Dreizehnter Brief
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Gründet auf dem Werk „Platon's Werke, Fünfte Gruppe“ Platon
350 v. Chr. hrsg.
Briefe (Platon)
Entwurf Liste Werke von Wilhelm Wiegand
Brief
1859 n. Chr. erst.
17:34 Uhr freigegeben
ungeprüft
↑ Zwölfter Brief
→ Dreizehnter Brief
http://www.opera-platonis.de/Briefe.html
DREIZEHNTER BRIEF
PLATON WÜNSCHT DEM HERRN VON SYRAKUS, DIONYSIUS, SEGEN UND HEIL DER VERNUNFT IN SEINEN HANDLUNGEN.
[360 St.3 A] Dieser Gruß sei der Anfang meines Briefes und zugleich das Erkennungszeichen, dass er von mir ist. Als du einst junge Leute vom Lokri bei Tische hattest, so standst du auf, weil du dich dabei etwas weit von mir befandst, kamst zu mir und sagtest mir ein treffliches Wort, wie es mir und meinem Nebenmanne schien, welcher einer von den Gebildeten ist. [B] Dieser sprach damals zu dir: „Wirklich, o Dionys, du hast an Weisheit viel von Platon profitiert!" Darauf antwortetest du: „Unter anderem habe ich seit seiner Berufung schon eben dadurch gleich Weisheit gezeigt, da ich ihn hierher kommen ließ.” Dieser Gesichtspunkt ist nun fest zu halten, auf dass das von uns gegenseitig veranlasste Wachsen an Weisheit immer weiter gedeihe. Und in dieser Absicht schicke ich dir nun erstlich etwas von den pythagoräischen Schriften und etwas über Teilungen, nebst dem auch einen Mann welchen, [C] wie es mir damals schien, du sowohl wie Archytas, wenn er zu dir kommen würde, als Lehrer brauchen könntet. Was erstlich seinen Namen anlangt, so heißt er Helikon, seiner Geburt nach ist er von Kyzikos, ein Schüler des Eudoxos, ein in dessen ganzer Lehre gut unterrichteter Mann, er hat nebst dem einen der Schüler des Isokrates gehört und den Polyrenos, der einer aus der Schule des Bryson ist, er ist außerdem, was selten ist, nicht unangenehm im Umgang und hat keine schlechten Sitten, sondern er ist vielmehr gefällig und gutmütig. Aber nicht ohne Besorgnis gebe ich ihm diese Prädikate, weil ich meine Ansicht von einem Menschen ausdrücke, und ein Mensch ist zwar kein verachtbares Wesen, aber er ist der Veränderlichkeit unterworfen, mit Ausnahme gewisser Weniger [D] und in wenigen Beziehungen. Sonach war ich auch über diesen besorgt und misstrauisch, suchte ihn daher selbst durch persönliche Unterredung zu erforschen und erkundigte mich auch bei seinen Mitbürgern, und keiner von ihnen hat etwas Schlechtes von dem Manne ausgesagt. Erforsche aber du auch selbst ihn und beobachte mit Vorsicht. Wo möglich also, wenn du irgendwie Zeit hast, gehe bei ihm in die Schule und treibe auch deine übrigen Studien fort, hast du keine Zeit, so lasse irgend einen fähigen Kopf von ihm unterrichten, damit du dann von diesem nach Muße lernen kannst und also an sittlicher Besserung sowie an Ruhm gewinnst, auf dass dein Profitieren von mir niemals nachlasse. Doch genug hiervon!
[361 St.3 A] In Betreff der Gegenstände ferner welche ich dir, wie du schreibst, schicken soll, habe ich erstlich den Apollon von einem jungen, tüchtigen Künstler bekommen, und Leptines bringt dir ihn. Der Künstler heißt Leochares. Es war aber bei ihm, wie ich fand, noch ein zweites herrliches Kunstwerk, ich kaufte es daher in der Absicht, deiner Gemahlin damit ein Geschenk zu machen, weil sie mir in gesunden und kranken Tagen eine Aufmerksamkeit bewiesen, welche dir Ehre macht. Überreiche es ihr also, wenn du in dieser Beziehung nicht eines anderen Sinnes bist. Drittens schicke ich deinen Kindern einige Amphoren süßen Weins und zwei voll Honig. Feigen schicke ich nicht, [B] denn ich kam zur Lese derselben zu spät; und die aufgehobenen Myrten waren verfault. Künftig wollen wir besser darauf Acht geben. Was die Pflanzungen anbetrifft, so wird dir Leptines darüber erzählen.
