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Werk:De docta ignorantia/133

aus AufEinWort, der freien Forschung

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[1] Quam Platonici, quia omni forma caret, carentiam dixerunt. Et quia caret, appetit; et per hoc est aptitudo, quia oboedit necessitati, [2] quae ei imperat – id est attrahit ad esse actu –, sicut cera artifici ex ea aliquid facere volenti. Procedit autem informitas ex carentia et aptitudine, ipsa connectens, ut sit possibilitas absoluta quasi trina incomposite, quoniam carentia et aptitudo et [3] informitas non possunt esse eius partes; alioquin possibilitatem absolutam praecederet aliquid, quod est impossibile. Unde sunt modi, sine quibus possibilitas absoluta talis non esset. Carentia enim contingenter est in possibilitate. Ex eo enim, quod formam non habet, quam habere potest, carere dicitur; ex quo carentia. Informitas vero [4] est quasi forma possibilitatis, quae, ut voluerunt Platonici, est quasi materia formarum. Nam anima mundi materiae secundum ipsam connectitur, quam stirpeam vegetabilem dixerunt, ita quod, cum anima mundi possibilitati immiscetur, vegetabilitas illa informis in actu vegetativam animam perducitur ex motu ab anima mundi [5] descendente et ex mobilitate possibilitatis sive vegetabilitatis. Ex quo affirmarunt ipsam informitatem quasi materiam formarum, quae per sensitivam, rationalem et intellectualem formatur, ut sit actu.

Die Platoniker nannten ihn, der aller Gestalt entbehrt, Mangel. Und weil er entbehrt, verlangt er; darum ist er Eignung. Er gehorcht der Notwendigkeit, die ihm befiehlt, d. h. ihn zum wirklichen Sein heranzieht, so wie das Wachs dem Künstler gehorcht, der aus ihm etwas bilden will. Aus Mangel und Eignung geht aber, beide verknüpfend, die Gestaltlosigkeit hervor, so daß die absolute Möglichkeit gleichsam dreifach und nicht zusammengesetzt ist, da Leere, Eignung und Gestaltlosigkeit nicht ihre Teile sein können. Andernfalls ginge der absoluten Möglichkeit etwas voraus, und das ist unmöglich. Daher sind sie Modi, ohne die die absolute Möglichkeit keine solche wäre. Der Mangel ist nur zufällig in der Möglichkeit. Weil er die Gestalt, die er haben kann, nicht besitzt, sagt man von ihm, er ermangle; eben darum heißt er Mangel. Die Gestaltlosigkeit dagegen ist gleichsam die Gestalt der Möglichkeit, die, wie die Platoniker wollten, der Stoff der Gestalten ist. Denn die Seele der Welt verbindet sich dem sogenannten Lebenssproß entsprechend mit dem Stoff; denn wenn sich die Seele der Welt mit der Möglichkeit vereinigt, wird auf Grund einer von der Weltseele ausgehenden Bewegung und der Beweglichkeit der Möglichkeit – oder Lebensmöglichkeit – eben diese gestaltlose Lebensmöglichkeit zur lebendigen Seele verwirklicht. Darum behaupteten sie, die Gestaltlosigkeit sei gleichsam der Stoff der Gestalten, der durch die sinnliche, verständige und vernünftige Gestalt gebildet wird, so daß er wirklich ist.== Einzelnachweise ==

  1. ↑ 85.15
  2. ↑ [p.86]
  3. ↑ 86.5
  4. ↑ 86.10
  5. ↑ 86.15