Werk:Apologia doctae ignorantiae/53
▷Et ad me amoroso vultu conversus aiebat: «Amice, optime nosti, quomodo hii, qui sensibilia transilientes per altitudinem fidei Christo et veritati coniuncti ab ignorantibus huius mundi contemptui habiti sunt, quia testante maximo Dionysio De divinis nominibus capitulo decimo “is, qui veritati coniunctus est, novit, quam bene habeat, etiam si plures illum corripiant quasi amentem et extra se factum[1], et quod per mortem contestati sunt principales duces veritatis hanc solum esse unicam et simplicem divinam notionem.» Hinc maximo animi affectu admonuit, ut non tepescerem in studii ferventia, quousque ad simplicitatem intelligentiae elevarer ad melius cognoscendum incognoscibilem Deum, qui “in omnibus et ab omnibus per scientiam et ignorantiam agnoscitur,[2] ut in eodem capitulo Dionysius attestatur, et Iesum benedictum, qui est solus altissimus, perfectio et plenitudo omnium; quodque eo studio omnem conatum mentis ad hoc – quanto acutius concederetur – conferrem, ut me semper nihil dignum intelligere viderem; promittens numquam quemquam sophistarum me turbare posse, si tanti secreti ineffabilis gratiae divinam dulcedinem qualitercumque degustarem. .
Zu mir gewandt sagte er liebevoll: «Freund, du hast wohl gewußt, wie diejenigen, die das Sinnliche überschreiten und durch die Tiefe des Glaubens Christus und der Wahrheit verbunden sind, von den Toren dieser Welt verachtet werden, weil nach Dionysius De divinis nominibus, Kapitel 10, «der, welcher der Wahrheit vereint ist, weiß, was für ein Gut er hat, wenn auch die Vielen über ihn wie über einen Wahnsinnigen, der außer sich ist, herfallen», und daß die ersten Lehrer der Wahrheit durch den Tod bezeugt haben, daß dies allein die einzige und schlichte Erkenntnis des Göttlichen ist.» Darauf mahnte er mich bewegt, im Eifer meines Studiums nicht lau zu werden, bis ich zur Einfachheit des Geistes und zur besseren Erkenntnis des unerkennbaren Gottes erhoben würde, der «in allem und von allem durch Wissen und Nichtwissen anerkannt wird» (wie es Dionysius in dem genannten Kapitel bezeugt), und auch zum hochgelobten Herrn Jesus, der allein der Höchste, die Vollkommenheit und Fülle von allem ist, gelange. Und er mahnte mich, daß ich in diesem Streben jedes Bemühen des Geistes – soweit es mir zugestanden würde – darauf wende, mir immer vor Augen zu halten, daß ich nichts Würdiges erkenne; und er versprach mir, daß mich niemals einer der Sophisten werde verwirren können, wenn ich irgendwie die göttliche Süße dieses großen Geheimnisses der unaussprechlichen Gnade gekostet hätte.◀▷
- ↑ [Dionysius Areopagita] De div. nom. VII 4 (PG 3 col. 872 d sq.); = cap. X exemplaris Cusani.
- ↑ [Dionysius Areopagita] De div. nom. VII 3 (PG 3 col. 872 a).