Werk:Apologia doctae ignorantiae/55
▷Ecce, condiscipule praeamate, quae ex pectore praeceptoris pro defensione Doctae ignorantiae recollegi; licet plura e memoria exciderint, ea tibi legenda atque, ubi opus videris, communicanda transmitto, ut in tua ferventia crescat admirabile semen, quo ad divina videnda elevamur, uti iam dudum audivi per Italiam ex hoc semine per tuam sollicitam culturam in studiosis ingeniis recepto magnum fructum affuturum.
Vincet enim indubie haec speculatio omnes omnium philosophorum ratiocinandi modos, licet difficile sit consueta relinquere. Et quantum profeceris, me continue participem facere non pigriteris; nam hoc solo quasi divino quodam pabulo gaudiose reficior, hic – prout concedere dignatur Deus – in docta ignorantia aspirans continue ad fruitionem vitae illius, quam nunc sic a remotis conspicio et propius dietim accedere contendo. Et ut eam divino dono hinc absoluti assequamur, concedat Deus tantopere desideratus in aeternum benedictus.
Dies, mein vielgeliebter Mitschüler, ist, was ich aus dem Herzen des Meisters zur Verteidigung der wissenden Unwissenheit gesammelt habe, wenn auch vieles meinem Gedächtnis entfallen ist. Ich überlasse es Dir, daß Du es liest und, wo es Dir nötig erscheint, weiter verbreitest, damit in der Glut Deines Eifers der wunderbare Samen wachse, durch den wir zur Schau des Göttlichen erhoben werden; denn schon längst habe ich gehört, daß in ganz Italien durch Deine sorgende Mühe und Pflege aus diesem Samen, der vom eifrig suchenden Geist empfangen wurde, herrliche Frucht am Reifen ist.
Diese Betrachtungsart wird, wenn es auch schwierig ist, das Gewohnte aufzugeben, ohne Zweifel alle Arten des Schlußfolgerns sämtlicher Philosophen überwinden. Ermüde nicht, mich stets teilnehmen zu lassen an Deinen Fortschritten; denn diese göttliche Nahrung allein ist es, die mich freudig erquickt. Fortgesetzt bemühe ich mich hier, je nachdem mich Gott für würdig hält, es mir zu schenken, im Lebenshauch wissender Unwissenheit täglich dem Genuß jenes Lebens, das ich nun aus so weiter Ferne erblicke, näherzukommen. Daß wir, von dieser Welt befreit, jenes Leben durch göttliches Geschenk erreichen, möge uns Gott gewähren, der, so sehr ersehnt, in Ewigkeit gepriesen sei.
Ende von Apologia doctae ignorantiae.◀