Werk:De docta ignorantia/18
Capitulum VII.
De trina et una aeternitate.
Nulla umquam natio fuit, quae Deum non coleret et quem [1] maximum absolute non crederet. Reperimus Marcum Varronem in libris [2] Antiquitatum annotasse Sissennios unitatem pro maximo adorasse.
Pythagoras autem, vir suo aevo auctoritate irrefragabili clarissimus, unitatem illam trinam astruebat. Huius veritatem investigantes, altius ingenium elevantes dicamus iuxta praemissa: Id, quod omnem [3] alteritatem praecedit, aeternum esse nemo dubitat. Alteritas namque idem est quod mutabilitas; sed omne, quod mutabilitatem naturaliter praecedit, immutabile est; quare aeternum. Alteritas vero constat ex uno et altero; quare alteritas sicut numerus posterior est unitate. Unitas ergo prior natura est alteritate et, quoniam eam naturaliter praecedit, [4] est unitas aeterna.
Kapitel VII.
Die dreifache und eine Ewigkeit
Noch niemals hat es ein Volk gegeben, das nicht Gott verehrt und ihn als das in Absolutheit Größte geglaubt hätte.
Wir finden bei Marcus Varro in den «Altertümern» vermerkt, daß die Sissennier die Einheit als das Größte angebetet hätten. Pythagoras aber, ein in seiner Zeit hochberühmter Mann, von unerschütterlicher Autorität, fügte hinzu, daß jene Einheit eine dreifache sei. Um die Wahrheit dieser Behauptung zu erforschen, wollen wir unsere Geisteskraft höher erheben und gemäß dem Vorausgeschickten sagen: Niemand zweifelt, daß das, was jeder Andersheit vorausgeht, ewig sei. Denn die Andersheit ist dasselbe wie die Wandelbarkeit; alles aber, was der Wandelbarkeit von Natur vorangeht, ist unwandelbar und darum ewig. Die Andersheit besteht aus dem Einen und dem Andern, weshalb sie, wie die Zahl, später ist als die Einheit. Die Einheit also ist von Natur früher als die Andersheit und, weil sie dieser natürlich vorangeht, ewige Einheit.