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Werk:De docta ignorantia/147

aus AufEinWort, der freien Forschung

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Peripatetici vero quamvis fateantur opus naturae esse opus [1] intelligentiae, exemplaria tamen illa non admittunt; quos certe, nisi per intelligentiam Deum intelligant, deficere puto. Nam si non est notitia in intelligentia, quomodo movet secundum propositum? Si est notitia rei explicandae temporaliter, quae est ratio motus, talis a re, quae nondum est temporaliter, abstrahi non potuit. Si igitur est notitia 93.25 sine abstractione, certe tunc est illa, de qua loquuntur Platonici, quae non est a rebus, sed res secundum eam. Unde Platonici non voluerunt tales rerum rationes esse quid distinctum et diversum ab ipsa intelligentia, sed potius quod tales distinctae inter se unam quandam intelligentiam simplicem, in se omnes rationes complicantem, efficerent; [2] ut quamvis ratio hominis non sit ratio lapidis, sed sint distinctae rationes, tamen ipsa humanitas, a qua descendit homo sicut ab albedine album, non habet aliud esse quam in ipsa intelligentia secundum naturam intelligentiae intelligibiliter et in ipsa re realiter; [3] non quod sit alia humanitas Platonis et alia separata, sed eadem secundum diversos modos essendi, existens prius naturaliter in intelligentia quam materia, non prius tempore, sed sicut ratio rem natura praecedit.

Obwohl die Peripatetiker gestehen, daß das Werk der Natur das Werk der Vernunft sei, lassen sie diese Urbilder nicht gelten. Doch sind sie meiner Meinung nach völlig im Unrecht – außer sie verstehen unter jener Vernunft Gott. Denn wie bewegt sich die Vernunft entsprechend dem von uns Vorausgesetzten, wenn es in ihr keinen Begriff gibt? Wenn der Begriff des zu entfaltenden Dinges zeitlich ist – dies ist der Wesenssinn der Bewegung –, dann kann er vom Ding, das noch nicht zeitlich ist, nicht abstrahiert werden.

Wenn es einen Begriff ohne Abstraktion gibt, dann ist es gewiß jener, von dem die Platoniker reden. Dieser stammt nicht von den Dingen, sondern die Dinge entsprechen ihm.

Daher nahmen die Platoniker nicht an, daß dieser Wesenssinn der Dinge etwas von der Vernunft Unterschiedenes und Verschiedenes sei, sondern glaubten vielmehr, derartige unterschiedene Wesenssinne bewirkten eine einheitliche, einfache, alle Gründe in sich einschließende Vernunft, so daß, obwohl der Wesenssinn des Menschen nicht der des Steines ist, sondern beide voneinander verschieden, die Menschheit, aus der der Mensch stammt wie das Weiße vom Weißsein, dennoch kein anderes Sein besitzt als in der Vernunft, und zwar deren Natur gemäß auf vernünftige Weise; im Ding aber real. Nicht daß die Menschheit Platons eine andere und von andern getrennte wäre; sie ist dieselbe entsprechend den [p.379] verschiedenen Modi des Seins und besteht der Natur nach in der einsichtigen Vernunft früher als im Stoff. Dieses «früher» ist aber kein früher der Zeit nach, sondern geht so wie der Wesenssinn dem Ding der Natur nach voran.== Einzelnachweise ==

  1. ↑ 93.20
  2. ↑ [p.94]
  3. ↑ 94.5