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Werk:De docta ignorantia/13

aus AufEinWort, der freien Forschung

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Capitulum V.

Maximum est unum.

[1] Ex hiis clarissime constat maximum absolute incomprehensibiliter intelligibile pariter et innominabiliter nominabile esse, uti de hoc manifestiorem doctrinam inferius pandemus.

[2] Nihil est nominabile, quo non possit maius aut minus dari, cum nomina hiis attributa sint rationis motu, quae quadam proportione excedens admittunt aut excessum. Et quoniam omnia sunt eo meliori modo, quo esse possunt, tunc sine numero pluralitas entium esse [3] nequit; sublato enim numero cessant rerum discretio, ordo, proportio, harmonia atque ipsa entium pluralitas. Quod si numerus ipse esset infinitus – quoniam tunc maximus actu, cum quo coincideret minimum –, pariter cessarent omnia praemissa. In idem enim redit numerum infinitum esse et minime esse. Si igitur ascendendo in [4] numeris devenitur actu ad maximum, quoniam finitus est numerus: non devenitur tamen ad maximum, quo maior esse non possit, quoniam hic foret infinitus. Quare manifestum est ascensum numeri esse finitum actu et illum in potentia fore ad alium. Et si in descensu pariter se numerus haberet, ut dato quocumque parvo numero actu, [5] quod tunc per subtractionem semper dabilis esset minor sicut in ascensu per additionem maior, – adhuc idem; quoniam nulla rerum discretio foret, neque ordo neque pluralitas neque excedens et excessum in numeris reperiretur, immo non esset numerus. Quapropter necessarium est in numero ad minimum deveniri, quo minus esse [6] nequit, uti est unitas. Et quoniam unitati minus esse nequit, erit unitas minimum simpliciter, quod cum maximo coincidit per statim ostensa.

Kapitel V.

Das Größte ist das Eine

Aus dem bis jetzt Gesagten ergibt sich eindeutig, daß das absolut Größte auf unbegreifliche Weise einsichtig und gleicherweise auf unnennbare Weise nennbar ist; darüber werde ich später noch eine deutlichere Theorie entwickeln. Nichts ist nennbar, von dem es nicht ein Mehr oder Weniger geben kann, denn die Namen sind durch die Tätigkeit des Verstandes dem zugeteilt, was in Verhältnisbeziehung Ausgehendes oder Ausgegangenes zuläßt. Und da alles auf die relativ beste Weise ist, kann die Vielheit der Seienden nicht ohne die Zahl bestehen. Nimmt man nämlich die Zahl weg, dann hören Unterscheidung, Ordnung, Verhältnisbeziehung, Harmonie und die Vielheit der Seienden auf. Ebenso wäre das Genannte hinfällig, wenn die Zahl selbst unendlich wäre, weil sie dann das Größte als Wirklichkeit wäre und mit dem Kleinsten koinzidierte. Denn es ergibt sich dasselbe Resultat, wenn die Zahl unendlich oder am kleinsten ist.

Weil die Zahlen endlich sind, kommt man durch Aufsteigen in ihnen zu einer tatsächlich größten; aber man kommt doch nicht zu einer größten, über die hinaus es keine größere geben kann, denn diese wäre unendlich. Daher ist offenkundig, daß der Aufstieg der Zahl tatsächlich begrenzt ist und daß sie in der Möglichkeit zu einer andern steht. Verhält sich die Zahl im Abstieg ebenfalls so, daß wie im Aufstieg durch Addition ein Größeres, bei einem in der Zahl wirklich gegebenen Kleinsten durch Subtraktion stets ein noch Kleineres möglich wäre, so gilt hier dasselbe. Andernfalls gäbe es keine Unterscheidung der Dinge; weder Ordnung noch Vielfalt noch Ausgehendes noch Ausgegangenes würde in der Zahl gefunden, ja es gäbe überhaupt keine Zahl.

Darum ist es notwendig, in der Zahl zu einem Kleinsten zu gelangen, über das hinaus nichts kleiner sein kann, wie es die Einheit ist. Und da nichts kleiner sein kann als die Einheit, wird die Einheit das schlechthin Kleinste sein, das, wie ich gerade gezeigt habe, mit dem Größten koinzidiert.

Einzelnachweise

  1. ↑ 11.25
  2. ↑ [p.12]
  3. ↑ 12.5
  4. ↑ 12.10
  5. ↑ 12.15
  6. ↑ 12.20