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Werk:De docta ignorantia/148

aus AufEinWort, der freien Forschung

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Acute satis atque rationabiliter locuti sunt Platonici, forte irratio [1] nabiliter per Aristotelem reprehensi, qui potius in cortice verborum quam medullari intelligentia eos redarguere nisus est. Sed quid sit verius, per doctam ignorantiam eliciemus. Nam ostensum est non perveniri ad maximum simpliciter, et ita non posse esse aut absolutam potentiam aut absolutam formam sive actum, qui non sit Deus; [2] et quod non sit ens praeter Deum non contractum, et quod non est nisi una forma formarum et veritas veritatum, et non est alia veritas maxima circuli quam quadranguli. Unde formae rerum non sunt distinctae, nisi ut sunt contracte; ut sunt absolute, sunt una indistincta, quae est Verbum in divinis. Anima igitur mundi non habet esse [3] nisi cum possibilitate, per quam contrahitur, et non est ut mens separata a rebus aut separabilis. Nam si de mente consideremus, prout separata est a possibilitate, ipsa est mens divina, quae solum penitus actu est. Non est igitur possibile plura distincta exemplaria esse.

Quodlibet enim ad sua exemplata esset maximum atque verissimum; [4] sed hoc non est possibile, ut plura maxima et verissima sint. Unum enim infinitum exemplar tantum est sufficiens et necessarium, in quo omnia sunt ut ordinata in ordine, omnes quantumcumque distinctas rerum rationes adaequatissime complicans; ita quod ipsa infinita ratio est verissima ratio circuli, et non maior nec minor nec diversa aut [5] alia; et ipsamet est ratio quadranguli, non maior nec minor nec diversa; et ita de reliquis, ut ex exemplo lineae infinitae comprehendi potest.

Die Platoniker haben scharfsinnig und verständig genug gesprochen und der Tadel des Aristoteles, der sie eher nach der Schale ihrer Worte als nach dem Kern ihrer Einsicht zu widerlegen versuchte, war ziemlich unvernünftig. Durch die wissende Unwissenheit wollen wir ans Tageslicht bringen, was der Wahrheit besser entspricht. Es wurde gezeigt, daß man zum schlechthin Größten nicht gelangen kann. Deshalb kann es weder ein Sein noch eine absolute Möglichkeit noch eine absolute Gestalt oder Wirklichkeit geben, die nicht Gott wäre und deshalb gibt es auch außerhalb Gottes nur verschränktes Sein, es gibt nur eine Gestalt der Gestalten und Wahrheit der Wahrheiten, und die Wahrheit des größten Kreises ist keine andere als die des Vierecks. Daher sind die Gestalten der Dinge nur verschieden, wenn sie verschränkt sind, wenn sie absolut sind dagegen die eine ungeschiedene Gestalt, die im Göttlichen das Wort heißt.

Die Weltseele besitzt Sein also nur zusammen mit der Möglichkeit, durch die sie verschränkt wird und ist nicht wie der Geist von den Dingen getrennt oder trennbar. Denn wenn wir über den Geist nachdenken, wie er von der Möglichkeit getrennt ist, so ist es der göttliche Geist selbst, der allein ganz Wirklichkeit ist. Demnach ist es nicht möglich, daß es mehrere, unterschiedene Urbilder gibt. Jedes wäre nämlich für sein Abbild das größte und wahrste und das ist unmöglich, weil es dann mehrere Größte und Wahrste gäbe. Ein geistiges, unendliches Urbild ist genügend und notwendig, in dem alles als in Ordnung geordnet ist. Alle wie auch immer unterschiedenen Wesensgründe der Dinge schließt es in genauer und angemessener Weise ein, so daß der unendliche Wesensgrund selbst der wahrste Wesenssinn des Kreises ist, weder größer noch kleiner noch verschieden noch anders. Er ist auch der Wesenssinn des Quadrates, nicht größer, nicht kleiner, nicht verschieden und nicht anders. Dasselbe gilt, wie man am Beispiel der unendlichen Linie verstehen kann, für alle Dinge.== Einzelnachweise ==

  1. ↑ 94.10
  2. ↑ 94.15
  3. ↑ 94.20
  4. ↑ 94.25
  5. ↑ 94.30