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Werk:De docta ignorantia/172

aus AufEinWort, der freien Forschung

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108.20 Hoc quidem opinamur ex influentia ignili solis et aquatica simul et aerea lunae et gravedine materiali terrae, consimiliter de aliis stellarum regionibus suspicantes nullam inhabitatoribus carere, quasi tot sint partes particulares mundiales unius universi, quot sunt stellae, quarum non est numerus; ut unus mundus universalis sit contractus [1] triniter progressione sua quaternaria descensiva in tot particularibus, quod eorum nullus est numerus nisi apud eum, qui omnia in numero creavit.

Etiam corruptio rerum in terra, quam experimur, non est efficax argumentum ignobilitatis. Nobis enim constare non poterit, [2] postquam est unus mundus universalis et proportiones influentiales [p.109] omnium particularium stellarum ad invicem, quod aliquid sit corruptibile penitus, sed bene secundum alium et alium essendi modum, quando ipsae influentiae iam quasi contractae in uno individuo resolvuntur, ut modus essendi sic vel sic pereat, ut non sit morti locus, ut [3] ait Virgilius. Mors enim nihil esse videtur nisi ut compositum ad componentia resolvatur; et an talis resolutio solum sit in terrenis incolis, quis scire poterit?

Dies vermuten wir aus dem feurigen Einfluß der Sonne, aus dem wäßrigen und luftigen des Mondes und aus der stofflichen Schwere der Erde in ähnlicher Weise von den andern Sternregionen; dabei nehmen wir an, daß keine Region der Bewohner entbehrt und es gleichsam so viele besondere Teil-Welten des einen Gesamt gibt, wie Sterne, die keine Zahl haben; daß die eine gesamte Welt in einem viermal absteigenden Fortschreiten zu so viel Besonderem dreifach verschränkt ist, daß nur der, der alles in der Zahl erschaffen hat, dessen Zahl kennt.

Auch die Vergänglichkeit der Dinge auf der Erde, die wir erfahren, ist kein bündiges Argument für ihre Niedrigkeit. Da es ein Weltgesamt gibt und alle einzelnen Sterne zueinander in einem gegenseitig beeinflussenden Verhältnis stehen, dürfen wir nicht annehmen, daß etwas vollkommen vergehen kann. Wohl aber ist es nach dem einen und andern Seinsmodus vergänglich, wenn sich die in dem einen Individuum gleichsam verschränkten Beeinflussungen auflösen und die Seinsweise so oder so vergeht; darum ist für den Tod kein Platz, wie Virgil sagt. Der Tod scheint nämlich in nichts anderem zu bestehen als darin, daß sich das Zusammengesetzte in das Zusammensetzende auflöst. Und wer weiß, ob es eine solche Auflösung nur bei den Bewohnern der Erde gibt?== Einzelnachweise ==

  1. ↑ 108.25
  2. ↑ 108.30
  3. ↑ 109.5