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Werk:De docta ignorantia/100

aus AufEinWort, der freien Forschung

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Quis igitur copulando simul in creatura necessitatem absolutam, a qua est, et contingentiam, sine qua non est, potest intelligere esse eius? Nam videtur, quod ipsa creatura, quae nec est Deus nec nihil, [1] sit quasi post Deum et ante nihil, intra Deum et nihil, ut ait unus sapientum: «Deus est oppositio nihil mediatione entis.[2]» Nec tamen potest esse ab esse et non-esse composita. Videtur igitur neque esse, per hoc quod descendit de esse; neque non esse, quia est ante nihil; neque compositum ex illis. Noster autem intellectus, qui nequit [3] transilire contradictoria, divisive aut compositive esse creaturae non attingit, quamvis sciat eius esse non esse nisi ab esse maximi. Non est igitur ab esse intelligibile, postquam esse, a quo, non est intelligibile, sicut nec adesse accidentis est intelligibile, si substantia, cui adest, non intelligitur. Et igitur non potest creatura ut creatura dici una, [4] quia descendit ab unitate; neque plures, quia eius esse est ab uno; neque ambo copulative. Sed est unitas eius in quadam pluralitate contingenter. Ita de simplicitate et compositione et reliquis oppositis pariformiter dicendum videtur.

Wer also, der im Geschöpf die absolute Notwendigkeit, von der es ist, und das Zufällige, ohne welches es nicht ist, verbindet, kann sein Sein denkend verstehen? Es scheint nämlich, daß das Geschöpf, das weder Gott noch Nichts ist, gleichsam nach Gott und vor dem Nichts, zwischen Gott und dem Nichts steht, wie auch ein Weiser sich ausdrückt: «Durch die Vermittlung des Seienden ist Gott der Gegensatz des Nichts.» Dennoch kann das Geschöpf nicht aus Sein und Nicht-Sein zusammengesetzt sein. Es scheint weder zu sein, denn es steigt vom Sein herab; noch nicht zu sein, denn es steht vor dem Nichts; noch scheint es aus beiden zusammengesetzt zu sein.

Unser Geist aber, dem es nicht möglich ist, die Widersprüche zu überwinden, vermag das Sein des Geschöpfes weder auf getrennte noch auf zusammengesetzte Weise zu erreichen, obwohl er weiß, daß sein Sein nur aus dem Sein des Größten stammen kann. Weil das Sein, aus dem es ist, nicht einsehbar ist, ist auch das Sein-vom-Sein nicht einsehbar; ebensowenig wie das Dasein des Hinzukommenden einsichtig ist, wenn die Substanz, zu der es hinzukommt, nicht verstanden wird. Also kann das Geschöpf, da es von der Einheit herabsteigt, als Geschöpf nicht eines genannt werden, noch mehrere, denn sein Sein stammt vom Einen, noch beides in Verbindung. Seine Einheit besteht vielmehr in einer auf bestimmte Weise zusammengefügten Mehrheit. Dasselbe scheint man von der Einfachheit, der Zusammensetzung und den übrigen Gegensätzen sagen zu müssen.== Einzelnachweise ==

  1. ↑ 66.10
  2. ↑ [Hermes Trismegistus] Liber XXIV philosophorum, propos. 14 (ed. Baeumker, Studien u. Charakt. z. Gesch. d. Phil., BGPM XXV 1-2, p. 211, 24).
  3. ↑ 66.15
  4. ↑ 66.20