Werk:Apologia doctae ignorantiae/1
▷[1]Rettulit mihi aliquando communis praeceptor noster, magister Nicolaus de Cusa, nunc coetui cardinalium adiunctus, quantum valeas in coincidentiis, quas in libellis Doctae ignorantiae ad apostolicum legatum datis ac in aliis plerisque suis opusculis nobis patefecit, quoque studio ardeas, ut omnia colligas, quae passim in hiis rebus ab eodem emanant; quodque tu neminem peritorum te praeterire sinas, cum quo de hac re non conferas, multosque induxeris, qui hoc studium spreverant, ut inveterata consuetudine, qua Aristotelicae traditioni insudarunt, parum intercepta in has se conferant considerationes ea fide, quasi in ipsis magni aliquid lateat, quousque quodam interno gustu profundius alliciantur et eo pertingant, quod experiantur hanc rem tantum ab aliis viis differre quantum visus ab auditu; sicque de detractoribus plures attraxeris, ut tecum mentis oculo arcana quaeque modo, quo homini gradatim conceditur, speculentur. Unde, cum tantus sis, recte arbitratus sum ego, condiscipulus eiusdem, ut aliqua tibi nota fiant, quae non plene instructos avertere possent, ac scias talibus insultationibus facilius obviare.
Unser gemeinsamer Lehrer, der Meister Nikolaus von Kues, der jetzt ins Kardinalskollegium berufen wurde, berichtete mir einmal von Deinem großen Verständnis für die Koinzidenz, die er in den dem apostolischen Legaten gewidmeten Büchern der Docta ignorantia und in vielen andern seiner Schriften uns darlegte. Er sagte mir, von welchem Eifer Du erfüllt bist, alles zu sammeln, was darin zerstreut von ihr ausgeht. Auch erzählte er, daß Du es nicht zuläßt, daß irgendein Gelehrter an Dir vorbeigeht, ohne daß Du mit ihm über dieses Thema sprichst, und daß Du schließlich viele, die dieses Studium verachtet hatten, dazu gebracht hast, die alte Gewohnheit, mit der sie bei der Aristotelischen Tradition verharrten, ein wenig zu unterbrechen und sich diesen Gedanken zuzuwenden, und zwar im Vertrauen darauf, daß in ihnen etwas Großes verborgen sei. Das tatest Du so lange, bis sie durch eigenes Verlangen immer stärker angezogen wurden und zu der Erfahrung gelangten, daß dieser Weg von den andern Wegen wie das Sehen vom Hören verschieden sei. So hast Du von den Gegnern viele dafür gewonnen, mit Dir zusammen alle Geheimnisse auf die Weise, wie es dem Menschen schrittweise geschenkt wird, zu betrachten. Da Du nun ein solcher Mann bist, halte ich es als ein Schüler desselben Meisters für richtig, Dir einige Tatsachen, die die noch nicht voll Ausgebildeten abtrünnig machen können, bekannt zu machen, damit Du derartigen Beschuldigungen leichter entgegentreten kannst.◀▷
- ↑ fol.34v