Werk:Apologia doctae ignorantiae/6
▷Post quae ego, qui ad evacuandum scripta Ignotae litteraturae festinavi, interrogare coepi, quisnam hic olim abbas Mulbrunnensis, per quem Docta ignorantia ad adversarium delata fuisset. Respondit eum hominem acris ingenii et sanctae conversationis fuisse, qui Doctae ignorantiae libellos dilexit, maxime quia ab apostolico legato et plerisque magnis viris magni aliquid continere laudabantur, cui quidem legato abbas ipse singularissima affectione constringebatur. Sed adiecit se non putare, quod abbas ipse huic viro libellos obtulisset, sed potius alteri religioso, a quo ad istum pervenissent; adiungens abbatem in ea differentia, quae inter Apostolicam Sedem et Basiliensem congregationem per dietas agitabatur, partem veritatis Apostolicae Sedis sollicitasse, cui adversabatur iste Wenck. Ostendit autem mihi praeceptor verba adversarii in fine suae compilationis, ubi praeceptorem pseudo-apostolum nominat, ut viderem hominem ex passione locutum. Scis enim, amice optime, quod nemo cum tanta ferventia restitit Basiliensibus sicut praeceptor noster. Hinc ille Wenck, qui ab universis doctoribus Heidelbergensis studii abierat et partem dampnatam Basiliensium sumpsit, in qua fortassis pertinaciter persistit, veritatis defensorem ‘pseudo-apostolum’ nominare non erubuit. Curavit enim, ut eum ipsi abbati et cunctis odiosum et parvi momenti faceret; sed non praevaluit fraudulentia, quia veritas vicit.
Da ich die Angriffe der Ignota litteratura so schnell als möglich zunichte machen wollte, begann ich danach zu fragen, wer denn dieser einstige Abt von Maulbronn sei, durch den die Docta ignorantia zu dem Gegner gelangt war. Er antwortete, dieser sei ein Mann von scharfem Geist und heiligmäßiger Rede gewesen, der die Bücher der Docta ignorantia hochschätzte, vor allem deshalb, weil der apostolische Legat, dem der Abt in außerordentlicher Zuneigung verbunden war und andere bedeutende Männer sie lobten und sagten, in ihnen sei Großes enthalten. Er fügte jedoch hinzu, er sei nicht der Meinung, daß der Abt selbst jenem Mann die Bücher gegeben habe, sondern vielmehr einem andern Ordensmann, von dem sie zu jenem gelangt seien; und daß der Abt in jenem Streit, der zwischen dem Apostolischen Stuhl und der Basler Partei lange Zeit hindurch geführt wurde, die Vertreter der Wahrheit des Apostolischen Stuhles angefeuert habe; dem widersetzte sich dieser Wenck. Der Meister zeigte mir auch die Worte des Gegners am Ende seiner Kompilation, wo er ihn einen Lügenapostel nennt, um mir darzutun, daß dieser Mensch in leidenschaftlicher Voreingenommenheit spricht. Denn Du weißt, bester Freund, daß niemand den Baslern mit solch entschiedenem Eifer Widerstand leistete wie unser Meister. Trotzdem schämte sich dieser Wenck, der sich von allen Lehrern der Heidelberger Universität trennte und die verabscheuungswürdige Partei der Basler ergriff, bei der er vielleicht noch immer hartnäckig verharrt, nicht, den Verteidiger der Wahrheit einen Lügenapostel zu nennen. Er bemühte sich, ihn dem Abt und allen andern verhaßt zu machen und als unbedeutend hinzustellen; doch der Betrug hatte keinen Erfolg, da die Wahrheit siegte. ◀▷