Werk:De docta ignorantia/12
[1] Oppositiones igitur hiis tantum, quae excedens admittunt et excessum, et hiis differenter conveniunt; maximo absolute nequaquam, quoniam supra omnem oppositionem est. Quia igitur maximum [2] absolute est omnia absolute actu, quae esse possunt, taliter absque quacumque oppositio|ne, ut in maximo minimum coincidat, tunc [3] super omnem affirmationem est pariter et negationem. Et omne id, quod concipitur esse, non magis est quam non est; et omne id, quod [4] concipitur non esse, non magis non est quam est. Sed ita est hoc, quod est omnia, et ita omnia, quod est nullum; et ita maxime hoc, quod est minime ipsum. Non enim aliud est dicere ‘Deus, qui est ipsa maximitas absoluta, est lux,’ quam ita ‘Deus est maxime lux, quod est minime lux’. Aliter enim non esset maximitas absoluta omnia possibilia [5] actu, si non foret infinita et terminus omnium et per nullum omnium terminabilis, prout in sequentibus ipsius Dei pietate explanabimus. Hoc autem omnem nostrum intellectum transcendit, qui nequit contradictoria in suo principio combinare via rationis, quoniam per ea, quae nobis a natura manifesta fiunt, ambulamus; quae longe ab hac [6] infinita virtute cadens ipsa contradictoria per infinitum distantia connectere simul nequit. Supra omnem igitur rationis discursum incomprehensibiliter absolutam maximitatem videmus infinitam esse, cui nihil opponitur, cum qua minimum coincidit. Maximum autem et minimum, ut in hoc libello sumuntur, transcendentes absolute [7] significationis termini existunt, ut supra omnem contractionem ad quantitatem molis aut virtutis in sua simplicitate absoluta omnia complectantur.
Gegensätze kommen nur dem zu, das Ausgehendes und Ausgegangnes zuläßt, und zwar in unterschiedlicher Weise; jedoch in keiner Weise dem absolut Größten, denn das liegt jenseits aller Gegensätzlichkeit.
Da also das in Absolutheit Größte alles auf absolute Weise als Wirklichkeit ist, und zwar da das Kleinste im Größten koinzidiert, ohne jede Gegensätzlichkeit, so steht es in gleicher Weise jenseits jeder Bejahung und Verneinung. Und alles das, was als Sein begriffen wird, ist nicht mehr als es nicht ist, und alles das, was als Nicht-Sein begriffen wird, ist nicht mehr Nicht-Ist als es ist, es ist dies vielmehr so, daß es alles ist, und so alles, daß es keines ist und so am meisten dies, das es am wenigsten ist; denn zu sagen: «Gott, der die absolute Größe selbst ist, ist das Licht» heißt nichts anderes als «Gott ist am meisten Licht, weil er es am wenigsten ist». Ansonsten nämlich – wenn die absolute Größe nicht unendlich und die Zielgrenze von allem und durch nichts von allem bestimmbar wäre – wäre sie nicht alles Mögliche als Wirklichkeit, wie wir im folgenden mit der Hilfe Gottes ausführen werden.
Das aber übersteigt unsere ganze Einsicht, die auf dem Weg des Verstandes das Widersprechende in seinem Ursprung nicht zusammenbringen kann, da wir uns auf dem Boden dessen, das uns von Natur offenbar wird, fortbewegen. Der Verstand weicht weit von dieser unendlichen Kraft ab und kann das unendlich weit voneinander getrennte, kontradiktorisch Gegensätzliche nicht zugleich verknüpfen.
Jenseits jeden rationalen Gedankenwegs sehen wir in Unbegreifbarkeit, daß die absolute Größe, welcher, da sie mit dem Kleinsten koinzidiert, nichts entgegengesetzt wird, unendlich ist. Das Größte aber und das Kleinste, wie sie in diesem Buch verstanden werden, bestehen, die Grenze der Begriffsbedeutung überschreitend, in absoluter Weise, so daß sie jenseits aller Verschränkung zur Quantität der Masse oder Kraft in absoluter Einfachheit alles umfassen.