Werk:De docta ignorantia/194
Quis igitur tam admirandam conciperet unionem, quae neque est ut formae ad materiam, cum Deus absolutus sit impermiscibilis [1] materiae non informans? Omnibus profecto unionibus intelligibilibus haec maior esset, ubi contractum non subsisteret – cum sit maximum – nisi in ipsa absoluta maximitate, nihil illi adiciens, cum sit maximitas absoluta, neque in eius naturam transiens, cum sit contractum. Subsisteret igitur contractum in absoluto taliter, quod, si [2] ipsum Deum conciperemus, falleremur, cum contractum naturam non mutet; si creaturam ipsum esse imaginaremur, deciperemur, cum maxi|mitas absoluta, quae Deus est, naturam non deserat; si vero [3] ut compositum ab utroque putaremus, erraremus, cum ex Deo et creatura, contracto et absoluto maxime, compositio sit impossibilis. [4] Oporteret enim ipsum tale ita Deum esse mente concipere, ut sit et creatura, ita creaturam ut sit et creator, creatorem et creaturam absque confusione et compositione. Quis itaque in excelsum adeo elevari possit, ut in unitate diversitatem et in diversitate unitatem concipiat? Supra omnem igitur [5] intellectum haec unio foret.
Wer also begriffe eine so wunderbare Vereinigung, die nicht einmal so ist wie die von Gestalt und Stoff, da der absolute Gott mit nichts vermischt werden und der Materie gegenüber nicht Form sein kann!
Gewiß wäre von allen denkbaren Vereinigungen keine größer als diese, wo das Verschränkte, da es das größte wäre, nur in der absoluten Größe selbst Bestand hätte; ihr, da sie die absolute Größe ist, nichts hinzufügte, aber auch nicht in deren Natur überginge, da es das Verschränkte ist. Das Verschränkte würde im Absoluten auf solche Weise bestehen, daß, wenn wir es als Gott begriffen, wir uns täuschten, da das Verschränkte die Natur nicht verändert; daß, wenn wir uns vorstellten, es sei ein Geschöpf, wir uns irrten, da die absolute Größe, die Gott ist, die Natur nicht verläßt; und daß, wenn wir es für eine Zusammenfügung von beiden hielten, wir in die Irre gingen, da aus Gott und der Kreatur, dem Verschränkten und dem auf größte Weise Absoluten, eine Zusammenfügung unmöglich wäre.
Es ist also notwendig im Geiste zu verstehen, daß dies so Gott ist, daß es auch Geschöpf und so Geschöpf, daß es auch Schöpfer ist, daß es Schöpfer und Geschöpf ohne Vermischung und Zusammensetzung ist.
Wer könnte so sehr erleuchtet und erhoben werden, daß er in der Einheit die Verschiedenheit und in der Verschiedenheit die Einheit begriffe? Diese Einung würde jenseits jedes Denkwirklichen liegen.== Einzelnachweise ==