Das Geld für diese Dinge anlangend sowohl für jene Gegenstände als auch für die Ausfuhr-Zölle für den Staat, so habe ich es von Leptines bekommen, unter einem Vorwand, welcher sowohl mit meiner äußeren Würde wie auch mit der Wahrheit im Einklang zu stehen schien. Ich sagte ihm nämlich, ich hätte noch das Geld zu gut welches ich für das leukadische Schiff ausgelegt hätte, ungefähr 16 Minen. Diese Summe habe ich also empfangen, nach dem Empfange auf die oben genannten Gegenstände verwandt und diese nun an euch abgeschickt. Die Geldangelegenheit betreffend, so vernimm hierauf, wie es sowohl mit deinen Geldern zu Athen steht [C] als auch mit den meinigen. Ich für meine Person verfahre, wie ich dir auch damals sagte, mit deinen Geldern wie mit den meiner übrigen Vertrauten, ich brauche aber möglichst wenig davon für
Bedürfnisse welche sowohl nach meiner wie des Gebers Ansicht notwendig gerecht und von der Ehre geboten scheinen. Ein Fall der Art liegt mir eben jetzt vor. Von meinen Geschwisterkindern welche gerade damals starben, als ich trotz deines Ansinnens nicht den Kranz annahm, sind bei mir vier verwaiste Töchter, die älteste davon ist heiratsfähig, die zweite ist acht, die dritte ist etwas über drei Jahre, die vierte ist noch nicht ein ganzes Jahr alt. [D] Diese Mädchen müssen von mir und von meinen Verwandten nach dem Gesetze ausgestattet werden, sofern ich ihre Hochzeit erlebe. Die davon, welche ich nicht erlebe, mögen Gott befohlen sein. Auch brauche ich die nicht auszustatten, deren Väter reicher geworden sind als ich. Für jetzt aber bin ich bemittelter als sie, auch habe ich mit anderen Freunden und auch mit Dion ihre Mütter schon ausgestattet. Die älteste nun heiratet den Speusippos, dessen Schwestertochter sie ist, für die Ausstattung derselben sind nun nicht mehr als dreißig Minen nötig, denn das ist die für unsere Verhältnisse angemessene Mitgift. Ferner, wann meine Mutter sterben wird, sind wiederum nicht weniger als zehn Minen nötig zum Bau des Grabmals, [E] und das sind nun einmal meine notwendigen Ausgaben hierfür in der Gegenwart. Sollte infolge meiner Reise zu dir aber noch eine andere Ausgabe sich herausstellen, sei es eine persönliche oder eine für den Staat, wie solche nach meiner damaligen Bemerkung zu machen ist, so werde ich dahin trachten, dass der Aufwand so gering als möglich wird, [362 St.3 A] worüber ich aber nicht umhin kann, das kommt auf deine Rechnung.
Sodann nun rede ich von deinem Geldaufwand in Athen. Erstlich wenn ich entweder für die Ausstattung von Sängern oder sonst für eine ähnliche Leistung für den Staat eine Ausgabe machen muss, so wird es, wie ich glaube, keinen Gastfreund geben der das Geld dafür hergeben will, es darf ja dir selbst auch gar nicht gleichgültig sein, ob eine Zahlung gleich bar gemacht wird und dann auch seine Früchte trägt, aber ob er nicht bar gemacht und auf eine längere Zeit bis zur Ankunft eines deiner Leute verschoben wird und dadurch Schaden bringt, letzteres bringt nebst Unannehmlichkeit auch noch Unehre. Ich mache diese Bemerkung nicht umsonst; denn ich habe in dieser Beziehung wenigstens schon einen Versuch gemacht, ich schickte nämlich den Agineten Erastos zu dem Andromedes, [B] bei welchem ich, als deinem Gastfreunde, auf deine Anordnung Aufnahmen von Geld machen sollte, wenn ich es nötig hätte, ich tat dies in der Absicht, um dir auch die anderen in deinem Briefe berührten Gegenstände von größerem Werte schicken zu können. Dieser aber gab mir die nahe liegende und naive Antwort: er habe früher schon Auslagen für den Vater dieses Herrn gemacht und sei nur mit Not wieder zu seinem Gelde gekommen, sonach wolle er jetzt kleinere Vorschüsse zwar machen, größere aber nicht. Und in dieser Beziehung muss ich nun den Leptines loben, der das Geld nicht nur vorschoss, sondern auch mit großer Bereitwilligkeit. [C] Er zeigte sich auch überhaupt in anderen Beziehungen durch Wort und Tat als ein sehr dienstfertiger Freund. Ja ich muss dir natürlich auch diese angenehmen Nachrichten wie auch die entgegengesetzten melden, wie ein Jeder in Bezug auf dich mir vorgekommen ist. Und daher muss ich dir in Bezug auf die Geldangelegenheiten noch meine offene Meinung sagen. Denn erstlich halte ich es für billig, und zweitens rede ich dieses Wort infolge von Erfahrungen welche ich an deinen Leuten gemacht habe. Obgleich sie beständig versprechen, dich auf jeden Aufwand welchen sie für nötig erachten aufmerksam machen zu wollen, so tun sie das doch nicht gern, weil sie offenbar glauben dir dadurch zu missfallen. Gewöhne sie also daran, sowohl in diesen wie in andren Dingen sich offen auszusprechen. Du musst nämlich nach Möglichkeit alles wissen, über alles in oberster Instanz deine Entscheidung geben, darfst vor keiner Mitteilung eine Abneigung haben. [D] Für deine Stellung als Herrscher wird dies vom allergrößten Vorteil sein, in Bezug auf deine Haushaltung brauch' ich in dieser Beziehung den Vorteil davon nicht hervorzuheben. Denn vernünftige Geldverwendungen zu machen und diese wieder ordentlich zu berichtigen, dass dieses selbst zur Vermögens- Vergrößerung förderlich ist, das gibst du selbst zu, und wirst es später noch mehr zugeben. Lasse dich also von Leuten nicht in einen üblen Ruf bringen, welche vorgeben, sie nähmen Rücksichten auf deine empfindliche Seite. Denn das bringt dir gar keinen Vorteil und scheint auch gar nichts beizutragen um deinen guten Ruf in den Augen der Welt zu vermehren.
