Werk:De docta ignorantia/142
Hanc excelsam naturam alii mentem, alii intelligentiam, alii animam mundi, alii fatum in substantia, alii – ut Platonici – necessitatem complexionis nominarunt, qui aestimabant possibilitatem necessitate per ipsam determinari, ut sit nunc actu, quod prius natura potuit. In illa enim mente formas rerum actu intelligibiliter esse [1] aiebant sicut in materia possibiliter, et quod ipsa necessitas | complexionis [2] in se veritatem habens formarum cum hiis, quae ipsas concomitantur, secundum naturae ordinem moveret caelum, ut mediante motu tamquam instrumento possibilitatem ad actum et, quanto conformius posset, conceptui veritatis intelligibili aequale deduceret; [3] concedentes formam, ut in materia est, per hanc operationem mentis mediante motu esse imaginem verae intelligibilis formae, et ita non veram, sed verisimilem. Et ita aiebant Platonici non tempore, sed natura prius esse formas veras in anima mundi quam in rebus. Quod [4] Peripatetici non concedunt, quoniam dicunt formas aliud esse non habere nisi in materia et per abstractionem in intellectu, quae sequitur rem, ut patet.
Diese erhabene Natur nannten die einen Geist, andere Vernunfterkenntnis, andere Weltseele, andere Schicksal in der Substanz, andere – wie die Platoniker – Notwendigkeit der Beschaffenheit. Sie waren der Meinung, daß die Möglichkeit vermittels der Notwendigkeit durch jene bestimmt werde, so daß, was zuvor die Natur vermochte, jetzt wirklich ist. Sie sagten, daß die Gestalten, wie sie im Stoff als Möglichkeit sind, in jenem Geist als Wirklichkeit geistig erkennbar vorhanden seien; die Notwendigkeit der Beschaffenheit, die in sich die Wahrheit der Gestalten und dessen, das zu ihnen gehört, besitze, bewege den Himmel entsprechend der Ordnung der Natur, damit sie vermittels dieser Bewegung gleichsam als mit einem Werkzeug die Möglichkeit zur Verwirklichung und, soweit es möglich ist, zu dem mit dem geistigen Begriff der Wahrheit Gleichen führe. Sie geben damit zu, daß die Gestalt, wie sie in der Materie ist, durch diese Tätigkeit des Geistes vermittels der Bewegung das Bild der wahren, vernünftigen Gestalt wird und so nicht das Wahre, sondern das dem Wahren ähnliche Bild.
[p.373] Und so sagten die Platoniker, daß die wahren Gestalten in der Weltseele früher seien als in den Dingen, aber nicht der Zeit, sondern der Natur nach. Die Peripatetiker stimmen dem nicht zu, weil sie sagen, die Gestalten hätten kein anderes Sein als nur im Stoff und – durch Abstraktion – im Intellekt, der offenkundig dem Ding folgt.== Einzelnachweise ==