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Werk:De docta ignorantia/110

aus AufEinWort, der freien Forschung

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Deus igitur, cuius esse unitatis non est per intellectum a rebus abstrahentem | neque rebus unitum aut immersum, quomodo explicetur [1] per numerum rerum, nemo intelligit. Si consideras res sine eo, ita nihil sunt sicut numerus sine unitate. Si consideras ipsum sine rebus, [2] ipse est et res sunt nihil. Si consideras ipsum ut est in rebus, res aliquid esse, in quo ipse est, consideras; et in hoc erras, ut patuit in proximo capitulo, quoniam esse rei non est aliud, ut est diversa res, sed eius esse est ab esse. Si consideras rem ut est in Deo, tunc est Deus et unitas.

[3] Non restat nisi dicere, quod pluralitas rerum exoriatur eo, quod Deus est in nihilo. Nam tolle Deum a creatura, et remanet nihil; tolle substantiam a composito, et non remanet aliquod accidens et ita nihil remanet. Quomodo hoc possit per nostrum attingi intellectum? Nam quamvis accidens pereat sublata substantia, non est propterea accidens [4] nihil. Perit autem, quia accidentis esse est adesse; et propterea, sicut quantitas non est nisi per esse substantiae, tamen quia adest, tunc substantia per quantitatem est quanta. Non sic hic; nam creatura ita Deo non adest. Nihil enim confert Deo, sicut accidens substantiae; [5] immo accidens intantum confert substantiae, quod quamvis ab ea habeat esse, tamen ex consequenti substantia sine omni accidente esse nequit. Hoc quidem in Deo similiter esse nequit.

Niemand begreift, wie Gott, dessen Sein in Einheit nicht durch den von den Dingen abstrahierenden Geist, noch mit den Dingen geeint oder in ihnen eingeschlossen besteht, durch die Zahl der Dinge entfaltet wird. Betrachtet man die Dinge ohne ihn, sind sie so nichts wie die Zahl ohne die Einheit. Betrachtet man ihn ohne die Dinge, dann ist er und die Dinge sind nichts. Betrachtet man ihn in den Dingen, so sieht man, daß die Dinge etwas sind, in dem er selbst ist. Und darin irrt man, wie sich im letzten Kapitel ergab, denn das Sein der Dinge ist keine verschiedene Sache, es ist vielmehr ein Abhängig-Sein. Wenn man das Ding betrachtet, wie es in Gott ist, dann ist es Gott und die Einheit. Es bleibt nichts als zu sagen, daß die Vielheit der Dinge [6] dadurch entsteht, daß Gott im Nichts ist. Denn nimmt man Gott vom Geschöpf weg, so bleibt nichts; nimmt man den Grundbestand vom Zusammengesetzten, so bleibt auch kein zufällig Hinzu-Kommendes, also Nichts. Wie kann unser Geist dies erfassen? Denn obwohl das Hinzukommende vergeht, wenn der Grundbestand hinweggenommen ist, so ist es doch nicht Nichts. Es vergeht aber, weil sein Sein Dabei-Sein ist. Wie die Quantität nur durch das Sein des Grundbestandes ist, so ist der Grundbestand dennoch durch die Quantität, die als solche dabei ist, quantitativ.

Hier ist es nicht so; das Geschöpf ist nicht in dieser Weise bei Gott. Gott kommt nichts so zu, wie das Hinzukommende dem Grundbestand zukommt. Denn obwohl jenes sein Sein von diesem hat, trägt es zu diesem so viel bei, daß er ohne es nicht sein kann. Bei Gott kann es nicht ähnlich sein.== Einzelnachweise ==

  1. ↑ fol.15r
  2. ↑ 71.15
  3. ↑ 71.20
  4. ↑ 71.25
  5. ↑ [p.72]
  6. ↑ [p.337]