Werk:De docta ignorantia/175
Capitulum XIII.
De admirabili arte divina in mundi et elementorum creatione.
Quoniam sapientum concors sententia est per ista visibilia et magnitudinem, pulchritudinem atque ordinem rerum nos duci in [1] stuporem artis et excellentiae divinae, et nonnulla mirabilis scientiae Dei artificia tetigimus, quam breviter in universi creatione pauca subiungamus admirative de elementorum situ et ordine.
Est autem Deus arithmetica, geometria atque musica simul et astronomia usus in mundi creatione, quibus artibus etiam et nos [2] utimur, dum proportiones rerum et elementorum atque motuum investigamus. Per arithmeticam enim ipsa coadunavit; per geometriam figuravit, ut ex hoc consequerentur firmitatem et stabilitatem atque mobilitatem secundum conditiones suas; per musicam proportionavit [3] taliter, ut non plus terrae sit in terra quam aquae in aqua et aeris in aere et ignis in igne, ut nullum elementorum in aliud sit penitus resolubile. Ex quo evenit mundi machinam perire non posse. Et licet pars unius in aliud resolvi possit, numquam tamen totus aer, qui est [4] permixtus aquae, in aquam converti potest propter aerem circumstantem hoc impedientem, ut elementorum semper sit permixtio.
Unde egit Deus, ut partes elementorum resolverentur mutuo. Et quando hoc fit cum mora, aliquid generatur ex concordia elementorum ad ipsum generabile durans, quamdiu durat concordia elementorum [5], qua rupta rumpitur et dissolvitur generatum.
Kapitel XIII.
Die wunderbare göttliche Kunst in der Erschaffung der Welt und ihrer Elemente
Es ist die einhellige Meinung der Weisen, daß wir durch dieses Sichtbare, durch die Größe, Schönheit und Ordnung der Dinge zur Bewunderung der göttlichen Kunst und Erhabenheit geführt werden. Darum wollen wir, nachdem wir einige Kunstwerke der wunderbaren Wissenschaft Gottes berührt haben, in Kürze einiges über den Ort und die Ordnung der Elemente innerhalb der Schöpfung des Weltgesamt voll Bewunderung hinzufügen. Gott hat bei der Erschaffung der Welt Arithmetik, Geometrie und Musik und zugleich Astronomie angewendet. Dieser Künste bedienen auch wir uns, wenn wir die Bezugsverhältnisse der Dinge und der Elemente und der Bewegung erforschen.
Durch die Arithmetik hat er alle diese miteinander vereint, durch die Geometrie hat er sie gestaltet, damit sie ihren Gegebenheiten gemäß daraus Festigkeit und Beständigkeit und Beweglichkeit erhielten. Durch die Musik brachte er sie in einen solchen Verhältnisbezug, daß in der Erde nicht mehr Erde als im Wasser Wasser, in der Luft Luft und im Feuer Feuer sei, damit keines der Elemente völlig in ein anderes aufgelöst werden kann.
[p.413] Daraus ergibt sich, daß das Weltgebäude nicht zugrunde gehen kann. Wenn auch ein Teil des einen in einen anderen aufgelöst werden kann, so kann dennoch niemals die ganze Luft, die mit dem Wasser vermischt ist, in Wasser umgewandelt werden, weil die umgebende Luft das verhindert; so besteht die Vermischung der Elemente immer. Darum bewirkt Gott, daß sich die Teile der Elemente wechselseitig auflösen. Tritt dabei eine Verzögerung ein, dann wird aus der Eintracht der Elemente etwas gezeugt, das so lange dauert wie die Möglichkeit des Zeugens besteht und die Eintracht der Elemente anhält; wird sie zerstört, so wird auch das Gezeugte zerstört und aufgelöst.== Einzelnachweise ==