsche.