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Werk:De docta ignorantia/14

aus AufEinWort, der freien Forschung

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Non potest autem unitas numerus esse, quoniam numerus excedens admittens nequaquam simpliciter minimum nec maximum esse potest; sed est principium omnis numeri, quia minimum; est finis omnis [1] numeri, quia maximum. Est igitur unitas absoluta, cui nihil opponitur, ipsa absoluta maximitas, quae est Deus benedictus. Haec unitas, cum maxima sit, non est multiplicabilis, quoniam est omne id, quod esse potest. Non potest igitur ipsa numerus fieri.

Vide per numerum ad hoc nos deductos, ut intelligamus innominabili [2] Deo unitatem absolutam propius convenire quodque Deus ita est unus, ut sit actu omne id, quod possibile est. Quapropter non [3] recipit ipsa unitas magis nec minus, nec est multiplicabilis. Deitas itaque est unitas infinita. Qui er|go dixit: «Audi, Israel, Deus tuus unus est»[4][5] et «unus est magister et pater vester in caelis»[6], nihil verius dicere potuit; qui diceret plures deos esse, hic nec Deum nec [7] quidquam omnium universi esse falsissime affirmaret, uti in sequentibus ostendetur. Nam uti numerus, qui ens rationis est fabricatum per nostram comparativam discretionem, praesupponit necessario unitatem pro tali numeri principio, ut sine eo impossibile sit numerum esse: ita rerum pluralitates ab hac infinita unitate descendentes ad [8] ipsam se habent, ut sine ipsa esse nequeant; quomodo enim essent sine esse? Unitas absoluta est entitas, ut posterius videbimus.

  • Nicht aber kann die Einheit Zahl sein, da die Zahl Ausgehendes zuläßt und in keiner Weise das schlechthin Kleinste noch das Größte sein kann. Die Einheit ist vielmehr der Ursprung jeder Zahl, da sie das Kleinste, und das Ende jeder Zahl, da sie das Größte ist.
  • Die absolute Einheit, der nichts entgegengesetzt wird, ist die absolute Größe selbst, die Gott ist, gepriesen sei Er. Diese Einheit kann als die größte nicht vervielfältigt werden; sie ist alles das, was sie sein kann; demnach kann sie nicht Zahl werden.
  • Sieh, wir sind durch die Zahl dazu geführt worden, einzusehen, daß dem unnennbaren Gott die absolute Einheit zukommt und daß Gott so Einer ist, daß er als Wirklichkeit alles ist, was sein kann. Daher nimmt die Einheit weder mehr noch weniger auf und kann nicht vervielfältigt werden. Die Gottheit ist also unendliche Einheit. Jener, der gesagt hat: «Höre Israel, Dein Gott ist ein einiger Gott» und «Einer ist Meister und Euer Vater im Himmel», konnte nichts Wahreres sagen.
  • Wer sagte, es gäbe mehrere Götter, der würde, wie im folgenden gezeigt wird, völlig verkehrt behaupten, daß es weder Gott noch irgend etwas von dem Gesamt gibt. Denn wie die Zahl, die ein durch unsere vergleichende Unterscheidung gebildetes Gedankending ist, notwendig die Einheit als ihren Ursprung voraussetzt, und zwar dergestalt, daß ohne sie das Zahl-Sein unmöglich wäre, so verhält sich auch die Vielheit der Dinge, die von der unendlichen Einheit her absteigt, zu dieser so, daß sie ohne sie nicht sein kann; denn wie wären sie ohne das Sein? Die absolute Einheit ist die Seiendheit, wie wir später sehen werden.== Einzelnachweise ==
  1. ↑ 12.25
  2. ↑ 12.30
  3. ↑ [p.13]
  4. ↑ fol.3r
  5. ↑ cf. Deuteron. 6,4.
  6. ↑ cf. Matth. 23,8 sq.
  7. ↑ 13.5
  8. ↑ 13.10