Werk:De docta ignorantia/163
Terra etiam ista non est sphaerica, ut quidam dixerunt, licet tendat [1] ad sphaericitatem. Nam figura mundi contracta est in eius partibus, sicut et motus; quando autem linea infinita consideratur ut contracta taliter, quod ut contracta perfectior esse nequit atque capacior, tunc est circularis; nam ibi principium coincidit cum fine. Motus igitur perfectior est circularis, et figura corporalis perfectior ex hoc sphaeri [2] ca. Quare omnis motus partis est propter perfectionem ad totum, ut gravia versus terram et levia sursum, terra ad terram, aqua ad aquam, aer ad aerem, ignis ad ignem; et motus totius, quantum potest, circularem concomitatur et omnis figura sphaericam figuram, ut in animalium partibus et arboribus et caelo experimur. Unde unus motus est [3] circularior et perfectior alio, ita et figurae sunt differentes.
Die Erde ist also nicht sphärisch, wie einige sagten, auch wenn sie zur Kugelgestalt hinstrebt. Denn die Gestalt der Welt ist in ihren Teilen verschränkt wie auch die Bewegung. Betrachtet man die unendliche Linie als verschränkte dergestalt, daß sie als verschränkte nicht vollkommener und größerer Möglichkeiten fähig ist, so ist sie eine Kreislinie. Denn in dieser konzidiert der Anfang mit dem Ende.
[p.399] Die vollkommenere Bewegung ist also kreisförmig, und die vollkommenere körperliche Gestalt ist aus diesem Grund die Kugel. Darum ist jede Bewegung der Teile der Vollkommenheit wegen auf das Ganze gerichtet, wie das Schwere zur Erde, das Leichte nach oben, die Erde zur Erde, das Wasser zum Wasser, die Luft zur Luft, das Feuer zum Feuer. Die Bewegung des Ganzen schließt sich, soweit sie kann, der Kreisbewegung an und jede Gestalt der Kugelgestalt, wie wir es bei den Tieren, den Bäumen und am Himmel erfahren. Daher ist die eine Bewegung dem Kreis ähnlicher und vollkommener als die andere und die Gestalten sind auf diese Weise verschieden.