Zum Inhalt springen

Werk:De docta ignorantia/109

aus AufEinWort, der freien Forschung

▲▼ ▶

Excedit autem mentem nostram modus complicationis [1] et explicationis. Quis rogo intelligeret, quomodo ex divina mente rerum sit pluralitas, postquam intelligere Dei sit esse eius, qui est unitas infinita?

[2] Si pergis ad numerum similitudinem considerando, quomodo numerus est unius communis per mentem multiplicatio, videtur, quasi Deus, qui est unitas, sit in rebus multiplicatus, postquam intelligere eius est esse; et tamen intelligis non esse possibile illam [3] unitatem, quae est infinita et maxima, multiplicari. Quomodo igitur intelligis pluralitatem, cuius esse est ab uno absque unius multiplicatione? Aut quomodo intelligis multiplicationem unitatis absque multiplicatione? Non quidem sicut speciei unius aut unius generis in multis speciebus aut individuis, extra quae genus aut species non [4] est nisi per intellectum abstrahentem.

Die Art und Weise der Einfaltung und Ausfaltung übersteigt aber unseren Geist. Wer, fragte ich, könnte einsehen, auf welche Weise die Vielheit der Dinge aus dem göttlichen Geiste entspringt, da das Einsehen Gottes, die unendliche Einheit, sein Sein ist?

Vergleicht man das mit der Zahl und bedenkt, daß sie die vom Geist vollzogene Vervielfältigung eines Gemeinsamen ist, so scheint es, daß Gott als die Einheit in den Dingen vervielfältigt ist, weil sein Einsehen Sein ist. Aber man begreift auch, daß es nicht möglich ist, diese Einheit, die die unendliche und größte ist, zu vervielfältigen. Wie kann man die Vielheit einsehen, deren Sein aus dem Einen ohne Vervielfältigung des Einen stammt? Oder wie kann man die Vervielfältigung der Einheit ohne Vervielfältigung verstehen? Jedenfalls nicht wie die Vervielfältigung einer Art oder einer Gattung in vielen Arten oder Individuen, außerhalb derer Gattung oder Art nur durch den abstrahierenden Intellekt besteht.== Einzelnachweise ==

  1. ↑ 70.30
  2. ↑ [p.71]
  3. ↑ 71.5
  4. ↑ 71.10