Nach diesen Bemerkungen möchte ich noch einige über Dion beifügen. Über manche andere Dinge nun kann ich mich noch nicht äußern [E] bis deine angekündigten Briefe angekommen sind, in Bezug auf jene Angelegenheiten indessen, welche du bei ihm vorderhand nicht erwähnt haben willst, habe ich zwar bis jetzt sie weder bei ihm berührt noch darüber eine Äußerung fallen lassen, aber ich suchte herauszubekommen, ob er die Ausführung deines Vorhabens übel oder gut aufnehmen werde, und da schien er mir nicht wenig in Harnisch geraten zu wollen, wenn deine Pläne verwirklicht werden sollten. Im Übrigen scheint mir Dion in Wort und Tat maßvoll zu sein.
Dem Kratinos, dem Bruder des Timotheos, [363 St.3 A] meinem vertrauten Freunde, müssen wir einen recht guten Kriegspanzer schenken, wie ihn die Fußsoldaten zu tragen pflegen, und den Töchtern des Kebes drei Kleider, jedes von sieben Ellen, zwar nicht von teurem amorgischem, sondern von sizilischem Leinen.
Der Name Kebes wird dir ziemlich bekannt sein. Er ist einer von denen welche in den sokratischen Gesprächen vorkommen, namentlich im Gespräche von der Unsterblichkeit der Seele, in welchem er nebst Simmias sich mit dem Sokrates unterredet, ein uns allen vertrauter treu ergebener Mann.
[B] Was ferner mein Briefzeichen anlangt, an welchem zu erkennen ist, welche ernstlichen Inhaltes und welche nicht, so hast du das vermutlich noch im Gedächtnis, dennoch aber erinnere ich dich noch einmal, es zu merken und darauf Acht zu geben, denn Viele sind es, welche Empfehlungsbriefe haben wollen und welche offen abzuweisen nicht leicht ist. Am Anfange von jedem ernstlichen Schreiben steht das Wort Gott, an dem des weniger ernstlichen das Wort Götter.
Auch die Gesandten baten mich ihrer in diesem Schreiben zu gedenken, und zwar mit Recht; denn sie reden überall gerne Gutes von dir und mir, insbesondere Philagros, welcher damals eine kranke Hand hatte. Auch Philaides, der eben vom persischen Großkönig zurückgekommen ist, pflegte über dich seine Gedanken zu äußern, und wenn der Brief nicht gar zu lang werden würde, so würde ich dir seine Äußerungen schreiben, darum musst du sie dir jetzt von Leptines sagen lassen.
[C] Wenn du den Panzer oder ein andres der hier in meinem Briefe berührten Dinge schickst, so gib sie einem mit, dem du sie selbst anzuvertrauen wünschst, hast du aber keinen besonderen Wunsch, so gib sie dem Terillos mit, er ist einer von den immer fahrenden Schiffsherrn, ein ergebener Freund von mir und ein sowohl in andrer Beziehung als auch philosophisch gebildeter Mann. Er ist Schwiegervater von Tison, welcher damals als ich abreiste, Stadtverwalter war.
So lebe denn wohl und fahre fort in deinem philosophischen Studium, treibe auch die andern jungen Leute dazu an. Grüße in meinem Namen die freundliche Ballspielgesellschaft und empfehle überhaupt deiner Dienerschaft, insbesondere dem Aristokritos, falls eine Abhandlung oder ein Brief von mir ankommt, doch ja dafür zu sorgen, dass sie möglichst bald zu deiner Kenntnis kommen, [D] sowie auch dich daran zu erinnern, dass du die Aufträge meiner Briefe besorgst.
Auch verabsäume nicht, dem Leptines sein Geld rückzuerstatten, gib es ihm möglichst bald, damit auch die übrige Welt im Hinblick auf dieses Beispiel uns dienstwilliger werde.
Iatrokles, welcher damals nebst Myronides von mir freigelassen wurde, macht jetzt die Fahrt mit meinen Zusendungen. Beglücke ihn also mit einer Belohnung, denn er hegt eine sehr ergebene Gesinnung gegen dich und du kannst ihn brauchen zu was du willst. Ob das Original dieses Briefes oder eine Abschrift davon aufbewahrt werde, das musst du selbst entscheiden.