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Werk:De docta ignorantia/132

aus AufEinWort, der freien Forschung

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Capitulum VIII.

De possibilitate sive materia universi.

Ut summatim saltem ea, quae nostram ignorantiam doctam efficere possunt, hic enarremus, iam dictos essendi trinos modos aliquantulum [1] discutiamus, a possibilitate inchoantes. De qua multa quidem per veteres dicta sunt, quorum omnium sententia fuit ex nihilo nihil fieri; et ideo quandam absolutam omnia essendi possibilitatem et illam aeternam affirmarunt, in qua omnia possibiliter complicata credebant. [2] Quam quidem materiam seu possibilitatem contrario modo ratiocinando sicut de absoluta necessitate conceperunt, ut per abstractionem formae corporeitatis a corpore, corpus non corporaliter intelligendo. Et ita non nisi ignoranter materiam attigerunt; quomodo enim intelligitur sine forma incorporee? Hanc omnem rem natura praeire [3] dicebant, ita quod numquam verum fuit dicere: ‘Deus est’, quin etiam | verum esset dicere: ‘Absoluta possibilitas est’. Non tamen affirmarunt [4] eam Deo coaeternam, quoniam ab ipso est; quae nec est aliquid nec nihil, neque una neque plures, neque hoc neque illud, neque quid neque quale, sed possibilitas ad omnia, et nihil omnium actu.

Kapitel VIII.

Die Möglichkeit oder der Stoff des Gesamt

Um das, was unsere Unwissenheit zu einer gewußten machen kann, wenigstens in den Hauptzügen hier aufzuzeigen, wollen wir die schon erwähnten dreifachen Weisen der Wirklichkeit kurz besprechen. Wir beginnen mit der Möglichkeit. Schon die Alten sagten viel darüber. Ihre übereinstimmende Meinung ging dahin, daß aus dem Nichts nichts werden kann. Darum waren sie überzeugt, es gäbe eine absolute Möglichkeit alles Wirklichen, welche ewig sei, in der ihrer Ansicht nach alles als Möglichkeit eingeschlossen sei.

Aber diesen Stoff oder diese Möglichkeit faßten sie in einer irrigen, nur für die absolute Notwendigkeit gültigen Art der Schlußfolgerung auf, indem sie durch Abstraktion der [p.363] körperlichen Gestalt vom Körper diesen nicht körperlich verstehen wollten. Und so erreichten sie den Stoff nur in der Weise der Unwissenheit. Denn wie sollte ein Körper ohne die ihm einwohnende Gestalt begriffen werden? Dieser Stoff gehe, so sagten sie, von Natur aus jedem Ding voran, so daß es niemals wahr gewesen sei zu sagen: Gott ist, ohne daß auch wahr gewesen wäre, zu sagen: die absolute Möglichkeit ist. Dennoch behaupteten sie nicht, er sei gleich ewig, wie Gott, da er von ihm kommt. Der Stoff ist weder etwas noch nichts, weder eines noch vieles, weder dies noch jenes, weder ein Was noch ein Wie, sondern die Möglichkeit zu allem und nichts von allem wirklich.== Einzelnachweise ==

  1. ↑ [p.85]
  2. ↑ 85.5
  3. ↑ 85.10
  4. ↑ fol.18r